Wohnhaus

Ehrenfeldgürtel 175 · Neuehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4463
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Ehrenfeldgürtel 175, 50823 Köln
Baujahrum 1911
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 29.02.1988
Stadtteil Neuehrenfeld

Baugeschichtlich dokumentiert das dreiachsige und viergeschossige um 1911 gebaute Wohnhaus in einer außerordentlich anschaulichen Weise die neuen, durch Jugendstil beeinflußten architektonischen Bestrebungen. Im Unterschied zu den noch im Geiste des Historismus errichteten umliegenden Bebauungen, versucht sich der Grundriß und die Fassade des o. g. Gebäudes um eine Verselbständigung der plastischen Bausprache. An dem mit rustikalen Querschnitten geschmückten Erdgeschoß folgt eine deutliche Achsenverschiebung von dem dritten Geschoß zum Giebelbereich. Durch die Rundbogenrahmung einzelner Fenster und besonders dann durch den monumentalen Segmentgiebel ist die expressive Unruhe der Achsenkomposition abgefangen bzw. betont. Der Mansardaufbau des Dachgeschosses, ergänzt durch die gewölbte Gliederung der parallel laufenden Achsen, sorgt für den harmonischen Ausgleich.

Der Versuch, sich von der historisierenden Ornamentik zu befreien, kommt in der Brüstungsszene des 1. und 2. Geschosses und in den kreisförmigen Pflanzen- und Geometrieornamenten des Segmentgiebels zum Ausdruck. An den Schmuckplatten der Mittelzone sind bildhauerische Einlagen beigefügt (Putten mit Girlanden, der Rattenfänger von Hameln u. a.). Die niedrigen Reliefs deuten ein relativ hohes Niveau der angewandten Bildhauerei an. Das Innere des Wohnhauses versucht die an der Fassade angetretenen neuen Wege der Gestaltung weiter zu entfalten, was sich in dem Vestibül, der Treppenführung und in der innovatorischen Grundrißeinteilung der Wohnfläche und Nebenräume kontinuierlich vollzieht.

Ortsgeschichtlich ist das Wohnhaus am Ehrenfeldgürtel als Teil des noch gut erhaltenen Stadtensembles bedeutend für die Geschichte Neuehrenfelds, da es die Erstbebauung dieses Stadtteils anschaulich belegt. das Viertel wurde von Ehrenfeld aus, das selbst 1879 die Stadtrechte erhielt, gegründet, wobei es vom Norden her (Landmannstraße, Lenauplatz) und vom Süden her (Ottostraße, Eichendorffstraße) erschlossen wurde. Backsteinkirchen im neogotischen Stil so: St. Anna in der Ottostraße, St. Peter am Simarplatz bildeten Beziehungspunkte der Wohnsiedlung. Der Norden (Takuplatz) wurde von Genossenschaften besiedelt. Der Ehrenfeldgürtel wurde als dritter Straßenzug um Köln, meist in Form einer Allee angelegt und nach der Jahrhundertwende dann bebaut. Die Ortslage hat größtenteils ihren Vorstadtcharakter bewahren können.

Vom städtebaulichen Aspekt her sinkt zwar die künstlerisch anspruchsvolle Bebauung von der Kreuzung zur Eichendorffstraße in Richtung Parkgürtel, besonders an der linken Seite. Die neuen Bauweisen, die sich so deutlich an dem Haus Nr. 175 und in seiner Nachbarschaft dokumentieren, setzen aber für das ganze Viertel einige neue, deutlich antihistorisierende Akzente. Die in Neostilen errichteten, reichlich geschmückten Gebäude des ausgehenden 19. Jahrhunderts sind so um 1905 auch an dem Ehrenfeldgürtel durch die ersten Einblicke in die Moderne erweitert. Das Ältere bildet dabei mit der alten Bausubstanz eine vorzügliche urbane Einheit.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0