Wohnhaus
Melchiorstraße 29 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4316 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Melchiorstraße 29, 50670 Köln |
| Baujahr | 1906 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 26.10.1987 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Das Mietshaus wurde 1906 errichtet. Baugeschichtlich gehört das 3-achsige, 4-geschossige Wohnhaus mit ausgebautem Dachgeschoß zu den interessanten Zeugnissen des Übergangs von dem traditionellen Historismus zu der neuen Bauepoche der Moderne. Das im Grundriß noch traditionell angelegte Traufenhaus mit der stark betonten Mittelachse aus dreistöckigen Erkern, mit Doppelfenstern im 1. Obergeschoß, versucht sich durch die neuen Gestaltungselementen der Fassade um einen neuen Ausdruck. Die schwungvolle Ornamentik der Jugendstilwelle beginnt ungewöhnlich schon bei der Rustikaquaderunterteilung. Anstatt der allgemein noch üblichen rechtwinkelartigen Fugenschnitte, reicht der spielartig explodierende Ornament bis zu dem Fensterbankgesims des 3. Stocks. Die flache Schmuckverzierung gewinnt dabei ein klares Profil in der Brüstungszone des obersten Geschosses und unter dem stark gekröpften Kranzgesims. Die traditionellen Maskengestalten und andere, bis jetzt benutzte Renaissancemotive sind in neue, stark bewegte Zeichenformen abstrakt-dekorativer Natur umgewandelt. Der entschiedene Einsatz von kontrastierendenden Farben (hier wahrscheinlich auch ursprünglich grün-gelb bzw. weiß) ermöglicht die neue akzentuierende Gliederung.
Die erneuernde Zeichensetzung gewinnt dabei oberhand nicht nur bei der Fassadengestaltung. Durch das zurückhaltend geschmückte Vestibül mit Farbmosaikeinlagen in dem Terrazzoboden, steigt man zu den stilistisch interessant gegliederten Fenstern der Zwischenstufe. Die geteilten Wohnungseingangstüren, getrennt in dem Wohnbereich und getrennt zu den Nebenräumen, beweisen die um 1905 sich schon stark durchsetztende Tendenz zur vollen Verselbständigung jeder Wohnung, die allgemein durch die Bevölkerung schon angenommene Umwandlung des Wohnhauses ins Mietshaus. In den mittleren zwei Zimmern ("Gästezimmern") der Straßenfront sind in einzelnen Wohnungen an den hohen Decken noch Stuckornamente vorhanden.
Ortsgeschichtlich ist das Haus ein Zeugnis der Erstbebauung des Wohnrayons nördlich der alten Stadtgrenzen bei der Gründungswelle rund um die Jahrhundertwende. Im Zeitraum von 1900 bis 1914 stieg die Stadtbevölkerung Kölns von 367 000 auf 635 000 Einwohner, wobei das größte Wachstum in dem Gebiet der heutigen Neustadt konzentriert war. 119 000 neue Wohnungen entstanden hier in kurzer Zeit. Während die axsial um das Eigelsteintor und parallel zum Ring laufenden Straßen, ausschließlich als Wohngebiete für die Bürger mit mittleren bis gehobenen Ansprüchen gedacht waren, versorgten die wichtigsten Queradern, zu denen die parallel zur Krefelder- und Neusser- laufende Melchiorstraße zählte, die Verkehrskommunikation in und aus dem Stadtzentrum. Der ursprünglich 1881 von J. Stübben erstellte klassizistische Bebauungsplan ist noch heute in der Straßenteilung der Neustadt klar ablesbar.
Städtebaulich bedeutend ist das Objekt als Bestandteil eines Gebäudeensembles mit den umliegenden Häusern der Straßenfront. Alle korrespondieren in Maß, Proportion und teilweise auch in der Fassadengestaltung und ermöglichen so das historische Erscheinungsbild der Straße bis heute noch anschaulich erlebbar zu machen.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0