Wohn- u. Gewerbebau

Huhnsgasse 34 · Altstadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_6789
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Gewerbebau
Adresse Huhnsgasse 34, 50676 Köln
Baujahr1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 13.04.1993
Stadtteil Altstadt/Süd

1890 erbaut (Adreßbuch); 4 Geschosse und zurückgesetztes Dachgeschoß (urspr. 3 Geschosse und Giebelgeschoß), um 1950 ab dem 3. OG verändert wiederaufgebaut, 2 Achsen, 2farbige Klinkerfassade mit Werksteingliederung, im EG 2 Korbbögen in profiliertem Werkstein auf ornamentierten gußeisernen Stützen, hier in der nördlichen Achse eine Tordurchfahrt und in der südlichen Achse Mauerwerk und neue vergitterte Fensteröffnung, Fenster im 1. und 2. OG mit profiliertem Segmentbogen, in der linken Achse gekuppelte Fenster. Fenster verändert (meist Sprossenfenster aus den 50er Jahren). Rückseite: seitlicher, 3achsiger Anbau mit vorspringendem Treppenhaus am Gebäudeende, 5 Geschosse (urspr. 4 Geschosse, nach dem Krieg um 1 Geschoß erhöht), 2farbige Klinkerfassaden mit Lisenengliederung und verkröpften Geschoßgesimsen, bis ins 3. und teilweise ins 4. OG originale Fensteröffnungen mit Segmentbogen. Fenster und Haustür verändert. Inneres verändert.

Rückwärtig einen Hof umschließende Gewerbe- bzw. Bürogebäude:

Gewerbegebäude (I):

an das Wohnhaus rückwärtig anschließendes Klinkergebäude auf langgestrecktem, rechteckigen Grundriß (nordwestliche Gebäudekante abgeschrägt), 6 Achsen, originale Dachkonstruktion mit großen Gauben, 2farbige Klinkerfassade mit Lisenengliederung, im 2. OG gekuppelte Stichbogenfenster mit orig. Eisensprossierung, Fensterform im EG und 1. OG verändert, jedoch Überfangbogen der einstigen gekuppelten Fenster erhalten, übrige Fläche dieser Fensterfelder neu verputzt. Inners verändert.

Gewerbegebäude (II):

rechtwinklig im rückwärtigen Bereich an das obige Betriebsgebäude angrenzend, 2farbiges Klinkergebäude mit Gliederungen über winkelförmigem Grundriß (urspr. mit mittig vortretendem Treppenhaustrakt), 5 Geschosse (urspr. 4 Geschosse, beim Wiederaufbau des Gebäudekomplexes aufgestockt), Wandöffnungen weitgehend mit Segmentbogen, im 1. und 2. OG der nördl. Achse schmale kleine, zu einer 3er Gruppe zusammengefaßte Fenster; in der südlichen Achse neuer Fahrstuhlschacht, Fenster und Tür verändert. Im Innern original erhalten: Eisentreppe mit Eisengeländer.

Bürogebäude:

im östlichen Bereich des Nordflügels gelegener 3geschossiger Bau mit Flachdach, 4 Achsen, originales 2farbiges Klinkermauerwerk mit Gliederungen in der östlichen Gebäudehälfte erhalten, übriger Gebäudeteil mit alten Backsteinen wiederaufgebaut und Gliederungen teilweise fortgesetzt, Türöffnung mit Segmentbogen, Fensteröffnungen verändert, Fenster und Tür verändert. Inneres erneuert.

Nicht zum Denkmal gehören die 1geschossigen Gebäude und der 3geschossige wiederaufgebaute Gewerbebau im rückwärtigen Grundstücksbereich.

Der Zweite Weltkrieg zerstörte die Kölner Altstadt zu 90 %. Der Wiederaufbau achtete höchstens die architektonischen und historischen Reste bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts; die große Teile der Altstadt prägende Architektur des späteren 19. Jahrhunderts wurde dagegen meist nicht wiederhergestellt. Die erhaltenen Reste historischer Bausubstanz aus dieser gründerzeitlichen Epoche - wie auch der Wohn- und Gewerbebau Huhnsgasse 34 - haben für die Kölner Altstadt daher einen ganz besonderen ortsgeschichtlichen Wert und sind unbedingt zu erhalten.

In der Huhnsgasse, deren Name auf einen Übersetzungsfehler seit der Franzosenzeit zurückgeht und ursprünglich "Hundsgasse" lautete, wurde die historische Bebauung bis auf den obigen Gebäudekomplex ebenfalls zerstört. Als Solitärsbau, der das historische Erscheinungsbild der einst geschlossen bebauten Huhnsgasse bruchstückhaft veranschaulicht und zugleich in wirkungsvoller Weise den hohen Zerstörungsgrad in der Kölner Altstadt beispielhaft vor Augen führt, wird die Huhnsgasse 34 somit auch städtebaulich zu einem unverzichtbaren Denkmal.

Es handelt sich um ein für die kleinteilige Parzellierung der Altstadtviertel charakteristisches schmales, nur 2achsiges Wohnhaus mit einem rückwärtigen breiteren Hof, den ausgedehnte 4 - 5geschossige Gewerbebauten dreiseitig umschließen. Als erster Betrieb seit der Erbauung im Jahre 1890 war in den rückwärtigen Gebäuden die Haas Reisert Gesellschaft - ein technisches Geschäft für Wasserreinigungsanlagen - ansässig. Das Wohnhaus - ursprünglich mit einem gestuften Ziergiebel versehen - wurde entsprechend dem Zeitgeschmack im Stil des Historismus erbaut, wobei sich die architektonische Gestaltung mit 2farbiger Klinkerfassade und gekuppelten Segmentbogenfenstern auch bei den Gewerbegebäuden fortsetzt. Die dortige rhythmisierende Lisenengliederung, die Geschoß- und Traufgesimse sowie der Friesdekor verdeutlichen zum einen die gleiche Wertigkeit von Wohn- und Gewerbegebäuden und zum anderen die noch bis zur Jahrhundertwende übliche Übertragung traditioneller historischer Baustile auf den neuen Gebäudetyp des Industrie- und Gewerbebaus. Der obige Gebäudekomplex gehört daher auch unter baukünstlerischem und bauhistorischem Aspekt zu den unbedingt erhaltenswerten Gebäuden Kölns. Darüber hinaus wird er auch als eines der wenigen Kölner Zeugnisse historischer Gewerbebetriebe, deren Gebäudeteile zu großen Teilen noch erhalten blieben und die historische Anlage des Betriebes in etwa widerspiegeln, zu einem unverzichtbaren Denkmal.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0