Wohn- u. Geschäftshaus mit 3 Gartenhäusern

Wormser Straße 37 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7182
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus mit 3 Gartenhäusern
Adresse Wormser Straße 37, 50677 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 22.08.1994
Stadtteil Neustadt/Süd

Erbaut: um 1905; 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß mit Ziergiebel, 3 Achsen, Mittelachse durch Erker auf rechtekkigem Grundriß mit Balkon und Ziergiebel besonders betont, Putzfassade mit Stuckgliederungen in Anklängen an den Jugendstil; Erdgeschoß mit Durchfahrt und originalem zwei

flügeligem schmiedeeisernen Gitter in linker Achse verändert, Fenster und Haustür erneuert. Im Innern original: Bodenfliesen, Wandfliesen bis in Kopfhöhe (teilweise erneuert), sparsamer Wandstuck, Terrazzotreppe, schmiedeeisernes Treppengeländer mit Holzhandlauf, Deckenstuck an den Untersichten der Treppenpodeste.

Zum Denkmal gehört folgende Hofbebauung:

1. Gartenhaus Mitte:

Erbaut: um 1905; 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß mit Ziergiebel, Walmdach, 3 Achsen, Mittelachse durch risalitartige Wandvorlage mit Balkon auf rechteckigem Grundriß im 1. OG und fünfstufige Treppe besonders akzentuiert; Putzfassade mit Stuckgliederungen in Anklängen an den Jugendstil. Der Ostfassade mit Haustür in rechter Achse vorgelagert: Terrasse (Terrazzo-Bodenbelag) mit zentrierter Treppe, beides von Mauerbrüstung eingefaßt, seitliche Terrassen-Zugänge jeweils über Metalltreppe mit originalem schmiedeeisernem Geländer. Nordfassade mit einachsigem, pultdachgedecktem Anbau über alle Geschosse und erneuerter Eingangstür. Fenster teilweise original (z. B. bleiverglastes Giebelfenster), Haus- und Terrassentür original.

Im Innern original: im Eingangsbereich: Marmor-Bodenbelag, Marmor-Wandverkleidung, Deckenstuck; im Treppenhaus: Fliesenboden, Terrazzotreppe, Treppengeländer mit Antrittspfosten und Handlauf aus Holz.

2. Gartenhaus links:

Erbaut: um 1905; 4 Geschosse, Dachgeschoß und Spitzboden ausgebaut, Walmdach, 4 Achsen, Schmalseite: 2 Achsen; Putzfassade (verändert) mit Backsteingliederungen, Fenster und Haustür erneuert.

Im Innern original: Fliesenboden, Eingangsbereich ganzwandig gefliest, sparsamer Deckenstuck, Terrazzotreppe, hölzernes Treppengeländer mit Holzhandlauf und Antrittspfosten (beschädigt), in einer der Obergeschoßwohnungen: Holzdielen, Küchen-Wandfliesen, sparsamer Deckenstuck, teilweise Zimmertüren.

3. Gartenhaus rechts, Wohn- und Geschäftshaus:

Erbaut: um 1905; 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (verändert), Walmdach, 4 Achsen, Putzfassade (verändert); Fenster und Haustür erneuert, rechts neben der Haustür: originale zweiteilige Eingangstür (in der Waagerechten geteilt). Rückseite: Loggien über drei Geschosse.

Im Innern original: Bodenfliesen, Wand-Profilleiste, Terrazzotreppe, hölzernes Treppengeländer mit Antrittspfosten und Holzhandlauf.

Die von Hermann Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Als Vorbilder für die halbkreisförmige Anlage um den Altstadtkern (Deutscher Ring bis Ubierring) dienten Stübben die Städte Wien (Ringstraße als repräsentativer Boulevard) und Paris (sternförmig auf einen Platz zulaufende Straßen). Die Gesamtkonzeption vereinigt verschiedenartige Wohnviertel, deren Bebauung entsprechend ihrer Bewohnerschaft und Infrastruktureinrichtungen (z. B. das Oberlandesgericht im "Gerichtsviertel") aufwendiger oder schlichter gestaltet ist. Im Zuge der ab 1881 begonnenen Stadterweiterung wurde u. a. auch die Wormser Straße angelegt bzw. begradigt, die vorher ein Teil des alten Bischofsweges war und die bis 1937 Drachenfelsstraße hieß. Sie verläuft, entsprechend dem Stübbenschen Planungskonzept mit anderen Straßen, z. B. der Loreley- und Merowinger Straße, sternförmig auf den Martin-Luther-Platz mit der gleichnamigen Kirche zu. Das genannte Bauensemble dokumentiert im Zusammenhang mit der Straßenführung die überregional bedeutende Stübbensche Stadterweiterung Anfang des 20. Jahrhunderts. Es ist ein Bestandteil des planerischen Gesamtkonzepts der Kölner Neustadt und innerhalb des Ensembles Neustadt-Süd ein unverzichtbares Element.

