Vikariegebäude
Breiter Wall 9 · Worringen
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_6807 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Vikariegebäude |
| Adresse | Breiter Wall 9, 50769 Köln |
| Baujahr | 1900 |
| Eigentum | kirchliches Eigentum |
| Eingetragen seit | 30.04.1993 |
| Stadtteil | Worringen |
1900 erbaut, Architekt: Heinrich Müller; traufständiger, 2geschossiger Backsteinbau mit Gliederung, 3 Achsen, Satteldach, flacher Mittelrisalit, darüber gestufter Ziergiebel mit Rundfenster und Kreuzbekrönung, Wandöffnungen mit Segmentbogen, Eingang in der Mittelachse, davor Außentreppe in Basalt. Originale Haustür mit schmiedeeisernem Gitter, Fenster nach historischem Vorbild erneuert. Im Innern original erhalten: ornamentierter, mehrfarbiger Fliesenboden mit Mosaikstruktur im Flur, im hinteren Bereich Differenzstufen in Basalt, Holztreppe mit Antrittspfosten, Geländer mit gedrechselten Stäben, zahlreiche Zimmertüren mit Laibungen und Messinggriffen. Rückseite: Backsteinfassade mit Gliederung, ebenfalls gestufter Ziergiebel, ältere profilierte Holztür mit schmiedeeisernem Gitter, Fenster nach historischem Vorbild erneuert.
Worringen zählt aufgrund seiner bedeutenden Historie und seiner fast kleinstädtischen Struktur - ehemals mit einem System aus "Stadttoren", Wällen und Gräben umwehrt sowie beherrscht von dominanten Burganlagen - zu den interessantesten Kölner Dörfern. Die ursprüngliche Struktur des Ortes ist weitgehend noch erhalten und durch zahlreiche, teilweise bis ins Mittelalter zurückgehende Bauten ablesbar.
Zur Geschichtlichkeit des Ortes und seiner städtebaulichen Entwicklung gehört auch die obige ehemalige Vikarie am Breiten Wall, jener Straße, die bereits 1768 als neuer Brückenweg zur Kirche bezeichnet und nach der Verlagerung der drei domkapitularischen Höfe - Pilgrams -, Dicker- und Großhof - an die St. Tönnisstraße allmählich erschlossen wurde. Seit 1824 ist der Breite Wall öffentlicher Weg, an dem sich bis heute noch einige historische Bauten erhalten haben. Die Vikarie wurde als Nachfolgebau eines kleinen Winkelhofes nach dem Bauplan von Heinrich Müller 1900 als ländliches Gebäude mit charakteristisch rheinischen backsteinsichtigen Fassaden errichtet. Als traufständiges Haus mit Risalit und Ziergiebel sowie Sägezahnfriesen an Geschoßgesims und Traufe, dokumentiert es aber auch die Orientierung an der schmuckfreudigeren städtischen Architektur - einer vergleichsweise aufwendigeren baukünstlerischen Gestaltung, die sich aus seiner besonderen Funktion und Lage in der Nähe der Pfarrkirche und Schule ergab. Ungewöhnlich ist in diesem Zusammenhang die Gestaltung der Rückfront, die durch einen weiteren Ziergiebel und Gliederungen mit der Vorderfassade nahezu identisch ist und auch über eine ähnlich reich profilierte Eingangstür verfügt.
Die architektonische Gleichbehandlung der beiden Gebäudefronten ergab sich aus der städtebaulichen Situation, die das Haus als Teil einer lockeren Gruppierung von Kirche, Schule und Vikarie zwischen dem Breiten und Schmalen Wall zeigt. Die Rückfassade des Hauses war vom Schmalen Wall, aber auch von der Kirche aus frei sichtbar und entsprechend als weitere Schauseite zu gestalten. Als integraler und auch funktionaler Bestandteil eines, das historische Ortsbild prägenden Ensembles mit Pfarrkirche und Schule sowie als Teil eines historischen Straßenensembles mit den Häusern Breiter Wall 6, 11 und 24 ist das ehemalige Vikariegebäude deshalb insbesondere auch städtebaulich bedeutend.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0