Wohn- u. Geschäftshaus

Theodor-Heuss-Ring 20 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8163
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Theodor-Heuss-Ring 20, 50668 Köln
Baujahrum 1897 bis 1898
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.09.1997
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1897/98, auf rechteckiger Grundfläche mit Vorbauten.

Fassade: 3 Geschosse (Souterrain, Hochparterre, Obergeschoß), ausgebautes Dachgeschoß, 3 Achsen, Werksteinfassade (Sockel grau, Geschosse rot) in Formen der Neorenaissance, gotisierende Fassadendetails, Erdgeschoßerker auf rechteckiger Grundfläche mit abschließendem Balkon, im Obergeschoß links: Loggia; Zugang mit Freitreppe rechts, Rundbogeneingang mit Oberlicht, originale Haustür, verglast, geschmiedetes Stahlgitter, Rundbogenlicht mit Maßwerksprossendekoration und Bleiglas-Buntfenster. Fensterformen: Souterrain: breites Fenster mit Segmentbogenabschluß, zweiteilige Toreinfahrt (Zweiflügeltor in Holz, verglast), Hochparterre: Erkerfenster mit geradem oberen Abschluß, dreiteiliges Fenster links, (Oberlicht heute geschlossen), im Obergeschoß Rundbogenfenster und durch Säulen getragene zweiteilige rundbogige Loggiaöffnung, straßenseitige Fenster zum Teil und/oder in Teilen original, Holz, Oberlichte, Souterrainfenster mit aufwendigem geschmiedeten Stahlgitter.

Dachgeschoß links: nachträglicher Einbau eines Dachbalkons, Traufzone/Dachansatzzone (Reste der Konsoldienste erhalten) und Dach verändert.

Rückseite: Backstein, Stockwerkgesimse, Traufgesims, Erdgeschoß/Hochparterre: Erker rechts mit Pultdach, links: Terrasse, 1. Obergeschoß Balkon von geschmiedeter Stahlstütze mit Volutenkapitell getragen, originales geschmiedetes Stahlgeländer, an der Seite gemauerte Brüstung, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hochparterre links breitgelagertes dreigeteiltes Fenster nicht original, rechts breitgelagertes vierteiliges Fenster erneuert, 1. Obergeschoß rechts und links originale Fenster (Holz, Mittelteilung, Oberlichte), im 2. Obergeschoß Fenster erneuert (Einscheibenfenster), Oberlichte geschlossen, Sohlbänke aufgemauert.

Im Inneren: sehr aufwendig gestalteter Eingangsbereich und Treppenhaus, im Hochparterre abgehängte Decken, in den vorderen Büros originale Stuckdecken, im 1. Obergeschoß in drei Räumen Stuckdecken wiederhergestellt (nicht original), im 2. Obergeschoß keine Originalsubstanz.

Der straßenseitige Ziergarten mit originaler Einfriedung (kniehohe, verputzte Mauer, oben gerundet, geschmiedetes Stahlgeländer, Pfeiler mit profilierten Abschlüssen und bekrönenden Pokalen) ist Bestandteil des Denkmals.

Die rückwärtige Grundstücksfläche mit Baumbestand und originaler verputzter Einfriedungsmauer ist Bestandteil des Denkmals.

