Wohnhaus

Blumenthalstraße 26 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7353
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Blumenthalstraße 26, 50670 Köln
Baujahrum 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 31.01.1995
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1906, L-förmiger Grundriß, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansarddach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, in der Mittelachse Risalit mit abschließendem Balkon, Eingang linke Achse , originale Haustür, Fensteröffnungen im Erdgeschoß verändert. Fenster mit geradem oberen Abschluß (Oberlichter geschlossen), alle straßenseitigen Fenster erneuert (ohne Teilung).

Vestibul: Terrazzoboden, bis zu halber Höhe mehrfarbige Jugendstilwandfliesen, reicher Wand- und Deckenstuck, Terrazzotreppe, Holzgeländer. Wohnungseingangstüren und -gewände z. T. original.

Vorgarten mit Resten der originalen Einfriedung, gemauerte und verputzte Einfriedung mit Pfeilern und Vergitterung.

Das Gebäude Blumenthalstr. 26 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler- und Neusser Str. das sog. "Gerichtsviertel" um den Palast des Oberlandesgerichtes, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Die breite und z. T. baumbestandene Blumenthalstraße, verlaufend vom Neusser Platz zum Riehler Platz, wurde im wesentlichen in den Jahren 1906 - 1912 bebaut; sie war als Straße mit Vorgärten an beiden Seiten und mit Bäumen angelegt.

Das Haus Nr. 26 ist integraler Bestandteil der außerordentlich geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße mit rhythmisch angeordneten Fassaden, die einen Risalit mit Dachaufbau in der Mittelachse einschließen, und den Charakter des Viertels eindrucksvoll dokumentiert und bewahrt.

Das o. g. Objekt stellt eine großstädtische Variante des ehemals für Köln charakteristischen Dreifensterhaus mit rückwärtigem Seitenflügel auf L-förmigem Grundriß dar. Es dokumentiert die ursprüngliche planmäßige Bebauung der Blumenthalstraße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893.

Mit weiteren Gebäuden der Blumenthalstraße - Nrn. 20-30, 64-72 - bildet das Gebäude, das sich direkt auf die Nachbarbebauung mit spiegelbildlicher Gestalt der Schauseite bezieht, ein städtebauliches Ensemble von hauptsächlich dreiachsigen Jugendstilhäusern mit Risaliten und Giebeln. Dem vornehmen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude Blumenthalstraße 26 mit seiner repräsentativen, gestalterisch sehr aufwendigen Fassadenarchitektur. Aufgrund der Erhaltung großer Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit ihren an bürgerliche Architektur- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Dekoration, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung (Schmuckformen: Zusammenfassung von jeweils zwei Geschossen mittels einheitlicher Fassadendekoration: Erd- und 1. Obergeschoß: schwere, lastende Bossenquaderimitation, von Pilastern auf Sockeln eingefaßter Hauseingang mit floralem Zierrat im Bogenfeld, reich gegliedertes Stockwerkgesims, dessen friesartige Profilierung in den Bereich des 2. Obergeschosses überleitet. 2. und 3. Obergeschoß: Stuckfassade, Gliederung der Geschosse durch vertikale Zusammenfassung der Fensteröffnungen, Einschluß von, der ägyptischen Steinarchitektur entlehnter Bauplastik in den Brüstungsbereichen, am Risalit gekröpftes, plastisch ausgebildetes Dachgesims mit Einschluß von Diamantquadern, Tierhäuptern und Girlandenschmuck, hoher Dachaufbau mit reichem Zierrat (Blattwerk, Kartusche) in Formen des Jugendstils.

Im Straßenbereich befindet sich - ebenso bei den Nachbargebäuden - ein Vorgarten mit Einfriedung. Die Häuserzeile der Blumenthalstraße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur mit Anklängen an seit dem 19. Jahrhundert importierte bauplastische Formen eines außereuropäischen Kulturkreises. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur im frühen 20. Jahrhundert ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0