Wohnhaus

Balthasarstraße 36 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7273
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Balthasarstraße 36, 50670 Köln
Baujahr1901
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 09.12.1994
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut 1901, L-förmiger Grundriß, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansarddach, Stuckfassade in Jugendstilformen, 3 Achsen, Erdgeschoß verändert (Einfassung der Eingangstür und des Sockels durch Wandfliesen verändert), in der Mittelachse Eingang und erkerartiger Treppenhausvorbau, der im Dachbereich mit Ziergiebel abschließt, Haustür erneuert, Fenster mit geradem Abschluß, zum großen Teil original, originale Treppenhausfenster. Rückseite: Backstein, plastisch gestaffeltes Dachgesims, Fenster mit segmentbogigem Abschluß, originale Fenster. Im Innern original erhalten: Vestibul: mehrfarbiger Terrazzoboden, im unteren Wandbereich holzgetäfelt, im Treppenhaus Terrazzotreppe und -podeste, lackierte strukturierte Wandverkleidung (z. T. beschädigt), Holzgeländer mit Antrittspfosten, Wohnungseingangstüren mit sprossengeteiltem Oberlicht. In den Wohnungen: Holzdielenböden, z. T. erhaltener Deckenstuck in den straßenseitigen Räumen, Teile der profilierten Gewände und Türen erhalten. Der rückwärtige Hof von angrenzender Bebauung eingefaßt.

Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Balthasarstraße liegt im Bereich der Erstbebauung im nördlichen Gebiet des ehemaligen Rayongeländes. Die Bebauung des Erweiterungsgebietes erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit mittleren und gehobenen Wohnansprüchen entstehen. Die Balthasarstraße, eine Seitenstraße der Neusser Straße im Bereich der Agneskirche, wurde im wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts bebaut.

Das Haus Nr. 36 ist integraler Bestandteil der teilweise geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels eindrucksvoll dokumentiert und bewahrt.

Das o. g. Objekt ist Teil der ursprünglichen planmäßigen Bebauung der Balthasarstraße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893. Mit weiteren Gebäuden der Balthasarstraße im Bereich der Neusser Straße und angrenzender Seitenstraßen bildet die Nr. 36 ein städtebauliches Ensemble von hauptsächlich viergeschossigen und dreiachsigen, auf breiten Parzellen stehenden Jugendstilhäusern mit Risaliten, Erkern und Giebeln. Dem z. T. vornehmen Charakter des Wohnumfeldes entspricht das Gebäude mit seiner repräsentativen, gestalterisch aufwendigen Fassadenarchitektur (Schmuckformen: Fugenschnitt, einheitliche Gestaltung des kragbalkengetragenen schmalen Treppenhausvorbaus in der Mittelachse, der über die Fassade hinausgehend als Dachaufbau abschließt, vertikal gestreckte Schmucklisenen, Einschluß von Zierformen in den Brüstungsfeldern, Stockwerk- und Dachgesims als ornamentale Friese ausgearbeitet). Aufgrund der Erhaltung großer Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit aufwendigen Architekturformen, des Treppenhauses und der Interieurs ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die Häuserzeile der Balthasarstraße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur im Kreuzungsbereich zur Neusser Straße. Während weitere Gebäude der Zeile und der gegenüberliegenden Front im Zweiten Weltkrieg und später zerstört wurden, in modernen Formen wieder aufgebaut wurden oder als Neubauten erstanden, ist das Gebäude Nr. 36 weitgehend original erhalten. Es ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen aufwendigen Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu modernen Formen in Gestalt des Jugendstils, zeigt. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur im frühen 20. Jahrhundert ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0