Wohnhaus

Neusser Wall 44 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7628
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Neusser Wall 44, 50670 Köln
Baujahrum 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 30.08.1995
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1912, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Anbau, Souterrain, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 3 Achsen, Putzfassade in Formen des Jugendstils bzw. Neoklassizismus, Mittelerker auf segmentförmiger Grundfläche mit abschließendem Balkon, Dachaufbau mit Ziergiebel. Separater Eingang zum Souterraingeschoß, Hauseingang rechts, Haustür erneuert (Metall), Oberlicht (Ochsenauge) original erhalten (Holz, sprossengeteilt), Souterrainöffnungen mit Glasbausteinen geschlossen, Fenstergitter, paarweise zusammengefaßte Fenster (Erdgeschoß, 3. Obergeschoß und Dachgeschoß) und breitgelagerte Fenster (1. und 2. Obergeschoß) mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, eingelegte Sprossen), Rückseite: Backstein, verputzt, Vorderhaus zweiachsig, Anbau zweiachsig, Balkone mit originalen schmiedeeisernen Gittern, Souterrainfenster original (Holz, sprossengeteilt), Hoftür und Fenster mit geradem oberen Abschluß, Hoftür (Metall) sowie alle rückwärtigen Wohnraumfenster und Balkontüren erneuert (Kunststoff, ohne Teilung). Im Innern original erhalten: Vestibül: 7-stufige Treppe mit PVC belegt, reicher Wand- und Deckenstuck: Stuckkassetten, Eierstab, Durchgang zum Treppenhaus marmorverkleidet, im Erdgeschoß PVC-Bodenbelag, Terrazzotreppe, Geländer mit Handlauf und Antrittspfosten in Holz, Treppenpodeste mit mehrfarbigem Terrazzo mit Bordüre belegt, originale Treppenhausfenster in Metall, sprossengeteilt, mehrfarbige Bleiverglasung. Eingang zur Wohnung im Hochparterre original: Holz, verglast, mit sprossengeteiltem Oberlicht, alle übrigen Wohnungseingangstüren erneuert. In den Wohnungen original erhalten: z. T. Linoleumbodenbelag, z. T. Stuckdecken, z. T. Türen und Gewände.

Rückwärtiger Garten mit Einfriedung: schmiedeeiserne Gitter auf niedrigen verputzten Backsteinmauern.

Die von Josef Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 bis 1906/10 vollzogenen Erschließung und Bebauung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler- und Neusser Straße das sogenannte 'Gerichtsviertel' um den Palast des Oberlandesgerichts, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nordöstlich des Ebertplatzes das ehemalige Villenviertel am nördlichen Rheinufer. Den sich nach Süden anschließenden, an der markanten Grenze zwischen nördlicher Alt- und Neustadt in Richtung zur Kölner Altstadt verlaufenden Abschnitt zeichnet die besondere Nähe zur Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich aus.

Der baumbestandene Neusser Wall im äußersten Norden der Neustadt verlaufend vom Neusser Platz als zentraler Platz der Neustadt/Nord mit der Agneskirche, südlich der großen Grünanlage um das Fort X gelegen und nördlich an den großräumigen Bereich um den Gerichtspalast anschließend, bzw. die Verbindung zur Uferstraße/Zoobrücke bildend, wurde im wesentlichen in den Jahren 1906 - 1912 bebaut; sie war z. T. als (Allee-)Straße mit Vorgärten und Baumbestand angelegt. Charakteristisch für die Parzellen- und Gebäudestruktur der nördlichen Neustadt ist das im Bereich zwischen Aducht- und Alvenslebenstraße gelegene Gebäude Neusser Wall 44. Es stellt eine großstädtische Variante des für Köln typischen Miethauses mit rückwärtigem Anbau und Hofwohnungen für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft dar. Die an einem ausgedehnten Grünbereich mit Baumbestand gelegene Häuserzeile am Neusser Wall zeigt breitgelagerte Schauseiten, deren vornehm-zurückhaltende steinimitierende Fassadengestaltung in Stuck die Herkunft der Formen aus der Jugendstildekoration durchaus erkennen läßt, aber bereits durch ein im zweiten Jahrzehnt des Jahrhunderts etabliertes neoklassizistisches Formenrepertoire überlagert wird. Die Ornamentik erscheint reduziert zu einfachen, klaren Formen, die sich dem Vorrang der Architektur in der Fassadengestaltung klar unterordnen (Schmuckformen am Gebäude Neusser Wall 44: Sockelbereich mit Fugenschnitt, scharriert, plastisch hervortretende Pilasterrahmung am Eingang, gekröpfter Dreieckgiebel mit Ochsenauge, Rahmung der Öffnungen durch flache Pilaster, Stockwerkgesimse gekröpft, Zusammenfassung des 1. und 2. Obergeschosses durch Großordnung in Form von Lisenen an den Gebäudekanten und am flachen Mittelerker, hoher Dachaufbau mit abschließendem profilierten Dreieckgiebel, Drillingsfenster belichtet den Spitzboden). Das Gebäude Neusser Wall 44 ist Teil der großzügig geplanten und ausgeführten Bebauung mit vier- bis fünfgeschossigen Mietwohnhäusern an breiten Parzellen, die über Souterraingeschosse für ehemals kleingewerbliche Nutzung verfügen. Die weitgehend geschlossen erhalten gebliebene Bebauung (Nrn. 36 bis 56, die Nrn. 50 und 53 erscheinen als Nachkriegsneubauten) dokumentiert und bewahrt das ursprüngliche Erscheinungsbild des Viertels. Mit weiteren Gebäuden der Straße bildet das Objekt ein städtebauliches Ensemble von Jugendstilhäusern mit Risaliten, Erkern und Ziergiebeln, die die historistische und zeitgemäß moderne Formen zeigende Architektur der Straße maßgeblich prägen und den vornehmen Charakter unterstreichen. Das Gebäude Neusser Wall 44 ist als Bestandteil der in Teilen geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung am Neusser Wall von bedeutendem Wert für die Stadtbaukultur Kölns und als Baudenkmal unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0