Wohn- u. Bürogebäude

Kunibertsklostergasse 1 · Altstadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_6990
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Bürogebäude
Adresse Kunibertsklostergasse 1, 50668 Köln
Baujahr1949 bis 1951
Architekt / PlanungKarl Band
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 03.12.1993
Stadtteil Altstadt/Nord

Erbaut 1949-51, Architekt: Karl Band; Eckhaus mit Flachdach, Baukörper durch zwei sich durchdringende 3-4geschossige Kuben gekennzeichnet, Fassadengestaltung mit alten Backsteinen, Werksteinen und Sichtbeton, Erdgeschoß von "Fensterband" umlaufen, die beiden Kuben miteinander verbindend; Erdgeschoßfenster und Tür original, Obergeschoßfenster erneuert. An der Südseite zur Kunibertsklostergasse dominiert die vertikale Gliederung: rasterartig durchfenstertes und in Beton gefaßtes vorkragendes, dreigeschossiges Rechteck; rechts daneben die zweigeschossige ungegliederte Wandfläche. An der Ostseite zum Konrad-Adenauer-Ufer dominiert die horizontale Gliederung: 1. Obergeschoß in voller Höhe und annähernd voller Breite durchfenstert mit Balkon und originalem Geländer, 2. Obergeschoß mit vier Fenstern; weit zurückspringendes Staffelgeschoß mit zweiseitig umlaufendem niedrigem originalem Ziergitter als Dachterrassenabschluß; nachträglich hinzugefügte Pergola; rechterhand vom 1. zum 2. Obergeschoß vergitterter und neu verglaster Treppenaufgang. Rückseite: gestrichener Backstein, Fenster bis auf die bleiverglasten Fenster im 1. Obergeschoß an der Westwand erneuert; Hof mit kleinem Garten. Im Inneren original: Natursteinbodenbelag, verglaste Flurtür mit Holzstäben, Betontreppe mit Holzbelag, Stahlgeländer mit braunem Mipolamhandlauf; Erdgeschoß-Grundriß leicht verändert; Betonbalkendecke im Erdgeschoß im zum Rhein hin orientierten Gebäudeflügel zum Teil mit Glasbausteinen als Zwischenraumfüllung von Balkenende zu Balkenende. 1. Obergeschoß: Parkettböden und die Türen flankierende Glasflächen. Betonbalkendecke über dem 2. (nur in dem zum Rhein hin gerichteten Raum) und 3. Obergeschoß. Charakteristisch ist eine Fülle von wiederverwendeten Architekturfragmenten. Am Außenbau: Natursteinplatte mit männl. Figur; Grinkopf vom Stapelhaus, aus Umbauschutt erworben um 1938; Johanneskopf; Fragment eines roman. Taufsteins; alle an der linken Eingangswand; an der Südfassade, unterhalb der Dachkante (links): Fratze. Im Hof: Fratze (eingebaut in unteren Teil des nördlichen Backsteinpfeilers). Im Innern: Konsolsteine; Domkapitell; Kapitell vom abgebrochenen Kreuzgang St. Andreas und weitere Kapitelle.

Oben genanntes Objekt befindet sich im Norden der Kölner Altstadt, die im Zweiten Weltkrieg zu 90 % zerstört worden ist. Auch der an dieser Stelle 1877-1879 von Weyer errichtete Schulbau fiel dem Krieg zum Opfer. Er stand auf einer Parzelle, nördlich von St. Kunibert, die um 1180 im Rahmen der 3. Kölner Stadterweiterung erstmals bebaut wurde. Rheinabgewandt, hinter dieser mittelalterlichen Bebauung waren Weingärten angelegt. Das Wohn- und Bürohaus Kunibertsklostergasse 1 wurde nach dem zweiten Weltkrieg an einer städtebaulich markanten Stelle in unmittelbarer Nachbarschaft zu St. Kunibert errichtet. Es stellt aufgrund seiner Gestalt, die gekennzeichnet ist durch einen flachabgedeckten, in 2 Blöcke untergliederten kubusartigen Baukörper mit vorkragenden rasterartigen Fensterrahmungen, unterschiedlichen Fensterbändern und großzügiger Durchlichtung sowie durch die Verwendung von Sichtbeton, einen deutlichen Gegensatz zum nahen mittelalterlichen Sakralbau dar. Näheres Hinsehen läßt erkennen, daß der Bau alte Bausubstanz zu würdigen weiß. Das Gebäude selbst strebt eine Synthese von alt und neu an. Kombiniert wird moderner Stahlbeton mit Backsteinen, die bereits einmal verbaut waren. Darüber hinaus finden sich sowohl am Außenbau wie auch im Innern, zahlreiche wiederverwendete Architekturfragmente mittelalterlicher Provenienz. Der Bau nimmt innerhalb des architektonischen Gesamtwerks des bedeutenden Kölner Architekten Karl Band eine exponierte Stellung ein, weil es als eigenes Wohn- und Bürohaus errichtet wurde und somit prädestiniert ist, Aussagen über den persönlichen Stil und die Intentionen des Architekten zu liefern. Das Erscheinungsbild der Südfassade wurde durch den wenige Jahre später anschließenden Bau Kunibertsklostergasse 3 verändert. Es ist daher im Zusammenhang mit diesem, ebenfalls von Karl Band errichteten Gebäude zu sehen. Das oben genannte Objekt ist als besonders qualitätvoller Bau unverzichtbares Dokument für die Neugestaltung der Kölner Altstadt nach dem Zweiten Weltkrieg in historisch geprägter Umgebung.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0