Wohnhaus

Yorckstraße 21 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7337
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Yorckstraße 21, 50733 Köln
Baujahr1900 bis 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.01.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut 1900/05, winkelförmiger Grundriß, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, Zwerchgiebel, 2 Achsen, Stuckfassade in Anlehnung an überkommene Formen (Neugotik) und Formen des Jugendstils. Eingang links, Betonung der linken Achse mit Erker auf trapezförmigem Grundriß und abschließendem Balkon, Erker mit breiten dreigeteilten Fenstern und schmalen Fenstern an den Seiten, in der rechten Achse paarweise zusammengefaßte hochrechteckige Fenster mit geradem Abschluß, alle Fenster sowie die Haustür erneuert. Rückseite: Backstein mit Gliederungen in gelben Lagen, segmentbogige Fensterformen, Hoftür und Fenster erneuert. Im Innern original erhalten: im Vestibulbereich Fliesen bis zu halber Höhe z.T. erhalten, reiche Stuckgliederung: Lisenen und figürlicher Schmuck, Deckenstuck, Treppe in Terrazzo, Podeste mit zweifarbigen Fliesen ausgelegt, Holzgeländer, Antrittspfosten. Wohnungseingangstüren erneuert, Gewände vereinzelt erhalten. In den Wohnungen Holzdielenböden, z. T. originale Türen und Gewände. Vorgarten mit originaler Einfriedung, gemauerte und verputzte Pfeiler, gußeiserne Vergitterung.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industriestandort, der als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte Nippes seit etwa 1895 einen regelrechten Bauboom. Erstmals wurden nun auch Gebiete nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. So entstand in der kurzen Zeit von 1900 bis 1905 zwischen Flora- und Nordstraße das Netz gänzlich neuer Straßen, mit dem Zentrum Leipziger Platz. Die Yorckstraße, angelegt 1900-1902 als westlichste der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Straßen des neuen Viertels, verbindet die Flora- mit der Nordstraße. Im Bereich Yorckstraße/Leiziger Platz ist eine bürgerlich-repräsentative, nach der Jahrhundertwende entstandene Bebauung anzutreffen. Kriegsschäden haben den großbürgerlichen Charakter dieser historischen Bebauung nicht wesentlich verändert, sodaß der städtebauliche Gesamteindruck erhalten blieb. Sie dokumentiert die starke bauliche und wirtschaftliche Weiterentwicklung zu den älteren, südlichen Bereichen.

Das Gebäude Yorckstraße 21 ist ein Beispiel für die repräsentative, gestalterisch aufwendige Mietwohnarchitektur zu Anfang unseres Jahrhunderts in Nippes. Aufgrund der Erhaltung großer Teile des Originalzustands, besonders der straßenseitigen Fassade mit ihren an bürgerliche Architektur- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Dekorationen, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Yorckstraße und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Erbauer und Bewohner von Bedeutung. Die Schauseite zeigt Dekorationen in der Kombination von Versatzstücken der Neogotik und des Jugendstils. Auffallend ist die flächendeckende Überanspruchung der Fassade mit architektonischem Zierrat (Formen: Fugenschnitt, Stockwerkgesimse, individuell gestaltete Fensterverdachungen in Formen des Spitzbogens und des Dreipaß, flächige hochrechteckige Wandgliederung mit floralen Jugendstilapplikationen, Wappenschilde, Fischblasenfriese in den Brüstungen, Spitzbogenfries als Überleitung zum Dachgesims, Balkon von plastisch durchgebildetem Konsolband getragen, Abschluß des Zwerchgiebels mit gedrücktem Karniesbogen über urspr. großflächigem, segmentbogigem Fenster und Balkontür). Die von schmalen Vorgärten eingefaßte Häuserzeile der Yorckstraße im Bereich des Leipziger Platzes setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Nippeser Stadtarchitektur im frühen 20. Jahrhundert ein wichtiges und unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0