Wohn- u. Geschäftshaus
Neusser Wall 46 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7256 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Neusser Wall 46, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1912 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 02.11.1994 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1912; 4 Geschosse, Souterrain, ausgebautes Dachgeschoß (Giebel, Gaube, Spitzboden), 3 Achsen, Mittelachse durch Ziererker auf trapezförmigem Grundriß betont; Putzfassade mit Stuckgliederungen in Anklängen an den Neoklassizismus;
Souterrain und Erdgeschoß sowie Dachgeschoß mit verhältnismäßig breiten Gesimsen gestalterisch von Obergeschossen abgesetzt, Fenster original, Haustür original, Oberlicht verändert, darüber: Nische mit Putte, zweiflügelige Souterraintür und Gitter der Souterrainfenster original. Rückseite backsteinsichtig, Balkone über 4 Geschosse an der Westwand der Hofbebauung (überwiegend verändert);
Bestandteil des Denkmals ist das Rundbeet im rückwärtigen Grundstück.
Im Inneren original: im Eingangsbereich: Marmorbodenbelag, verkleidete Marmorstufen, Wand mit Marmorsockel und Stuck, Terrazzobodenplatten mit Ornament, Terrazzotreppe mit hölzernen Geländerstäben in Metallfüßen, Holzhandlauf und Antrittspfosten, originale Wohnungsabschlußtüren, teilweise Deckenstuck in den Wohnungen, originale Briefkästen im Flur zum Hof.
Die von Hermann Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Als Vorbilder für die halbkreisförmige Anlage um den Altstadtkern (Deutscher Ring bis Ubierring) dienten Stübben die Städte Wien (Ringstraße als repräsentativer Boulevard) und Paris (sternförmig auf einen Platz zulaufende Straßen). Die Gesamtkonzeption vereinigt verschiedenartige Wohnviertel, deren Bebauung entsprechend ihrer Bewohnerschaft und Infrastruktureinrichtungen aufwendiger oder schlichter gestaltet ist. Im Zuge der ab 1881 begonnenen Stadterweiterung wurde u. a. auch der Neusser Wall als Teil der neuen äußeren Wallstraße in Alleeform im Agnesviertel angelegt, für das die Agneskirche und das Oberlandesgericht bestimmend sind. In dem ehemals gutbürgerlichen Wohnquartier um das Oberlandesgericht dominieren verhältnismäßig aufwendig gestaltete, repräsentative Mietwohnhäuser, zu denen mindestens im rückwärtigen Bereich ein Garten gehört. Dementsprechend fügt sich auch das o. g. Objekt in den Neusser Wall und die südlich angrenzenden Straßen (Alvensleben- und Aduchtstraße) ein: Das in Anklängen an den Neoklassizismus errichtete Wohnhaus, das überwiegend mit immer wiederkehrenden historisierenden Schmuckmotiven dekoriert ist, kennzeichnet eine insgesamt asymmetrische Fassedenkomposition, die vor allem durch die Position des Dachaufbaus über der Eingangsachse links außen und der Mittelachse zustande kommt. Die Hauptpartie der Fassade (1. - 3. OG) ist nach dem Grundsatz der Symmetrie klar und ausgewogen gegliedert. Die Kolossalpilaster zwischen den Fensterachsen verleihen dem Wohn- und Geschäftshaus einen leicht monumentalen Charakter und bezeugen (u. a.) das Repräsentationsbedürfnis des Bürgertums kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Das genannte Objekt, das den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überdauert hat, bewahrt das ursprüngliche Erscheinungsbild des südöstlichen Straßenzuges. Es ist Bestandteil einer Gebäudegruppe (z. B. Neusser Wall 42, 44; Aduchtstr. 7, 9, 11, 12), die um 1910/1912 in einer vergleichbaren Formensprache erbaut worden ist und gleichzeitig integraler Bestandteil des Ensembles Neustadt/Nord und damit der überregional bedeutenden Stübbenschen Stadterweiterung.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0