Wohn- u. Geschäftshaus

Neusser Straße 28 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4644
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Neusser Straße 28, 50670 Köln
Baujahrum 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 14.06.1988
Stadtteil Neustadt/Nord

Das Wohn- und Geschäftshaus wurde um 1912 errichtet. Baukünstlerisch knüpft das hohe, 4-geschossige Wohnhaus mit zwei Giebelgeschossen an die Erfahrungen des Kölner Historismus an. Die zwei zusammengezogenen Fensterachsen bilden einen durch alle Hauptgeschosse sich ziehenden Erkervorbau. Die so entstandene Symmetriegliederung, die an die alte Tradition des rheinischen Dreifensterhauses erinnert, ist durch die Verschiebung des spitzbogenartigen Giebelaufsatzes nach rechts unterbrochen; die Fassade tritt damit lebhafter in Erscheinung. Die drei Hauptgeschosse sind von dem monumentalen Dachstuhl durch ein Konsolgesims mit Zahnschnittleiste und Friesband getrennt. Die Stuckgliederungen der feinen Rauhputzfassade sind, im Geiste der Zeit, mit zurückhaltenden geometrischen Schnitten zusammengefaßt.

Die ursprüngliche Bauauffassung entfaltet sich freier in dem Hintertrakt. Der auf sechs Achsen sich erstreckende breite Erweiterungsbau wechselt in die drei- bis viergeschossige Häuserreihung. An der mit abgestuften Farbklinkern verkleideten Hoffassade dominieren die ornamentierten Brüstungsleisten, abgeschlossen mit einem verkröpften Kranzgesims. Durch das feierlich gestaltete Foyer mit Marmorintarsien, farbiger Mosaikverzierung, die sich übrigens auch an einzelnen Podesten der oberen Stockwerke wiederfinden, kommt man zu einer Terrazzotreppe mit Antrittspfosten und Holzgeländer. Einzelne geschnitzte Wohnungseingangstüren in ursprünglicher Sprossenteilung und Oberlicht stammen aus der Erstbebauungszeit; ebenso die hohen zweiteiligen Fenster im Treppenhaus. In einigen Zimmern der Straßenfront sind noch Stuckverzierungen an der Decke erhalten.

Ortsgeschichtlich ist das o. g. Objekt bedeutend, da es die Erstbebauung dieses Stadtteils anschaulich dokumentiert. Das im Osten am Rhein, im Süden an die Ringstraßen, im Westen am Bahndamm und im Norden an den Grüngürtel angrenzende "Agnesviertel" erlebte seine Blütezeit in den letzten Phasen der Stadterweiterung um 1900. 1881 noch unbewohnt, ergibt die Volkszählung in dem Viertel am 1. Dezember 1905 schon 13.634 und am 1. Dezember 1910 21.224 Einwohner mit fast 1100 Wohnhäusern. An die dem Geschäftsleben und der Kommunikation gewidemten Neußer Straße (schon 1882 führt hier eine Linie vom Eigelsteintor nach Mauenheim, 1902 nach Nippes und Weidenpesch, 1907 nach Niehl) grenzten rasterförmig angelegte Wohnstraßen mit differenzierter Bebauung. Der Ausbau der Neustädter Neußer Straße erfolgte nach Festlegung der Fluchtlinienpläne um 1890. Das Haus Nr. 28 veranschaulicht die zwischen 1905 und 1912 liegende letzte Bebauungsphase dieser Straße.

Städtebaulich reiht sich das o. g. Wohnhaus in eigener Weise in das abwechslungsreiche Bild der Neußer Straße ein. Es verlängert die Bautradition des Kölner Historismus, die auch an den anderen Gebäuden der Fassadenzeile der Straße in Erscheinung tritt. Ihre Grenzen deuten sich aber schon z. B. an dem aus der selben Zeit stammenden vollkommen modernen Nebenhaus Nr. 30 - 32 an. Der an den Bauten der Neußer Straße sonst vorherrschende Jugendstil ist so von zwei Eckpositionen der Kunstentwicklung nach 1900 eingerahmt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0