Wohnhaus

Blumenthalstraße 28 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7253
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Blumenthalstraße 28, 50670 Köln
Baujahr1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 28.10.1994
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut 1906 (inschr. dat.), L-förmiger Grundriß, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 3 Achsen, Mittelrisalit, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, Eingang rechte Achse, originale Haustür, Fenster mit geradem Abschluß, Rundbogenfenster im 3. Obergeschoß, alle straßenseitigen Fenster erneuert. Rückseite: backsteinsichtig, Fenster z. T. mit segmentbogigem Abschluß, Hoftür und Fenster erneuert. Im Innern original erhalten: im Vestibül Terrazzoboden unter PVC-Platten, reicher Deckenstuck, Terrazzotreppe, Stuckreste, Holzgeländer. Wohnungseingangstüren sowie Wohnungstüren und -gewände erneuert, z. T. Parkettboden in den straßenseitigen Räumen, in den übrigen Holzdielenboden, z. T. Reste von Deckenstuck, möglicherweise Deckenstuck jenseits der abgehängten Decken. Vorgarten mit Resten der originalen Einfriedung, gemauerte und verputzte Einfriedung mit Pfeilern und Vergitterung.

Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler- und Neusser Straße das sog. "Gerichtsviertel", ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Die Blumenthalstraße, verlaufend vom Neusser Platz zum Riehler Platz, wurde im wesentlichen in den Jahren 1906-1912 bebaut; sie war als Straße mit Vorgärten an beiden Seiten und mit Bäumen an der Südseite angelegt. Das Haus Nr. 28 ist integraler Bestandteil der außerordentlich geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels eindrucksvoll dokumentiert und bewahrt. Das o. g. Objekt stellt eine großstädtische Variante des ehemals für Köln charakteristischen Dreifensterhauses auf L-förmigem Grundriß dar. Es dokumentiert die ursprüngliche planmäßige Bebauung der Blumenthalstraße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893.

Mit weiteren Gebäuden der Blumenthalstraße - Nr. 20-30, 64-72 - bildet das Gebäude, das sich direkt auf die Nachbarbebauung mit spiegelbildlicher Gestalt der Schauseite bezieht, ein städtebauliches Ensemble von hauptsächlich dreiachsigen Jugendstilhäusern mit Risaliten und Giebeln. Dem vornehmen Charakter des Wohnumfeldes entspricht das Gebäude Blumenthalstr. 28 mit seiner repräsentativen, gestalterisch sehr aufwendigen Fassadenarchitektur. Aufgrund der Erhaltung großer Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit ihren an bürgerliche Architektur- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Dekoration, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Erbauer und Bewohner von Bedeutung. Schmuckformen: Zusammenfassung von jeweils zwei Geschossen mittels einheitlicher Fassadendekoration: Erd- und 1. Obergeschoß: schwere, lastende Bossenquaderimitation, ägyptisierende Bauplastik: Hauseingang mit der ägyptischen Steinarchitektur entlehnter Einfassung, Versatzstücke bauplastischer Kleinkunst im Brüstungsbereich, Schlußsteine in Form männlicher Masken, reich gegliedertes Stockwerkgesims, dessen friesartige Profilierung in den Bereich des 2. Obergeschosses überleitet. 2. und 3. Obergeschoß: Fugenschnitt in den äußeren Achsen, Risalit mit scharierter Putzfläche, Gliederung der Geschosse durch vertikale Zusammenfassung der dreigeteilten Fensteröffnungen, plastisch ausgebildetes Dachgesims mit Guirlandenschmuck, hoher Dachaufbau mit reichem Zierrat (Blattwerk, Festons, Kartusche) in Formen des Jugendstils.

Im Straßenbereich befindet sich - ebenso bei den Nachbargebäuden - ein Vorgarten mit Einfriedung. Die Häuserzeile der Blumenthalstraße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur mit Anklängen an im 19. Jahrhundert importierte bauplastische Formen eines außereuropäischen Kulturkreises. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur im frühen 20. Jahrhundert ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0