Wohn- u. Geschäftshaus

Ewaldistraße 9 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7211
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Ewaldistraße 9, 50670 Köln
Baujahrum 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.09.1994
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut: um 1906; 4 Geschosse, ausgebautes Giebelgeschoß, 3 Achsen, Mittelachse durch Erker auf rechteckigem Grundriß und Ziergiebel besonders betont; Putzfassade mit Stuckgliederungen in Anklängen an den Jugendstil; Erdgeschoß verändert (Gaststätte mit Keramikverkleidung), Wohnhauseingang in der linken Achse, Fenster und Türen erneuert. Rückseite backsteinsichtig, Fenster erneuert, WC-Fenster über alle Geschosse zugemauert (im EG auch die übrigen verkleinert). Zum Denkmal gehört die originale, mit Pfeilern untergliederte Backsteinmauer im Norden, Westen und Osten des Grundstücks. Im Innern original: Terrazzotreppe, Treppengeländer, Handlauf und Antrittspfosten aus Holz, Treppenhausoberlicht erneuert.

Die von Hermann Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Als Vorbilder für die halbkreisförmige Anlage um den Altstadtkern (Deutscher Ring bis Ubierring) dienten Stübben die Städte Wien (Ringstraße als repräsentativer Boulevard) und Paris (sternförmig auf einen Platz zulaufende Straßen). Die Gesamtkonzeption vereinigt verschiedenartige Wohnviertel, deren Bebauung entsprechend ihrer Bewohnerschaft und Infrastruktureinrichtungen (z. B. das Oberlandesgericht im "Gerichtsviertel") aufwendiger oder schlichter gestaltet ist. Im Zuge der ab 1881 begonnenen Stadterweiterung wurde u. a. auch die Ewaldistraße angelegt. Sie befindet sich im sogenannten Dreikönigenviertel (östlich des Güterbahnhofs), das sich durch eine verhältnismäßig schlichte Bebauung auszeichnet. Die Bebauung des nordwestlichen Straßenzuges der Ewaldistraße, in deren Blickachse nach Nordosten die Agneskirche liegt, ist jedoch noch etwas aufwendiger gestaltet. Dies ist beispielsweise an dem in begrenztem Maße differenzierten Fassadendekor, am Erker und an den vom Straßenniveau relativ wenig erhöhten Fensteröffnungen des Erdgeschosses und dem Hauseingang mit einer Trittstufe ablesbar. Entsprechend der Baustruktur wohnte hier um die Jahrhundertwende eine mittelständische Bevölkerungsschicht. Das Wohn- und Geschäftshaus ist somit ein sozialgeschichtliches Zeitdokument. Das o. g. Objekt fügt sich mit seiner Geschoßanzahl und Geschoßhöhe (Dachgesimse und Stockwerksgesimse zwischen Erd- und 1. OG von Ewaldistr. 7 - 11 stimmen annähernd überein) sowie mit seiner Bebauungsweise (u. a. kleiner, von einer Mauer eingefriedeter Hof) in den nordwestlichen Straßenzug ein. Aufgrund seiner individuell ausgeprägten Fassadengliederungen in einer fortschrittlicheren Formensprache (1. - 4. OG) hebt es sich gleichzeitig von der Nachbarbebauung ab: Die Vertikale wird u. a. durch den Mittelerker mit Ziergiebel und die dem Klassizismus entlehnten Kolossalpilaster der seitlich angrenzenden Wandflächen besonders betont. Die im Jugendstil beliebte, vielfältige Oberflächenstruktur äußert sich u. a. an den unterschiedlichen Putzstrukturen und den variierten Dekormotiven. Das Mietstockwohnhaus Ewaldistr. 9, das den Zweiten Weltkrieg verhältnismäßig unbeschadet überdauert hat, dokumentiert in seiner Gesamtheit, trotz Veränderungen, das ursprüngliche Erscheinungsbild der Stübbenschen Stadterweiterung. Es ist unverzichtbarer Bestandteil des Gründerzeit-Ensembles Neustadt-Nord.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0