Wohnhaus

Gutenbergstraße 72 · Ehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7718
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gutenbergstraße 72, 50823 Köln
Baujahrum 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 14.12.1995
Stadtteil Ehrenfeld

Erbaut um 1890; 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (erneuerte Gaube); 3 Achsen (mittiger Eingang); zweifarbige Backsteinfassade mit historisierenden Gliederungselementen (Anlehnung an mittelalterliche Bauformen); rechte Gebäudeachse erkerartig vorgestuft (1./2. OG, Treppengiebel in der Dachzone); gekoppelte "Erker"-Fenster, im 1.OG stichbogenförmig, im 2. OG spitzbogenförmig überfangen (Okulus im Bogenfeld durch Blechkartusche nachträglich geschlossen); Fensterbrüstung 2. OG rechts durch Wandfliesenfries (Vierpässe) betont; Drillingsfenster im 2. OG links; Horizontalgliederung durch vorkragende, profilierte Backsteingesimse (Sohlbankgesimse 1./2. OG, Traufgesims); Fenster erneuert; Fassade neu verfugt; Eingangstür original.

Rückfront: 3 Achsen; linke (erneuerte Balkonanlage) und Treppenhausachse vorgestuft; neu verputzt; Fenster erneuert; Hoftür original; Dachlandschaft durch Terrassenausbau verändert.

Innen original: reich ornamentierte Bodenfliesen (florale Motive) im Vorflur/ Treppenhaus; hölzerne Treppenanlage (Kellerabgang, profilierter Antrittspfosten, gedrehte Geländerstäbe, Handlauf); Wohnungseingangs-, Zimmer- und WC-Türen im 1. OG; Grundrisse weitgehend original (Dachgeschoß ausgebaut, neue Treppe zwischen 2. OG und DG).

Bestandteil des Denkmals sind auch die erhaltenen rückwärtigen Hofmauern. Nicht Bestandteil des Denkmals sind die rückwärtige Balkonerneuerung und das eingeschossige Hofgebäude.

Die städtebauliche Entwicklung Ehrenfelds zu einem Vorort im Nordwesten Kölns beginnt um die Mitte des 19. Jahrhunderts von der Venloer Straße aus in nördlicher Richtung in Höhe der Philipp- und Leostraße. Bis zu seiner Eingemeindung im Jahr 1888 gewann Ehrenfeld infolge zahlreicher industrieller Ansiedlungen rasch an Bedeutung. Im Verlauf der daraus resultierenden zügigen Erschließung weiterer Bereiche Ehrenfelds wird gegen Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts auch die Gutenbergstraße einheitlich bebaut. Wegen der verkehrsgünstigen Lage in Stadtnähe und der hohen Wohnqualität aufgrund der benachbarten Grünflächen siedelten sich im Bereich zwischen Stamm- und Subbelrather Straße vorwiegend mittlere Einkommensschichten an.

Die Architektur des o.g. Objektes sowie die der benachbarten Bebauung modifiziert die in Ehrenfeld häufig vorzufindende zeittypische Bauweise dahingehend, daß die Wirkung des roh belassenen mehrfarbigen Ziegelsteinmauerwerks an die Stelle der sonst vielfach üblichen glatt verputzten Fassaden (wie z.B. in der Rothehausstraße) tritt. Wesentliches Merkmal hierbei ist die flächig angelegte, mehrschichtig gestaffelte Fassade. Zeittypische Motive sind die farblich abgesetzten Stichbögen, profilierte Gesimse und das erkerartige Vorstufen einer Gebäudeachse so wie deren Überhöhung in der Dachzone.

Das Backsteinmaterial und die Detailformen verleihen dem Gebäude einen an mittelalterliche Bauten erinnerndes Aussehen. Diese rückwärtsgewandte romantisierende Bauaufassung ist Bestandteil der historistischen Architekturauffassung des ausgehenden 19. Jahrhundert. Als integraler Bestandteil des durch den Wechsel von Backstein- und Stuckbauten charakterisierten Straßenbildes ist das o.g. Objekt ein unbedingt zu erhaltendes bauliches Dokument Alt-Ehrenfelds.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0