Die vier Gebäude des Denkmals sind ein an der Wormser Straße gelegenes, fünfstöckiges Haupthaus und drei Gartenhäuser (Gartenreste vorhanden). Das kleinere "Gartenhaus Mitte" liegt westlich der Verlängerung einer gedachten Achse, die durch die Durchfahrt des Haupthauses vorgegeben ist. Die beiden übrigen höheren Bauten, das "Gartenhaus links" und das "Gartenhaus rechts" befinden sich zwischen dem Haupt- und "Gartenhaus Mitte", leicht zueinander versetzt, die gedachte Achse flankierend. Die Gartenhäuser weisen im Unterschied zum Haupthaus jeweils drei Schauseiten auf. Die nach wie vor überwiegend zu Wohnzwecken genutzten Gebäude kennzeichnet ein unterschiedliches architektonisches Erscheinungsbild. Das Haupthaus fügte sich mit seiner Geschoßanzahl und Fassadengestaltung in die ursprünglich vorhandene gründerzeitliche Nachbarbebauung ein. Erker und Ziergiebel sowie die Zusammenfassung zweier Fenster durch eine mehrfach profilierte Rahmung akzentuieren die Vertikale, Kranzgesims, Fugenschnitt und eine eine Bossierung andeutende Putzstruktur betonen die Horizontale, so daß sich insgesamt eine ausgewogene Fassadengestaltung mit verhältnismäßig sparsam verteilten Dekormotiven des Jugendstils ergibt.

Das annähernd freistehende "Gartenhaus Mitte" zeichnet sich durch eine aufwendig dekorierte Ostfassade aus, die dem Gebäude den Charakter einer Villa verleiht: überwiegend großflächige Jugendstildekore, ein Balkon, ein im Verhältnis zum Baukörper groß dimensionierter Ziergiebel, unterschiedliche Putzstrukturen sowie das gestalterische Mittel der Zusammenfassung über- oder nebeneinanderliegender Fenster zeigen ein gesteigertes Repräsentationsbedürfnis an, das noch durch die mehrstufige Freitreppe unterstützt wird. Die beiden unterschiedlich stark überformten bzw. veränderten Gartenhäuser rechts und links charakterisiert ein großes Bauvolumen mit schlichtem Erscheinungsbild. Einziger Gebäudeschmuck sind die Backsteinapplikationen ("Gartenhaus links").

Das Gebäudeensemble hat neben seiner bauhistorischen eine herausragende sozialgeschichtliche Bedeutung: Der Bauherr, ein Bauunternehmer Kremer, der ursprünglich das "Gartenhaus Mitte" bewohnte, hat das große Grundstück unter wirtschaftlichem Aspekt baulich optimal ausgenutzt. Von der differenzierten äußeren Gestalt der Bauten in Kombination mit der jeweils unterschiedlichen Lage der Hauseingänge und Fenster der Erdgeschosse im Verhältnis zum Straßenniveau sowie dem Vorhandensein von Balkonen oder Loggien ist auf die ehemalige Bewohnerschaft zu schließen, die sich überwiegend aus dem Mittelstand rekrutierte: Entsprechend der Baustruktur wohnte z. B. der Bauunternehmer Kremer mit einer gehobenen gesellschaftlichen Position im kleinsten, aber aufwendigsten Gebäude, dem "Gartenhaus Mitte". Somit ist das Ensemble, innerhalb des sich durch eine schlichte Bebauung auszeichnenden Viertels zwischen Vorgebirgs-, Bonner Straße und Güterbahnhof Bonntor, trotz einiger Veränderungen, ein signifikantes sozialgeschichtliches Zeitdokument. Es gehört zu einem Restbestand von noch historisierenden Bauten im Norwesten der Wormser Straße, die den Zweiten Weltkrieg verhältnismäßig unbeschadet überdauert haben.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0