Die von Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler- und Neusser Straße das sogenannte "Gerichtsviertel" um den Palast des Oberlandesgerichts, ein mittleren und gehobenen Ansprüche genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nordöstlich des Ebertplatzes das ehemalige Villenviertel am nördlichen Rheinufer. Der Theodor-Heuss-Ring (ehamals Deutscher Ring) umschließt beidseitig eine parkähnliche große Grünanlage in Ost-West-Richtung und bildet mit dem westlich anschließenden Ebertplatz den nördlichen Abschluß der Ringanlage bis zu Rheinuferstraße (Konrad-Adenauer-Ufer) und Rhein. Nach Norden hin verbindet der anschließende Ebertplatz als zentraler Verkehrspunkt den nördlichen Altstadtbereich mit der Neustadt/Nord sowie mit den Stadtteilen Nippes (über die Neusser Straße), Riehl und Niehl (über die Riehler Straße). Das großstädtisch geprägte Gebiet um die Parkanlage charakterisieren mittlere und gehobene Ansprüche genügende Wohn-, Geschäfts- und Bürobauten. Nach umfangreichen Kriegszerstörungen in den 50er Jahren entstanden hier aufwendige, fünf- bis sechsgeschossige Gebäude mit Staffelgeschossen auf zum Teil breiten Parzellen mit Rasterfassaden im internationalen Stil. Das gehobene Wohnumfeld an der markanten Grenze zwischen Eigelsteintorburg und Ebertplatz weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Der Theodor-Heuss-Ring und die sich anschließende Uferstraße wurden im wesentlichen in den Jahren um die Jahrhundertwende mit sehr aufwendigen, drei- bis viergeschossigen herrschaftlichen Villen- und Verwaltungsgebäuden an breiten Parzellen mit Erkern, Risaliten und Ziergiebeln, deren Schauseiten zum Teil mit Werkstein verkleidet und dekoriert sind, bebaut. Dem vornehmen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude Theodor-Heuss-Ring 20 mit seiner repräsentativen, gestalterisch sehr aufwendigen und in Formen der gotischen Maßwerkarchitektur geprägten Werksteinfassade (Schmuckformen: Erdgeschoß: Bossenmauerwerk, Obergeschoß: Quadermauerwerk, Freitreppe mit geschwungener Maßwerkbrüstung beidseitig, Antrittspfosten, reich gefaßter Eingang, profilierter Rundbogen mit Fialplastik und Kreuzblume, Rundöffnung mit vierteiligem Dreipassmaßwerk, Erker von Pilasterdekoration gerahmt, Einschluß von Reliefplastik, Volutenkapitelle, Horizontalfries leitet über zum gekröpften Gesims und pfeilergerahmter Balkonbrüstung in Maßwerk. Loggia links: Loggiakonsole mit Relieffries, pfeilergerahmte Brüstung in Maßwerk, Rundbogenstellung von Säule getragen, Kreuzgratgewölbe, Volutenkapitell, Spitzbogenfries leitet über zum Konsoltraufgesims, links Wasserspeier, profilierte Dachkante). Aufgrund der Erhaltung großer Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit ihren an bürgerliche Architektur- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Dekorationen ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Erbauer und Bewohner von Bedeutung. Die vielfältigen historisierenden Schmuckformen offenbaren bisweilen eine über die reine Dekoration hinausgehende Bedeutung. Im Straßenbereich befindet sich - ebenso bei den Nachbargebäuden - ein Ziergarten; ehemals verfügten die Gebäude über große rückwärtige oder umgebende Gärten, die heute nur noch zum Teil vorhanden sind. Die Gebäudezeile des Theodor-Heuss-Rings setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten villenartigen Gebäuden ein Ensemble historistischer und zeitgemäß moderne Formen zeigender Architektur mit Anklängen an die vielfältigen Erscheinungsformen des Schloß- und Landhausbaus des 18. und 19. Jahrhunderts (ehemals die Nr. 22 mit Resten der Dekorationen in den unteren Geschossen, heute noch die Nr. 32). Entsprechend wertvoll ausgestattete Gebäude aus dieser Zeit sind in der stark kriegszerstörten Kölner Innenstadt eine äußerste Seltenheit. Die ursprünglich auch Wohnzwecken dienenden Großvillen beherbergen heute zum großen Teil wohlhabende Firmen und Gesellschaften des tertiären Gewerbes. Darüber hinaus entstanden am Ebertplatz und bis zum Rheinufer hin seit der Nachkriegs- und bis in die jüngste Zeit hinein moderne Büro- und Verwaltungsgebäude des Geldverkehrs und der Versicherungswirtschaft, die die Maßstäblichkeit (Parzellenstruktur, Geschoßzahl und -höhe) der historischen Ufer- und Ringbebauung empfindlich beeinträchtigen (z. B. das sechsgeschossige Bürogebäude Nr. 18).

Aufgrund der sehr weitgehenden Erhaltung der Originalsubstanz der straßenseitigen und rückwärtigen Fassade und des Eingangs- und Treppenhausbereichs ist das Objekt sowohl für das Erscheinungsbild der Straße, als auch als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur und Stadtkultur im späten 19. Jahrhundert und als Restbestand der ehemaligen Ensemblebebauung am Theodor-Heuss-Ring ein unbedingt erhaltenswertes Dokument der Kölner Baukunst.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0