Wohnhaus
Melchiorstraße 36 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7538 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Melchiorstraße 36, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1906 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 31.07.1995 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1906, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem abgewinkelten Seitenflügel, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach (verändert, ehemals Mansardgiebeldach), 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils (das Gebäude bildet eine gestalterische Einheit mit dem Nachbarhaus Nr. 34), Mittelerker auf trapezförmiger Grundfläche. Erdgeschoß verändert: Sockelbereich mit profilierten Kunststeinplatten verkleidet, Klinkerfassade. Hauseingang rechts mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff).
Rückseite: Backstein, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel dreiachsig, Hoftür mit geradem oberen Abschluß, Tür erneuert, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, rückwärtige Fenster in Resten original erhalten , zum großen Teil erneuert in Holz oder Kunststoff(Badezimmerfensteröffnungen z. T. verändert.
Im Inneren original erhalten: Vestibül: korbbogiger Durchgang zum Treppenhaus (Boden- und Wandfliesen erneuert), Treppenpodeste mit Terrazzoboden und Bordüre, Terrazotreppe erneuert, Geländer (Metall), Handlauf in Mipolam/Metall erneuert. In den Wohnungen keine Originalsubstanz.
Rückwärtige verputzte Einfriedungsmauer ist Bestandteil des Denkmals.
Der eingeschossige Anbau im Hof ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Bebauung des Erweiterungsgebietes erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit unteren und mittleren Wohnansprüchen entstehen. Die baumbestandene Melchiorstraße ist westlich der Neusser Straße zwischen Ebertplatz/Hansaring und Agneskirche im Kreuzungsbereich von Schilling-/Balthasar- und Ewaldi-/Weissenburgstraße gelegen. Das sogenannte Dreikönigsviertel mit seinem Zentrum um die Hauptfeuerwache war ehemals ein Wohnquartier für die unteren und mittleren Einkommensschichten. Es wurde im wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts mit bescheidenen Großmiethäusern für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft bebaut. Charakteristisch sind sparsam gestaltete Hausfassaden und im rückwärtigen Bereich Anbauten, lange Seitenflügel mit Seitenbauwohnungen sowie eine enge Hofsituation. Die Häuser Melchiorstraße 34/36 sind integraler Bestandteil der geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels dokumentiert und bewahrt. Als Teil der ursprünglichen planmäßigen Bebauung der Straße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893 ist es mit weiteren Gebäuden der Straße im Bereich der Balthasar-/Ewaldi/Weißenburgstraße und angrenzender Seitenstraßen um Sudermannstraße und -platz Teil des städtebaulichen Ensembles von hauptsächlich viergeschossigen und drei- bis vierachsigen Häusern mit historistischen- bzw. Jugendstilfassaden. Dem mittelständischen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit einfacher, gestalterisch zurückhaltender Fassadenarchitektur und Mittelbetonung durch einen flach hervortretenden Erker (Schmuckformen: symmetrische Fassadengestaltung, Betonung der Vertikalen durch Mittelerker auf trapezförmiger Grundfläche, von Lisenen eingefaßt, vertikale Fassung der Gebäudekanten, Belétage: Fugenschnitt, Zusammenfassung der Fensterachsen im 2. und 3. Obergeschoß, Rauhputz, Brüstungsfelder und flache Fensterverdachungen mit floral-geometrischem Jugendstilzierrat, Traufgesims (im Bereich des Mittelerkers verändert) von stilisierten Kapitellen getragen). Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit aufwendigem Stuckdekor und Teilen des Treppenhauses ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die bauliche und gestalterische Einheit der Häuser Nr. 34/36 und die in der Zeile der Melchiorstraße anstehende Nachbarbebauung setzt sich aus aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Während weitere Gebäude der Melchiorstraße und der gegenüberliegenden Häuserfront im Zweiten Weltkrieg und später zerstört wurden, in modernen Formen wieder aufgebaut wurden oder als Neubauten entstanden (beide Eckhäuser zur Weißenburgstraße), ist das Gebäude Nr. 36 (wie auch die Nrn. 22 - 34; 29/31) weitgehend erhalten. Es ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen massenhaften Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu zeitgemäßen modernen Formen in Gestalt des Jugendstils, zeigt. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein unverzichtbares Beispiel.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0