Wohn- u. Geschäftshaus

Holbeinstraße 34 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7793
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Holbeinstraße 34, 50733 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.03.1996
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.

Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß; Satteldach, 3 Achsen, Backsteinfassade mit aufwendigen Dekorationsformen des Historismus, Eingang rechts mit segmentbogigem oberen Abschluß, Haustür erneuert, Tordurchfahrt links, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, breites Fenster im Erdgeschoß original erhalten (Holz, Teilung, Oberlicht), alle übrigen straßenseitigen Fenster erneuert (Holz, Einscheibenfenster mit Oberlicht).

Rückseite: Backstein, Traufgesims, Vorderhaus zweiachsig, Balkone, Brüstungen erneuert, der zweigeschossige und zweiachsige Seitenflügel wurde 1933 angefügt, zwei Hofzugänge mit segmentbogigem oberen Anschluß, Hoftüren mit Oberlichten original erhalten, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, rückwärtige Fenster und Balkontüren z.T. erhalten (= Türen und Fenster im 1. und 2. Obergeschoß der Vorderhausrückseite), Treppenhausfenster durch Glasbausteine geschlossen.

Im Inneren original erhalten: Vestibül: mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordure, Wandstuckfelder, Holztreppe (unter PVCBelag), Zwischenpfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste mit Holzdielenboden belegt, Wohnungseingangstüren erneuert. In den Wohnungen: Holzdielenboden, im 1. Obergeschoß Küchenwandfliesen in blau/weiß mit Bordure.

Gewölbekeller.

Die rückwärtige Einfriedungsmauer in Backstein (z.T. überbaut) ist Bestandteil des Denkmals.

Die die gesamte Hoffläche einnehmende eingeschossige Bebauung (Werkstatt) ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen.

Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Westlich der Achse der ehemaligen Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld, der heutigen Kempener Straße, entstand im Zuge der 1859/60 gegründeten zentralen Eisenbahnwerkstätte ein Komplex von Wohnbauten für die dort Beschäftigten. Die Bezeichnung "Sechzig" für diesen Ortsteil weist auf das zu diesem Zweck damals erworbene Gelände von 60 Morgen Größe hin. Bis heute hat dieses Wohngebiet zwischen Neusser Straße und der jetzt parallel zur Escher Straße verlaufenden S-Bahn-Trasse sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. Im Zusammenhang dieses schnell und planmäßig ausgebauten Bereichs mit geregelter Straßenführung und gleichmäßiger Parzellierung vollzog sich auch die Bebauung der Holbeinstraße. Angelegt um 1800, verbindet sie - wie die parallele Lohsestraße - das Sechzig-Viertel mit der Neusser Straße und ist im Abschnitt westlich der Auguststraße bis heute geprägt durch schlichte Dreifensterhäuser rheinischer Prägung aus der Zeit der Erstbebauung der 1880er und 1890er Jahren. Erhalten sind beidseitig stehende größere geschlossene Hausgruppen, die durch Dreigeschossigkeit und dreiachsige Fassaden in einfacher, teils backsteinsichtiger Ausführung charakterisiert sind. Insbesondere die linke Straßenseite mit der noch annähernd geschlossenen Zeile traditioneller Dreifensterhäuser (Nrn. 41-47, 55-59) hat das historische Erscheinungsbild einer Wohnstraße des kleinbürgerlichen Mittelstandes weitgehend bewahrt. Das im Kreuzungsbereich zur Auguststraße gelegene Haus Nr. 34 ist Bestandteil eines Ensembles weitgehend gleich gestalteter aufwendigerer Mietwohngebäude. Das viergeschossige Gebäude gehört in die Reihe der für die Kölner industriell geprägten Außenbezirke charakteristischen, gehobenen Wohnkomfort bietenden Gebäude mit teilweiser gewerblicher Nutzung in den Erdgeschossen auf rechteckiger Grundfläche.

Die Fassade aus großformatigen Backsteinen gewinnt ihre Wirkung aus der strengen Fensteraxialität mit Betonung der äußeren Achsen durch flach hervortretende Fassadenabschnitte in den Obergeschossen (Schmuckformen: alle gliedernden und dekorativen Bauteile sind durch Formsteine gebildet, Sockelgesims, Stockwerkgesimse/durchlaufende Sohlbänke, gekehlte Leibungen mit Halbrundstab, Keilsteine in Form des Diamantquaders, die mittlere Achse schließt mit reich profiliertem Gesims ab, profiliertes Traufgesims). Innerhalb der benachbarten und gegenüber anstehenden Wohngebäude mit hauptsächlich stuckverzierten Schauseiten nimmt das Haus Nr. 34 mit seiner durch großformatige Ziegel gebildeten Fassade eine herausragende Stellung ein. Das Gebäude ist sowohl in orts- wie bauhistorischer Hinsicht als auch im städtebaulichen Zusammenhang ein unverzichtbares Dokument der älteren städtisch geprägten gründerzeitlichen Wohnhausarchitektur in Nippes. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung der straßenseitigen und rückwärtigen Fassaden, des Eingangsbereichs und Treppenhauses und z.T. der Interieurs ist das Gebäude Holbeinstraße 34 ein wertvolles Bauwerk der städtisch geprägten Architektur Kölns, die unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0