Wohnhaus
Holbeinstraße 38 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4587 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Holbeinstraße 38, 50733 Köln |
| Baujahr | 1893 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 10.05.1988 |
| Stadtteil | Nippes |
Das Wohnhaus ist 1893 inschriftlich datiert. Baukünstlerisch ist das 3-geschossige Bauobjekt mit einem Giebelgeschoß und einem Souterrain (Sockelgeschoß) dazu sowie mit entfalteten Wohn- und Nutzungsbauten im Hinterhof ein Zeugnis der letzten Welle der spätklassizistischen Stilistik unter den neuen Umständen des massenhaften Wohnungsbaus. Besonders das Erdgeschoß trägt noch die deutlich zu sehenden Spuren der aus der Kunstgeschichte stammenden hochherrschaftlichen Zitate, die dann im Grunde unorganisch, einzelne Fassaden hervorheben sollten. Die acht kanulierten Flächenpilaster mit vereinfachtem Säulenhals tragen das doppelte Brüstungsgesims, an dem sich dann die einheitlich gelbe Klinkerfassade entfaltet. Die rechteckigen Fenster sind in den zwei Mittelachsen mit Dreieckgiebeln, die anderen Fenster gerade gerahmt, in den zwei Seitenflügeln des ersten Obergeschosses auch mit plastischem Barockaufsatz. An den rundbogigen Giebeln mit Doppelfenstern und Vasenbekrönung beidseitig, schließen sich die später angebrachten Dachgauben an. Von dem ursprünglich reichen Konsolengesims, der die Fassade abschließt, ist nur die durchgehende Zahnschnittleiste übrig geblieben.
In dem Hausinneren ist das antike Säulenmotiv in dem Eingangsbereich weiter verfolgt und gestaltet die Oberlichtzone des Foyers. Die schmalen geschnitzten Haustüren stammen aus der Erstbebauungszeit. An die hohen Marmorstufen schließt sich in dem Vorflur die Holztreppe mit Antrittspfosten und gedrechseltem Geländer an. Im Hinterhof mit zwei, resp. dreistöckigen Anbauten ist der Hausgrundriß der Wohnungen, die Klinkerfassade, Fensteröffnungen usw. an die einfachere, rein funktionalistische Weise gestaltet. In einzelnen Wohnungen der Straßenseite ist noch Wand- und Deckenstuck erhalten geblieben.
Ortsgeschichtlich ist das o. g. Bauobjekt wichtig, weil es die Erstbebauung des nördlichen Vorortes von Köln belegt. Das ehemalige Bauerndorf vor den Toren der Stadt, berühmt durch sein Korn, seinen Kappes und sein Bier, erlebte in der Mitte der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts den großen Durchbruch als günstiger Industriestandort, verkehrstechnisch erschlossen, mit billigem Bauland und ohne Beeinträchtigung durch vorhandene Bebauungspläne. Nach der Eingemeindung 1888 zog der Bau von neuen Straßen, Schulen, Abwasserkanälen und Wasserleitungen auch neue Investoren an. Die Bevölkerungsentwicklung, die im Laufe des 19. Jahrhunderts stagnierte, hat sich im laufe der 20er Jahre mehr als verdoppelt (1890: 16.210, 1900: 27.054, 1910: 41.162). Die Holbeinstraße ist eine der ersten rasterförmig angelegten Wohnachsen von Nippes, die ihren Charakter als Wegführung bewahrte.
Städtebaulich bewahrt die gerade und kompakte Straßenflucht, wie schon erwähnt, in seiner Ganzheit das vorgegebene geschichtliche Erscheinungsbild. Die geschlossene Zeile von Häusern vermittelt eine wirkungsvolle Front von Fassaden und Bauobjekten, die die historischen Gegebenheiten des späten 19. Jahrhunderts vermitteln. Eine direkte funktionale und stilistische Verbindung ist zum Wohnhaus Holbeinstr. 36 und teilweise auch zu den anderen Häusern der Straße gegeben.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0