Hauptverwaltung und Vorstandsgebäude der Kaufhof AG
Leonhard-Tietz-Straße 1 · Altstadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_6549 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Hauptverwaltung und Vorstandsgebäude der Kaufhof AG |
| Adresse | Leonhard-Tietz-Straße 1, 50676 Köln |
| Baujahr | 1951 bis 1954 |
| Architekt / Planung | Hermann Wunderlich / Reinhold Klüser / Rudolf Schicketanz |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 23.06.1992 |
| Stadtteil | Altstadt/Süd |
Baujahr: 1954, Architekten: Hermann Wunderlich und Reinhold Klüser; Teil der Hauptverwaltung der Kaufhof AG; 8-geschossiges flachgedecktes Scheibenhaus in Stahlbetonskelettbauweise mit an der Ostfassade anschließendem 3-geschossigen Verbindungsbau zum Vorstandsgebäude an der Kämmergasse (ebenfalls in Stahlbetonskelettbauweise); Scheibenhaus weitgehend mit leicht zurückgesetztem Erdgeschoß, im Bereich der Eingangshalle an der Leonhard-Tietz-Str. mit drei seitlichen aluminiumverblendeten Rundstützen; Verbindungsbau mit flankierenden 1-geschossigen Vorbauten (weitgehend verglast); Glas-Aluminium-Vorhängefassaden ("Curtain-Wall"), im EG des Scheibenhauses teilweise mit Natursteinplättchenverblendung (im Bereich des Pflanzbeetes an der Ostfassade) sowie teilweise verputzt (an der Agrippastraße), Fenster und Eingangstüren (am Haupteingang zur Leonhard-Tietz-Str. Drehtüranlage) weitgehend original. Rückseite des Scheibenhauses bis auf die obersten Geschosse verputzt, teilweise mit niedrigeren Anbauten und Laderampe mit Vordach, Fenster größtenteils original. Im Innern original erhalten: in der Eingangshalle bis auf den Bürgersteig hinausgezogener Bodenbelag mit quadratischen schwarzen Terrazzoplatten, Rundstützen mit einer Verkleidung aus messingeloxiertem Aluminium, Verkleidung der Wand im Bereich des Fahrstuhlschachtes mit hellem Marmor, an einer Seite mit stilisierter Weltkugel als Wanduhr (Schmiedearbeit von Carl Wieland), Verkleidung der rechten Wand (auch im Bereich des Treppenaufgangs) mit deutschrotem Marmor, hier mit eingelassener Gedenktafel für Leonhard Tietz (Bronze), Stuckrelief an einer Wand (von Jakob Berwanger), 2 von innen nach außen durchgehende Pflanzbeete mit Natursteinverblendung, Aufzugsanlage (Paternoster); in der oberen Eingangshalle kurze rote Terrazzotreppe, Bodenbelag mit quadratischen schwarzen Terrazzoplatten, Rundstützen (wie im vorderen Bereich), Stütze auf quadratischem Grundriß mit Natursteinplättchenverblendung, wellenförmig gebogene Holzverkleidung einer Wand, eine weitere Wand mit Natursteinverblendung, weitgehend Türen; im Haupttreppenhaus Stahlbetontreppe mit rotem Terrazzobelag, Metallgeländer und Mipolamhandlauf; im Konferenzsaal des Verbindungsbaus (1. OG) Bodenbelag entlang der Wände mit Naturstein, Holzvertäfelung der Wand in der Sockelzone, weitgehend Holztüren, hängende Holzdecke, 2 Deckenleuchter; im Hörsaal des Verbindungsbaus (1.2. OG) schlanke Rundstützen vor der Fensterwand, wellenförmig gebogene Holzverkleidung der Seitenwände, ansteigende Bestuhlung, vor der Fensterwand Rabitzdecke mit integrierten Lampen; in den Fluren Mipolamboden, teilweise Holzverkleidung der Wand (1. OG), Rundstützen, weitgehend Türen. Bestandteil des Denkmals ist auch der außen befindliche Teil der beiden durchgehenden Pflanzbeete. Nicht Bestandteil des Denkmals sind die an der Hoffront (bzw. Westfassade) anschließenden weiteren Bauten des Gesamtkomplexes.
Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges, geraten als inzwischen abgeschlossene Bauepoche immer mehr in das Interesse der Allgemeinheit. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl Bauten von hoher baukünstlerischer Qualität, von den Architekten oft im Sinne eines "Gesamtkunstwerkes" durchgestaltet. Das o. g. Objekt wurde 1954 als Hauptverwaltung der Kaufhof AG an der Sternengasse (heute Leonhard-Tietz-Straße) in unmittelbarer Nähe des Schnittpunkts der Ost-West-Durchbruchstraße mit der damals nur projektierten Nord-Süd-Straße errichtet. Planung und Ausführung lagen dabei bei Hermann Wunderlich und Reinhold Klüser, den führenden Architekten der Bauabteilung des Unternehmens. Eine Besonderheit der Bauaufgabe bestand in der Notwendigkeit der Eingliederung des älteren Vorstandsgebäudes an der Kämmergasse sowie in der Rücksichtnahme auf die benachbarten Kirchen St. Peter und St. Cäcilien. Auf dem verhältnismäßig beengtem Grundstück entstand so ein Gebäudekomplex mit einer, die Baumassen geschickt gliedernden Aufteilung in mehrere Baukörper. Dominiert wird er von einem 8-geschossigen Scheibenhaus, das wie überwiegend auch die weiteren (Neu-)bauten aus einer aus Rundstützen bestehenden Stahlbetonkonstruktion errichtet worden ist. Dabei ist die Fassade eine als Außenhaut in Montagebauweise vorgehängte Ganzglasfassade mit Brüstungs- und Sturzfeldern aus dunkelgrünem Drahtglas und einer äußerst schmal profilierten Rahmenkonstruktion aus Aluminium. Das Erdgeschoß wurde ganz in Stützen aufgelöst und ist im Bereich der Eingangshalle bis auf die hinter der aufgehenden Flucht stehenden Konstruktionspfeiler zurückgenommen und vor allem hier ganz verglast worden. Dies gibt dem Oberbau nicht nur einen leichten, schwebenden Charakter, sondern bewirkt auch ein Ineinanderfließen von Außen und Innenraum. Besonders auch die durchgehenden Pflanzbeete machen diese Tendenz deutlich. Insgesamt wurden die werbewirksam auf Grün abgestimmten Glasfassaden der für die Kaufhof AG errichteten Bauten geradezu ein Symbol des "Wirtschaftswunders" der 50er Jahre. Vorläufer dieser Glasarchitektur mit einer vorgehängten Fassade, der "Curtain Wall" existieren bereits in den 20er Jahren, wobei hier als wegweisender Architekt in erster Linie Mies van der Rohe zu nennen wäre. Auch die seine Ideen weiterentwickelnden amerikanischen Architekten Skidmore, Owings und Merrill (SOM) beeinflußten vor allem mit ihrem "Lever House" in New York die Architektur der Kaufhof-Bauten maßgeblich. Das o. g. Objekt, das darüber hinaus in wichtigen Bereichen, etwa in der Eingangshalle, noch größtenteils über seine schöne zeittypische Innenausstattung verfügt, wird somit als herausragendes Beispiel für den amerikanischen Einfluß in der Architektur der 50er Jahre in Köln zum unverzichtbaren Dokument. Auch als wichtiges Werk des Architekten Hermann Wunderlich, der in hohem Maße die Warenhausarchitektur im Nachkriegsdeutschland prägte, ist das o. g. Gebäude unbedingt erhaltenswert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0