Wohnhaus

Hülchrather Straße 7 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4628
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Hülchrather Straße 7, 50670 Köln
Baujahr1905 bis 1907
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 30.05.1988
Stadtteil Neustadt/Nord

Das Wohnhaus wurde 1905 - 07 erstellt. Baukünstlerisch ist das durch einen Giebel- und Sockelgeschoß erweiterte 4-stökkige Wohnhaus mit 3 Achsen der traditionellen Symmetriegestaltung verpflichtet. Der stark vorkragende Mittelrisalit ist von unten nach oben durchgehend durch zarte Fugenschnitte hervorgehoben. Im Unterschied zu den spätklassizistischen Verzierungen beider Seitenachsen, den variablen Balustradenmotiven der Balkone und den rechteckigen Fenstern mit vertikaler Sprossenteilung in dem obersten Drittel, setzen sich die Brüstungsfelder der Mittelachse durch schwungvolle Jugendstilornamente von der am ganzen Haus vorherrschenden Rationalität ab. Die dynamischen Jugendstilvoluten und -palmenornamente wiederholen sich links auch an den unteren Balkonbrüstungen und an der rechten Seite besonders bei der Gestaltung der Eingangszone, wie sie zusätzlich mit Maskenmedaillonen bereichert sind. Der Vorgarten ist durch eine originale Einfriedung mit ornamentierten Schmiedeeisengittern von der Straße abgesetzt.

Durch ein herrschaftlich aufgefaßtes hohes Portal mit kassettierten Holztüren mit vertikal eingeschnittenem Doppellicht erreicht man das Hausinnere. Im Foyer sind die steile Marmortreppe mit ornamentierten Wandwölbungen beidseitig verziert. Die flachen und dezenten Zeichnungen wiederholen das Jugendstil-Grundmotiv der Fassade. Einzelne geschnitzte Holzeingangstüren sind dem Gittermuster des Treppenhauses stilgemäß angepaßt. In einzelnen Zimmern zur Straße sind noch Stuckdecken aus der Erstbebauungszeit zu finden. Durch die Souterrain- und Kellertreppe erreicht man den Hof und den Seiten- und Hintertrakt des Hauses. Die Fassade ist hier durch farbig abgestuften Klinker belegt. Die Fenster sind plastisch und durch Sohlbänke eingerahmt und verziert. Die Wohnungen des 2. und 4. Obergeschosses sind auch hier durchgehend mit Balkonen ausgerüstet. Die zweiteilige Einfahrtstür ist hinten und vorne der vorherrschenden Stilistik angepaßt.

Ortsgeschichtlich ist das o. g. Bauobjekt Zeugnis der zweiten Welle des Stadtaufbaus von Köln nach seiner Erweiterung und Neuplanung nach 1881. Im Zeitraum von 1900 bis 1914 stieg die Stadtbevölkerung von 367.000 auf 635.000 Einwohner, wobei das größte Wachstum an das heutige Gebiet der Neustadt konzentriert war. Für die hier von 80.000 auf 124.000 in kurzer Zeit gestiegene Einwohnerzahl waren 119.000 neue Wohnungen, am meisten mit drei bis fünf Zimmern, in vier- und mehrstöckigen Mietshäusern für gehobene Ansprüche gebaut worden. Die von Riehler Straße zum Neußer Wall und den ehemaligen preußischen Festungen führende Querachse ist kompakt und an einer Seite ausgebaut. Die systematische, gegenüber dem Justizpalast liegende Straße weist einige der schönsten Beispiele der um die Jahrhundertwende neugewachsenen Wohnansprüche innerhalb des Nordgebietes Köln auf.

Städtebaulich ordnet sich das beschriebene Bauobjekt restlos in die kontinuierliche Fassadenzeile, die mit Haus Nr. 3 eingeführt ist und über die Straßenführung bis zum Haus Nr. 13 reicht, ein. Alle 4- bis 6-geschossigen 3-Achsenhäuser sind durch kräftige Mittelrisalite symmetrisch gegliedert, wobei einzelne Stuckfassaden durchgehend neue künstlerische Stilelemente tragen und in gegenseitiger Anpassung auch mutig variieren. Die Vorgartenflächen mit originaler Einfriedung sind auch nachbarlich angepaßt. Die Straße vermittelt so in ungestörter Weise treu das vorherrschende Erscheinungsbild des Städtebaus aus der Jahrhundertwende.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0