Wohn- u. Geschäftshaus

Rolandstraße 101 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7905
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Rolandstraße 101, 50677 Köln
Baujahrum 1890 bis 1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.07.1996
Stadtteil Neustadt/Süd

Erbaut um 1890/95; L-förmiger Grundriß (Vorderhaus mit Seitenflügel).

Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Satteldach (3 Gauben); 3 Achsen (Eingänge zum Treppenhaus/Ladenlokal rechts); Backsteinfassade (im 2./3.OG; mittlerweile überstrichen) mit reicher Stuckgliederung im Stil der Neo-Renaissance (EG mit aufgeputzter, stilisierter Quaderstruktur; säulen- und pilastergerahmte Mittelfenster; Fensterbrüstungen mit Balustern im 1./2.OG; Rundgiebel über den seitlichen Fensterachsen im 2.OG); Mittenbetonung durch gekoppelte/aufwendig gerahmte Fenster; Horizontalgliederung durch verkröpfte Stockwerk-, Sohlbank und Traufgesimse; Fenster/Türen erneuert.

Bestandteile des Denkmals sind auch alle ggf. vorhandenen Innenausstattungen (z.B. Treppenanlage, Stukkaturen, Wohnungseingangs- und Zimmertüren, Dielenböden).

Veränderungen: Gauben flach gedeckt, seitlich neu verkleidet, großflächige Fenster (u.U. ist das DG im Krieg beschädigt worden; das Nachbarhaus Nr. 103 war schwer beschädigt); Fenster (zweiteilig mit Kämpfer und großen Oberlichtern in Anlehnung an die Originalfenster) und Eingangstüren in Holz erneuert; Backsteinriemchen im 2./3.OG überstrichen.

Die Kölner Neustadt wurde als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts seit 1880 von Josef Stübben geplant und seit 1881 von ihm ausgeführt. Diese sich halbkreisförmig um die Altstadt legende Bebauungszone wird wesentlich durch die sogenannten "Ringe" geprägt. Auf diesen Prachtboulevard wurden alle städtebaulichen Planungen der Neustadt mit ihren Straßen, öffentlichen Plätzen und Grünanlagen ausgerichtet.

In diesem städtebaulichen Zusammenhang kommt der Rolandstraße eine besondere Bedeutung zu, da sie die Verbindung zwischen der Bonner Straße als einer der wichtigsten Ausfallstraßen und dem Lutherplatz, auf den sich mehrere Straßenzüge sternförmig orientieren, herstellt. Der Luther-Platz, in dessen unmittelbarer Nähe sich das o.g. Objekt befindet, ist prägend für die Stübbensche Planung, die immer wieder mit platzbildenden Konzentrationen von Straßenzügen arbeitet, um so ein spannungsreiches Straßenbild zu schaffen.

Ein weiteres Anliegen der neustädtischen Planung ist die Durchgrünung der neuen Stadtquartiere, wofür die Rolandstraße ein typisches Beispiel ist. Ursprünglich als Allee angelegt bildet sie gemeinsam mit der Teutoburger- und der Volksgartenstraße eine parallel zu den Ringen verlaufende Grünachse.

Das um 1890/95 errichtete Gebäude ist baugeschichtlich bedeutend, weil es in einer für die Architektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts zeittypischen Art Stilelemente der Renaissance innerhalb eines historistischen Gestaltungsrahmens neu kombiniert und so umdeutet.

Über dem Erdgeschoß mit angedeutetem Quadermauerwerk gliedern Aufputzungen (1.OG), Stockwerk- und Sohlbankgesimse sowie ein Traufgesims die viergeschossige, vierachsige Fassade. Ein mittiger, leicht vorgestufter erkerartiger Vorbau mit Stützkonsolen, gekröpften Gesimsen, Blendbalustern und rahmende Halbsäulen und Pilaster betont die Fassade und belegt den repräsentativen Anspruch der Erstbewohnerschaft an das Gebäude.

Als typisches Beispiel der Erstbebauung des südlichen Gebietes des ehemaligen Rayongeländes und als Dokument für die Entstehungsgeschichte der südlichen Neustadt ist das o.g. Objekt unverzichtbar. Die Bebauung nach den von J. Stübben erstellten Vorgaben, erfolgte in mehreren Phasen in einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen. Die breite Lagerung des Straßenraumes der Rolandstraße und die zweireihige Baumallee auf erhöhtem Mittelstreifen unterstreichen das hohe architektonische Niveau der durch Kriegszerstörung weitgehend dezimierten vier- bis fünfgeschossigen Bauten. Städtebaulich bedeutend ist das Objekt als Bestandteil des Gebäudeensembles Nr. 101 - 105. Es korrespondiert in Maß, Bauzier und -gliederung mit seinen Nachbarbauten und weiteren erhaltenen historischen Bauten in der nahen Umgebung.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0