Wohn- u. Geschäftshaus

Zülpicher Platz 16 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4662
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Zülpicher Platz 16, 50674 Köln
Baujahr1888 bis 1889
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.06.1988
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde 1888/89 errichtet. Baugeschichtlich bedeutend ist das 4-geschossige, 4-achsige Traufenhaus mit 2-achsigem, 2-geschossigem Erker als Beispiel einer Bauweise mit Stilmerkmalen aus dem reichen Formenrepertoire der Renaissance. Die im 1. und 2. Obergeschoß in Fugenschnitt strukturierte Fassade wird durch profilierte gekröpfte Gesimse, z. T. mit Konsolen sowie ein Traufgesims mit Klotzfries gegliedert. Die linke, noch im Originalzustand erhaltene Achse mit dreiecksverdachtem Ädikulafenster und weibl. Maskenstuck im 1. Obergeschoß weist dieses als sogenannte Belétage aus. Das Fenster im 2. OG ist mit einer Rundbogenbekrönung über Rosettenstuck verziert.

Die Erkerzone ist ebenfalls üppig betont, u. a. mit je 3 bärtigen Masken in der Basis der Kapitellrahmungen, in den Brüstungsfeldern mit Diamantierungen und Blendbalustern.

Das 3. Obergeschoß weist ohrige Rahmungen mit flacher Dreieckverdachung auf. Ein Fenster (2. OG. links) zeigt noch die originale Teilung.

Trotz der Veränderung des Erdgeschosses und des Fehlens einiger Dekorteile in der rechten Achse (1. und 2. OG) verdeutlicht die Fassade als konstruktiver Teil des Hauskerns Proportion, Geschoßgliederung und Höhe des Gebäudes.

Im Innern des Hauses sind an originalen bzw. historischen Ausstattungsteilen noch erhalten: Differenzstufen in Basalt und Stein mit begleitendem Holzhandlauf, kleinteiliger Fliesenfußboden, gelbe Wandfliesen mit Abschlußkante von 1928, Kellertreppe in Terrazzo, kleines schmiedeeisernes Geländer sowie farbiger Fliesenfußboden, im Treppenhaus Holztreppe mit gedrechseltem, umlaufenden Geländer, Stuckkehlen, 3-teilige Wohnungsstürabschlüsse mit Kapitellrahmung im 1., 2. und 3. Obergeschoß, eine Außentür auf dem 1. Podest mit Schnitzwerk, Flurfenster, teilweise mit Messinggriffen und mit Oberlichtbleiverglasung aus den 50er Jahren. Die rückwärtige Fassade mit Seitenhaus aus Backstein weist Balkone mit Metallgeländer auf.

Ortsgeschichtlich bedeutend ist das Wohn- und Geschäftshaus, da es die Erstbebauung des westlichen Gebietes des ehemaligen Rayongeländes und somit die Entstehungsgeschichte der Kölner Neustadt belegt. Die Bebauung nach dem von J. Stübben und K. Henrici 1881 erstellten Erweiterungsplan erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen dem Mauritiuswall und den preußischen Befestigungsanlagen ein Netz von Straßen mit jeweils unterschiedlicher urbanistischer Bestimmung entstehen.

Dem spätklassizistischen Städtebau verpflichtet, gliederte Stübben das Gebiet der Neustadt mit einer Reihe von Diagonalstraßen, die insbesondere als Verbindung der vorgegebenen alten Ausfallstraßen der Stadt dienten. Damit wurde die bewußte Bildung von Sternplätzen erreicht, die insbesondere das Bild der Neustadt prägten. So auch der Zülpicher Platz, der mit der Zülpicher Straße die Grenze des sogenannten "Westends" markiert, einer Gegend mit vorwiegend "herrschaftlicher bis gutbürgerlicher" Bebauung.

Städebaulich bedeutend ist das o. g. Objekt als einziges historisches Bürgerhaus am Zülpicher Platz und als Denkmalensemble mit der gegenüberliegenden Pfarrkirche Herz Jesu von 1893 - 1900.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0