Wohn- u. Geschäftshaus

Neusser Straße 25 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4504
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Neusser Straße 25, 50670 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.03.1988
Stadtteil Neustadt/Nord

Baugeschichtlich beweist das 3-achsige, 4-geschossige, mit Giebelgeschoß versehene Wohn- und Geschäftshaus die Spuren des siegreichen Wegs der neuen baukünstlerischen Stilistik in der Zeit um 1905. Während an den meisten Bauten dieser Epoche die Anwendung der Jugendstilornamentik nur eine neue Art der Beschmückung des im Grunde traditionell gebauten Hauses ist und bloß als eine Erweiterung des eklektischen Stilvokabulars des Historismus zu betrachten ist, bemüht sich die dreiteilige Fassade der Hausgruppe (Nr. 25 - 29), um eine komplexe und einheitliche Definition der neuen baukünstlerischen Aufgaben und Möglichkeiten. Die vom Nachfolger Schinckels aus der Berliner Klassizisten-Schule in Köln um 1880 übernommene Betonung des Erdgeschosses durch kräftige Quaderung und die anschließende Hervorhebung der Leichtigkeit des Dachgeschosses, weiter der Hang zur Symmetrie, unterstrichen zusätzlich durch die parallel und paarweise durchlaufenden Gurtgesimse, Rahmung und Verdachung der Fenster usw., ist hier definitiv aufgehoben. In Mitte der Hausgruppe sind die schweren Sandsteinquadern, ebenso wie die großen Rauhputzflächen und anderes, was sich sonst grundsätzlich bis jetzt im Erdgeschoß befunden hat, nach oben plaziert. Die bisher dominierende Schwerkraft aller Kölner Bauten der Gründerzeit ist annuliert; die Negation des Gesetzes der Statik und die Umwertung aller weiteren Bauprinzipien hat hier begonnen.

Als das wichtigste kompositorische Element erscheint das überall durchziehende Kreismotiv. Voll entfaltet an der Mittelachse des obersten Geschosses, strahlt die Kraft der einheitlich aufgefaßten Geometrie in alle Gliederungsteile des Hauses aus. Sie erfaßt die Grundrißzeichnung der Giebelsiluette, die Eckabrundung und setzt sich sogar in den einfachen sowie zusammengezogenen Fensterrahmungen durch. Auch das Friesmotiv der geteilten Blätter an der Brüstungszone des 3. Geschosses, sowie andere vereinzelte Schmuckelemente der Fassade (Girlanden, Maskeronen mit Gehängen, das Pilastermotiv usw.) sind der tragenden geometrischen Grunddefinition untergeordnet.

Im Hausinnern sind, außer dem inkrustierten Terrazzoboden, Wand- und Deckenstuck im Hausflur, der Treppe mit Eisengußgeländer usw., besonders die gebogenen dreiteiligen Rundfenster mit Steinbänken als eines der unterstützenden Teile der oben beschriebenen Jugendstil-Definition des Hauses bezeichnend.

Ortsgeschichtlich ist das Haus ein Zeugnis der Erstbebauung des Wohngebietes nördlich der alten Stadtgrenzen bei der Gründungswelle und um die Jahrhundertwende. In dieser Zeit wurde auch die Neusser Straße, eine alte nach Norden führende Landstraße, in das Straßennetz der Neustadt einbezogen. Die nach Plänen von Josef Stübben 1881 begonnene und im wesentlichen bis 1914 abgeschlossene Stadtgründung, bei der im Gebiet der heutigen Neustadt 119.000 neue Wohnungen entstanden sind, gilt als die bedeutendste ihrer Art am Ende des 19. Jahrhunderts. Der vom Eigelsteintor (Ebertplatz) achsial und ringförmig verlaufende Abschnitt der Neusser Straße begrenzt das sogenannte "Gerichtsviertel". Der Ausbau erfolgte nach Festlegung der Fluchtlinienpläne um 1890. Das Haus Nr. 25 veranschaulicht die zwischen 1900 und 1905 liegende Bebauungsphase dieser Straße.

Städtebaulich ist das Haus ein integraler Teil des "ErftHauses", das als Gebäudekomplex den architektonisch wertvollsten Mittelpunkt der Hausreihe zwischen dem Ebertplatz und dem Neusser Platz (Agneskirche) darstellt und somit das Erscheinungsbild der hier beginnenden Neusser Straße entscheidend prägt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0