Wohn- u. Geschäftshaus

Lütticher Straße 15 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7243
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Lütticher Straße 15, 50674 Köln
Baujahrum 1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 28.10.1994
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut: um 1895; 4 Geschosse, Souterrain, 3 Achsen, rechte Achse durch Erker mit Balkon (verändert) auf rechteckigem Grundriß und Hauseingang besonders betont; Putzfassade mit Stuckgliederungen in Anklängen an die Renaissance; Erdgeschoß und Souterrain zu einem Sockelgeschoß zusammengefaßt. Fenster überwiegend erneuert, Haustür und zweiflügelige Souterraintür original.

Rückseite backsteinsichtig, Fenster überwiegend erneuert (teilweise verändert). Nicht zum Denkmal gehört der eingeschossige Baukörper im Südosten des Grundstücks.

Im Innern original: Terrazzoboden mit Mosaik-Stern, MarmorTreppenstufen. Im Eingangsbereich: rustizierte Sockelzone mit marmorimitierendem Putz, Wand- und Deckenstuck. Im Flur links: originale Holztür. Schlichtes hölzernes Treppengeländer mit Holzhandlauf und Anrittspfosten.

Die von Hermann Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Als Vorbilder für die halbkreisförmige Anlage um den Altstadtkern (Deutscher Ring bis Ubierring) dienten Stübben die Städte Wien (Ringstraße als repräsentativer Boulevard) und Paris (sternförmig auf einen Platz zulaufende Straßen). Die Gesamtkonzeption vereinigt verschiedenartige Wohnviertel, deren Bebauung entsprechend ihrer Bewohnerschaft und Infrastruktureinrichtungen (z. B. das Oberlandesgericht im "Gerichtsviertel") aufwendiger oder schlichter gestaltet ist. Im Zuge der ab 1881 begonnenen Stadterweiterung wurde u. a. auch die Lütticher Straße im "Belgischen Viertel" zwischen dem Hohenzollernring im Osten und der Eisenbahntrasse im Westen angelegt. Der einst bevorzugten Wohngegend entsprach eine Bebauung mit aufwendig gestalteten Fassaden und Vorgärten. So fügte sich auch das oben genannte Objekt nahe des Kreuzungsbereichs Lütticher/Brabanter Straße in die ursprüngliche gründerzeitliche Bebauung ein. Die Fassadengestaltung des modifizierten Dreifensterhauses spiegelt das Repräsentationsbedürfnis der ehemaligen Bewohner wider. Der Erker, das hohe Sockelgeschoß und die überwiegend im Stile der Renaissance gehaltene Fassadendekoration, die im 1. und 2. Obergeschoß besonders reichhaltig ist, deuten auf eine mittelständische Gesellschaftsschicht als Bewohner hin. Der äußeren Gestalt entspricht der Eingangsbereich des sonst veränderten Innern mit einer repräsentativen Ausstattung.

Das in einer frühen Bebauungsphase errichtete Wohn- und Geschäftshaus Lütticher Str. 15 dokumentiert trotz Veränderungen das Erscheinungsbild des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Straßenzuges unmittelbar vor der Jahrhundertwende. Es ist ein erhaltenswerter Bestandteil der überregional bedeutenden Stübbenschen Stadterweiterung und des Gründerzeit-Ensembles Neustadt-Nord.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0