Wohnhaus

Ewaldistraße 11 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4476
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Ewaldistraße 11, 50670 Köln
Baujahr1903 bis 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 09.03.1988
Stadtteil Neustadt/Nord

Das Wohn- und Geschäftshaus wurde 1903 - 1906 errichtet. Baukünstlerisch belegt das traufständige, in vier Geschosse mit einer ausgebauten Dachzone und in vier Fensterachsen zerlegte Wohn- und Geschäftshaus, die Zeittendenzen des Übergangs vom traditionellen Historismus zu neuen Bauweisen. Der auf starken Konsolen trohnende dreistöckige Erker mit zusammengezogenen dreiteiligen Fenstern bildet den Blickfang der sonst reichlich strukturierten Schauseite des Hauses. Die an der ganzen Fassade, besonders in der Brüstungszone der Fenster des 2. Hauptgeschosses nur angedeuteten Festons und andere antikisierende Schmuckmotive, finden an dem durch Pilaster zusammengefaßten Erker ihre Vollendung und Entfaltung. Den Erker-Pilaster entsprechen an den unten kräftig und in oberen Teil zart eingeschnittener Stuckfassade die beidseitig betonte zweistöckigen Lisenen. Unter dem stark gekröpften Kranzgesims mit Zahnschnittleiste zeigt die hier entfaltete Ornamentik die Spuren des aufkommenden Jugendstils vor.

Bemerkenswert ist der reichlich ausgestattete Eingangsbereich des Hauses. An weiße Marmorsockelplatten des Vestibüls angelegte geschlitzte Wölbungen teilen die Wände in Nischen mit Relieffeldern. Der ornamentierte Mosaikboden findet auch in den oberen Geschossen seine Wiederholung, was zusammengenommen mit dem gedrechselten Holzgeländer, den schönen Eingangswohnungstüren mit rundem Oberlicht und anderen noch erhaltenen Details, das Treppenhaus festlich bestimmt. Die geschnitzten Wohnungstüren in dem obersten Stock sind zwar einfach, aber entsprechen genau so wie die Leuchten, der Erbauungszeit. In den zwei Hauptzimmern der Straßenfront sind durchgehend an der Decke noch Stuckverzierungen erhalten.

Ortsgeschichtlich ist das o. g. Objekt bedeutend, da es die Erstbebauung dieses Stadtteils anschaulich dokumentiert. Das im Osten am Rhein, im Süden an der Ringstraße, im Norden am Bahndamm und im Westen am Grüngürtel angrenzende Agnesviertel erlebte seine Blütezeit in den letzten Phasen der Stadterweiterung nach 1895. 1881 noch unbewohnt, ergibt die Volkszählung in dem Viertel am 1. Dezember 1905 schon 13.634 und am 1. Dezember 1910 21.224 Einwohner mit fast 1.100 Wohnhäusern. An die dem Geschäftsleben und der Kommunikation gewidmeten Neusser Straße (schon 1882 führt hier eine Linie vom Eigelsteintor nach Mauenheim, 1902 nach Nippes und Weidenpesch, 1907 nach Niehl), grenzten rasterförmig angelegte Wohnstraßen mit differenzierter Bebauung. An die Pfarrkirche St. Agnes auf dem Neusser Platz münden 10 Straßenzüge, davon fünf strahlenförmig auf dem Vorplatz. Eine von ihnen ist durch die gute bürgerliche Wohnhausarchitektur gekennzeichnete Ewaldistraße.

Städtebaulich bildet das o. g. Objekt mit den Nachbarhäusern eine wirkungsvolle Front, die wie eine geschlossene Zeile wirkt und durch abwechslungsreiche Gliederungen und Dekor alle Varianten des zeitbezogenen Stilübergangs vom Historismus zur Jugendstil-Moderne anschaulich und erlebbar macht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0