Wohn- u. Geschäftshaus (ehem. Wohnhaus)
Theodor-Heuss-Ring 10 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_6391 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus (ehem. Wohnhaus) |
| Adresse | Theodor-Heuss-Ring 10, 50668 Köln |
| Baujahr | 1894 bis 1895 |
| Architekt / Planung | Müller, Grah |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 03.02.1992 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut 1894/95, Architekten Müller & Grah; Haus Heinrich Schierenberg; 4 Geschosse, Souterrain, 3 Achsen, ausgebautes Dachgeschoß mit Giebel in der linken Achse sowie mit neueren Gauben und Dachflächenfenstern, 2 u. a. durch Pilaster optisch zusammengefaßte Balkone (orig. Werksteinbrüstung) und Tordurchfahrt in der linken Achse; 2geschossiger Erker auf trapezförmigem Grundriß mit aufgesetztem Balkon (orig. Werksteinbrüstung) in der Mittelachse, portalartig ausgebaute Eingangssituation mit Freitreppe (orig. Werksteingeländer) in der rechten Achse, Werksteinfassade (roter Mainsandstein) mit Gliederungen und bildhauerischem Schmuck überwiegend im Stil der Neugotik; Fenster sowie Türen weitgehend original. Rückseite, seitlicher Anbau und hieran anschließendes, etwas niedrigeres Hinterhaus verputzt, in den beiden unteren Geschossen größtenteils mit Fugenschnitt; Dachzonen durch neueren Dachausbau zum Teil verändert; 2geschossiger auf einer Stütze ruhender Standerker mit aufgesetztem Balkon (neueres Brüstungsgitter) sowie neuerer Balkon auf originaler Konsole an der Rückfront des Vorderhauses, Fenster sowie Türen (auch in der Durchfahrt) weitgehend original. Im Innern original erhalten: im Vestibül Marmorboden, Marmortreppe mit an der Wand angebrachtem schmiedeeisernen Geländer und Holzhandlauf, teilweise Wandstuck, Decke als gotisierendes Gewölbe mit Stuckrippen; im Flur Marmorboden, weitgehend Marmortreppe mit schmiedeeisernem Geländer, Holzhandlauf und schmiedeeisernen Antrittspfosten. Wandstuck (im Bereich der durchfensterten Wand zu den Wohnungen gotisierendes Oranemtfries in der Sockelzone), Decke als gotisierendes Gewölbe teilweise mit Stuckrippen, weitgehend Wohnungseingangstüren sowie Fenster (zur Belichtung durch die Wohnungen); in den Wohnungen teilweise Parkett- und Dielenböden, zum Teil inkrustierte Terrazzoböden in den Fluren, weitgehend Zimmertüren mit Laibungen, Deckenstuck (in den straßenseitigen Räumen sehr rückhaltig), in den Räumen im Souterrain einige Werksteinstützen. Nicht Bestandteil des Denkmals ist der 1geschossige Anbau mit Flachdach im Hinterhof (Garage).
Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Sie legt sich, den alten Wallstraßen folgend, halbkreisförmig um die Altstadt. Als ihr Kernstück wurde die Ringstraße, ein baumbestandener und mit öffentlichen Grünflächen versehener "Prachtboulevard", bestehend aus zehn Teilstücken von unterschiedlicher Breite und Gestaltung, angelegt. Der Theodor-Heuss-Ring, ehemals Deutscher Ring, bildet das letzte nördliche Teilstück des Ringes zum Rheinufer hin und umschließt in seiner gesamten Länge eine großzügige Parkanlage. Von der im wesentlichen 1895-1900 errichteten Bebauung dieser repräsentativen Wohnstraße, die an der südlichen Seite aus mehrgeschossigen hochherrschaftlichen Mietshäusern mit Vorgärten bestand, haben sich nur noch vereinzelte Beispiele erhalten. Zu diesen wenigen Zeugnissen der Erstbebauung gehört das Haus Nr. 10 (ehemals Nr. 26). Es wurde 1894/95 nach Plänen der Architekten Müller & Grah für den Bauunternehmer Heinrich Schierenberg erbaut und weist eine aufwendig gestaltete Werksteinfassade aus rotem Mainsandstein auf, deren Gliederungen und bildhauerischer Schmuck vorwiegend der Formensprache der Gotik entlehnt sind. Die linke Achse des Gebäudes, in der sich auch die Tordurchfahrt befindet, ist dabei durch die Balkone und den prächtigen Giebel besonders hervorgehoben worden. Weitere Akzente setzen der Mittelerker und die portalartig ausgebildete Eingangssituation mit der Freitreppe. In Entsprechung zur Fassade sind im Innern auch Vestibül und Flur mit den Wölbungen in Anklängen an die Gotik gehalten worden. Das o. g. Objekt, an dessen Fassadengestaltung sich das etwas später errichtete Haus Nr. 20 anlehnt, ist somit unbedingt erhaltenswert. Auch im Ensemble mit den weiteren denkmalwerten Gebäuden ist es ein unverzichtbares Dokument für die Vielfalt und den Gestaltungsreichtum der hochherrschaftlichen Gründerzeit- architektur am Kölner Ring.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0