Wohnhaus
Thürmchenswall 57 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4564 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Thürmchenswall 57, 50668 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 13.04.1988 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Das Wohnhaus wurde um 1900 errichtet. Baukünstlerisch ist das traufständige 4-geschossige Wohnhaus mit einem Souterraingeschoß in dem ganzen Straßenkontext auffällig durch den kräftigen Erkervorsprung und den expressiven Balkonaufsatz der mittleren Fensterachse.
Die starke plastische Gliederung der Fassade, die auch durch die kontrastvolle Mischung der Rauhputzverkleidung der oberen Stockwerke mit dem bis zum 2. Geschoß reichenden Backstein hervorgehoben ist, spiegelt sich auch in den abgebrochenen Linien der Sprossenteilung der Fenster, sowie in anderen gestalterischen Details wieder. Die Berufung auf Kleeblattbögen am Portal und andere historisierende Zitate vermischen sich mit den fügsamen Wellenlinien, die schon an dem ankommenden Jugendstil hindeuten. Die geschlitzten Relieffelder, fügsame Schwingungen und andere Verzierungen der Fassade sind auch im Hausinneren konsequent weiter verfolgt.
In den kassetierten Wänden und Rahmenfeldern des prunkvollen Foyer mit abgehängter Stuckdecke entfaltet sich die an der Fassade nur spärlich auftretende Blumenornamentik. In der Felderverzahnungen sind stilistisch wirkungsvoll die Leuchtkörper eingesetzt. Die Holztreppe mit gedrechseltem Geländer führt zu einzelnen Wohnungseingangstüren mit Zierleisten und Relieffeldern mit schräg geführtem Oberlicht. Die festlichte Verzierung und andere anspruchsvolle Ornamentik läst auch hier die gehobenen Wohnvorstellungen der Erstbewohner ahnen.
Ortsgeschichtlich ist das o. g. Objekt bedeutend, da es die Erstbebauung dieses Stadtteils unmittelbar nach der Abschaffung von Stadtbefestigungen und der ersten Welle der Stadterneuerung nach 1881 belegt. Das Türmchen, auf das die alte Wallgasse zuführte, die den Sicherheitshafen (heute: Theodor-Heuss-Ring) abgrenzte erlitt bei dem verheerenden Eisgang von 1784 schwerste Beschädigungen; und als die Stadtmauern geschleift wurden, blieb allein der kleine Rundturm am Rhein (heute: Konrad-Adenauer-Ufer) stehen. Statt der Befestigunsbauten in denen angeblich die Tortur, die in der Folterkammer der "Weczschnapp" executiert wurde, entstand in den 90er Jahren und um die Jahrhundertwende eine kompakte Wohnstraße, die dem Charakter der Gasse als Wegführung zum Rhein, beidseitig besiedelt durch bürgerliche Wohnhausbauten für Bewohner mit mittleren bis gehobenen Ansprüchen.
Städtebaulich bildet die geschlossene Zeile von Wohnhäusern aus der Gründerzeit eine einheitliche und sich gegenseitig ergänzende Fassadenzeile, die mit Nr. 55 beginnt und bis Haus Nr. 63 reicht. Die wirkunsvolle Front bildet ein kommunikatives System von zeitgemäßen Stilwandlungen, die das Erscheinungsbild der Geschichte bis heute anschaulich und erlebbar macht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0