Wohnhaus

Aduchtstraße 12 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7676
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Aduchtstraße 12, 50668 Köln
Baujahrum 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 10.11.1995
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1910, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Ausbau, Souterrain, 4 Geschosse, Mansardgiebeldach, 3 Achsen, Putzfassade in Formen des Neoklassizismus, Sockelzone scharriert, Mittelerker auf rechteckiger Grundfläche mit abschließendem Balkon, breiter Dachaufbau in Fortführung der Erkerachse mit Ziergiebel, separater Eingang zum Souterraingeschoß, Tür erneuert, Souterrainfenster mit Glasbausteinen geschlossen, geschmiedete Stahlgitter, Hauseingang links mit geradem oberen Abschluß, Ochsenauge, Dreieckgiebelverdachung, Haustür erneuert (Metall), Fensteröffnungen mit geradem oberen Abschluß, in der Mittelachse im 1. und 2. Obergeschoß Drillingsfenster, im Erd- und 3. Obergeschoß paarweise zusammengefaßte Fenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff). Rückseite: verputzt, 4 Achsen, links Vorbau (Badezimmer), Balkone mit originalen geschmiedeten Stahlgittern, rückwärtige Fenster und Balkontüren erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht). Im Innern original erhalten: Vestibül: Marmorboden, sechsstufige Marmortreppe, Messinghandlauf an der Wand, bis halbe Höhe Marmorwandplatten mit Bordure in schwarz, Wand- und Deckenstuck, Stuckkassetten, bogenförmiger Durchgang zum Treppenhaus, Erdgeschoß Treppenhaus mit Marmorboden, Terrazzotreppe, zweifarbig, Geländer mit Stäben und Handlauf in Holz, Wandverkleidung bis halbe Höhe mit Solnhofer Platten (aus den 1950er Jahren), ab dem 2. Obergeschoß Wandfliesen (erneuert), Podeste mit Terrazzo belegt, Bordüre, rot/schwarz, Treppenhausfenster, metallsprossengeteilt, Buntglas, Wohnungseingangstüren: im 1., 3. Ober- und im Dachgeschoß original, sprossengeteiltes Fenster, sprossengeteiltes Oberlicht, im 2. Obergeschoß erneuert. In den Wohnungen original erhalten: z. T. Linoleumboden unter Belag, reiche Stuckdecken in den straßenseitigen Räumen, am Erker Stuckkonsolen, sparsame Stuckdekorationen (Mittelbetonung) in den rückwärtigen Räumen, Türen und Gewände zum großen Teil erhalten, sprossengeteilte Gläser, sprossengeteilte Oberlichte, z. T. originale zweifarbige Wandfliesen in den Küchen und Bädern.

Der rückwärtige Garten mit teilweiser Einfriedung durch kniehohe verputzte Mauer und geschmiedete Stahlgitter ist Bestandteil des Denkmals.

Die von Josef Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 bis 1906/10 vollzogenen Erschließung und Bebauung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler- und Neusser Straße das sogenannte 'Gerichtsviertel' um den Palast des Oberlandesgerichts, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nordöstlich des Ebertplatzes das ehemalige Villenviertel am nördlichen Rheinufer. Den sich nach Süden anschließenden, an der markanten Grenze zwischen nördlicher Alt- und Neustadt in Richtung zur Kölner Altstadt verlaufenden Abschnitt zeichnet die besondere Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich aus.

Die Aduchtstraße im äußersten Norden der Neustadt, südlich der großen Grünanlage um das Fort X gelegen und nördlich an den großräumigen Bereich um den Gerichtspalast anschließend, wurde im wesentlichen in den Jahren 1906 - 1912 bebaut.

Charakteristisch für die Parzellen- und Gebäudestruktur der nördlichen Neustadt ist das im Kreuzungsbereich zum Neusser Wall gelegene Gebäude Aduchtstr. 12. Es stellt eine großstädtische Variante des für Köln typischen Miethauses für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft dar. Die Häuserzeile der Straße zeigt breitgelagerte Schauseiten, deren vornehm-zurückhaltende steinimitierende Fassadengestaltung in Stuck die Herkunft der Formen aus der Jugendstildekoration durchaus erkennen läßt, aber bereits durch ein im zweiten Jahrzehnt des Jahrhunderts etabliertes neoklassizistisches Formenrepertoire überlagert wird. Die Ornamentik erscheint reduziert zu einfachen, klaren Formen, die sich dem Vorrang der Architektur in der Fassadengestaltung klar unterordnen (Schmuckformen am Gebäude Aduchtstr. 12: Mittelbetonung (der Mittelerker setzt sich bis in den Dachaufbau fort), Sockelbereich mit Horizontalfugenschnitt, scharriert, plastisch hervortretende Lisenenrahmung am Eingang, Horizontalplatte, Ochsenauge, Dreieckgiebelverdachung, Stockwerkgesims, achsweise Gliederung der Fenster mit flachen Stuckdekorationen in Art eingestellter Pilaster mit Konsolabschluß, reich profiliertes Stockwerkgesims zum 3. Obergeschoß, gemauerte und verputzte Balkonbrüstung, gekröpft, Ziergiebel mit profiliertem Segmentbogenabschluß). Das Gebäude Aduchtstr. 12 ist Teil der großzügig geplanten und ausgeführten Bebauung mit vier- bis fünfgeschossigen Mietwohnhäusern an breiten Parzellen, die über Souterraingeschosse mit ehemaligen Lagerräumen verfügen.

Die weitgehend geschlossen erhalten gebliebene Bebauung des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts (die Nachbargebäude Neusser Wall 42 und 44, die Nrn. 7, 9 und das gegenüberliegende Eckhaus zeigen die gleiche Fassadenproportionierung und -gestaltung) dokumentiert und bewahrt das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels. Mit weiteren Gebäuden bildet das Objekt ein städtebauliches Ensemble von Häusern mit Mittelrisaliten, -erkern und -ziergiebeln, die die historistische und zeitgemäß moderne Formen zeigende Architektur der Straße maßgeblich prägen und den vornehmen Charakter unterstreichen. Das Gebäude Aduchtstr. 12 ist als Bestandteil der in Teilen geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung von bedeutendem Wert für die Stadtbaukultur Kölns und als Baudenkmal unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0