Wohn- u. Geschäftshaus

Blumenthalstraße 68 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4602
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Blumenthalstraße 68, 50668 Köln
Baujahr1903
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.05.1988
Stadtteil Neustadt/Nord

Baugeschichtlich dokumentiert das 1903 erbaute 4-geschossige, 3-achsige Wohn- und Geschäftshaus mit Giebelaufsatz den Einbruch von neuen stilistischen Vorfahren, die auch hier dem im Kern klassizistischen Bau ein neues Gesicht verleihen. Die mit starkem Mittelrisalit und waagerechter Fensterteilung mit effektvollen Giebeln betonte rationelle Symmetrie ist durch die freie Ornamentik des aufkommenden Jugendstils aufgeweicht. Die neuen dekorativen Elemente, dazwischen auch ein sehr seltener Versuch, romantische Landschaftsbilder an der Fassade zu plazieren, beginnen schon an dem stark bassierten Unterbau und entfalten sich besonders in der Mittelachse und besonders der stark betonte Farbeneinsatz verleihen der Backsteinfassade mit Stuck eine spielerische Leichtigkeit und ausgeglichene freudige Harmonie.

Während sich die Ornamentik der Fassade um eine kreative Definition des neuen, der Zeit entsprechenden Schmucks versucht, findet im Innern des Gebäudes noch die Anwendung von klassischen Motiven statt. An dem reich geschmückten plastischen Friesbogen der Eingangszone sind polychrome figurative Medaillons mit antiken Themen angebracht. Der geschmückte Terrazzoboden führt zu den oberen Geschossen, wo an den Wohnungstüren und anderen Hauseinrichtungen die stilgemäße dekorative Flächengliederung noch erhalten ist.

Ortsgeschichtlich ist das Haus ein Zeugnis der zweiten Welle des Stadtausbaus von Köln nach seiner Erweiterung und Neuplanung nach 1881. Im Zeitraum von 1900 bis 1914 stieg die Stadtbevölkerung von 367.000 auf 635.000 Einwohner, wobei das größte Wachstum auf das heutige Gebiet der Neustadt konzentriert war. Für die hier von 80.000 auf 124.000 in kurzer Zeit gestiegene Einwohnerzahl wurden 119.000 neue Wohnungen, meist mit 3 bis 5 Zimmern, in vier- und mehrstöckigen Mietshäusern für gehobene Ansprüche gebaut. Die Blumenthalstraße ist eine der letzten um das Eigelsteintor und Ebertplatz angelegten radialen Wohnachsen, die nach dem klassizistischen urbanistischen Plan sich vom Zentrum zum äußersten Rand der Neustadt regelmäßig ziehen. Die sich von der Agneskirche, am neu erbauten Justizpalast hin bis zur Riehler Straße streckende Straße ist eine der schönsten Besipiele der neugewachsenen, modernen Wohnansprüche in Köln um die Jahrhundertwende.

Von seiner städtebaulichen Bedeutung bildet das o. g. Wohnhaus mit den anderen gut erhaltenen Gebäuden des "Justizviertels" eine anschauliche, für die urbanistische Bemühungen der Jahrhundertwende voll repräsentative Straßenachse. Die individuelle und kreative Fassadengestaltung, die gerade das Wohnhaus Nr. 68 auszeichnet, ist nur an dem Hintergrund der Vielfalt des ganzen Straßenensembles möglich zu erfassen und zu bewundern.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0