Wohnhaus

Hohenzollernring 75 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4539
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Hohenzollernring 75, 50672 Köln
Baujahr1884 bis 1885, 1950er
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.03.1988
Stadtteil Neustadt/Nord

Das Wohnhaus wurde 1884/85 errichtet. Baukünstlerisch bewahrt das traufständige 3-geschossige und 3-achsige Wohnhaus mit dem hohen Satteldach die alte rheinländische Bautradition des 19. Jahrhunderts. Die starke Betonung der Mittelachse durch den zweistöckigen, auf Konsolen liegenden Erker mit dreiteiligen Fenstern, Prachtsäulen, Arkaden mit Balustrade und anderen Glanzverzierungen, entspricht der ersten Welle der Kölner Neorenaissance. Auf dem schön gestalteten Werksteinsockel mit Schmiedeeisengittern an Kellerfenstern entfaltet sich die rustizierte Stuckfassade. Die Fugenschnitte sind besonders in Fensterbereichen und allen Ecken rhythmisch verziert, so daß die Stürz- und Brüstungsfelder der Hauptachse, die den Hauptakzent der Beschmückung der Fassade tragen, klar zur Deutung kommen. Das bis in den Dachstuhl reichende verdoppelte Kranzgesims mit Zahnschnittleiste schließt die Prachtornamentik waagerecht ab.

Die hochherrschaftliche Ausschmückung findet im Eingangsbereich des Hausinneren ihre Bekrönung. Durch einige Marmorstufen führt das Portal mit geteiltem Oberlicht zum Foyer. Die durch Pilaster und Schmuckplatten gegliederten kassetierten Wandflächen tragen reichen plastischen Dekor. An der Decke entfaltet sich in einzelnen Rahmenfeldern die Neorenaissance Wandmalerei mit Berufung an den damlas in Mode kommenden pompejanischen Stil. Einzelne Motive verbinden die Inspiration aus der Kunstgeschichte (neben Alträmern, Michelangelo) mit dem Versuch um selbständige dekorative Werte. Das Treppenhaus mit den anschließenden Wohnungen war nach dem 2. Weltkrieg umgebaut und kann heute schon als ein Beweis des guten handwerklichen Könnens der 50er Jahre dienen.

Ortsgeschichtlich ist das o. g. Objekt ein Zeugnis der nach 1881 ausgeführten Stadterweiterung von Köln, wobei die ursprünglich einheitlich aufgefaßte "Ringstraße" das Kernstück der einmaligen urbanistischen Neugründung war. Der sechs Kilometer lange Prachtboulevard war von seinen Planern, dem Aachener Architekten Josef Stübben und Karl Henrici, als eine "Kette festlicher Räume" in zehn Abschnitten von unterschiedlicher Breite und Gestaltung angelegt. Besonders in dem mittleren Teil der Ringe, zu dem auch der Hohenzollernring gehört, waren vor allem repräsentative Bauten, in denen nach Kölner Tradition nur eine Familie wohnte, oft aber auch wie Mietwohnungen gedacht, bevorzugt.

Städtebaulich ist zu bemerken, daß auch nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges noch 1946 in der unmittelbaren Nachbarschaft des o. g. Objektes am Hohenzollernring Nr. 73, ein viergeschossiges Zwillingshaus mit Blendgiebel und spiegelbildlich ähnlich angelegter Mittelachse mit Arkaden, DoppelBalkonen, Karyatiden usw., vorhanden war. Die Einmaligkeit und der bauhistorische Wert des erhaltenen Wohnhauses Nr. 75 hat sich durch die schonungslosen Umbauten in der Umgebung enorm erhöht. Das o. g. Gebäude bewahrt so heute im ganzen Bauabschnitt vereinzelt den Nachlaß einer Epoche der Kunstgeschichte und des Städtebaus des 19. Jahrhunderts.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0