Wohn- u. Geschäftshaus
Weißenburgstraße 30 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7344 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Weißenburgstraße 30, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1906 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 24.01.1995 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut: um 1906, Eckhaus zur Weißenburg- und Ewaldistraße; 5 Geschosse und ein nach dem Zweiten Weltkrieg aufgesetztes Geschoß, Walmdach, 3:4 Achsen, Fassade zur Weißenburgstraße: Mittelachse durch Erker auf rechteckigem Grundriß mit Balkon besonders betont; Hauseingang. Fassade zur Ewaldistraße: zweite Achse von rechts ebenfalls durch Erker auf rechtekkigem Grundriß mit Balkon akzentuiert; abgeschrägte Ecke mit Zierbalkonen auf segmentbogigem Grundriß im 2. bis 4. OG (originale schmiedeeiserne Balkonbrüstungen, Öffnung im 2. OG verändert). Erdgeschoß verändert; Putzfassade mit Stuckgliederungen in Anklängen an den Jugendstil (1.-4. OG). Fenster teilweise original, zweiflügelige Balkontüren original, Haustür erneuert. Rückseite backsteinsichtig, Fenster überwiegend original. Im Innern original: Terrazzoboden mit Mosaik-Ornament (beschädigt), originales schmiedeeisernes Treppengeländer mit Holzhandlauf, teilweise originaler Terrazzobelag auf den Treppenpodesten, Wohnungsabschlußtüren original, originale Zimmertüren in den Wohnungen des 1. und 2. OGs.
Die von Hermann Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Als Vorbilder für die halbkreisförmige Anlage um den Altstadtkern (Deutscher Ring bis Ubierring) dienten Stübben die Städte Wien (Ringstraße als repräsentativer Boulevard) und Paris (sternförmig auf einen Platz zulaufende Straßen). Die Gesamtkonzeption vereinigt verschiedenartige Wohnviertel, deren Bebauung entsprechend ihrer Bewohnerschaft und Infrastruktureinrichtungen (z. B. das Oberlandesgericht im "Gerichtsviertel") aufwendiger oder schlichter gestaltet ist. Im Zuge der ab 1881 begonnenen Stadterweiterung wurde u. a. auch die Weißenburgstraße als Allee angelegt. Das genannte Objekt befindet sich im westlichen Abschnitt der Weißenburgstraße, der in einem ehemaligen mittelständischen Wohnviertel östlich des Güterbahnhofs liegt. Entsprechend der Lage an der Alleestraße und der Ausrichtung zum Neusser Platz mit der Agneskirche, einem neogotischen Sakralbau, ist das genannte Objekt verhältnismäßig aufwendig gestaltet: Alle drei Gebäudeseiten sind als repräsentative Fassaden ausgebildet. Sie weisen hohe Erker und Zierbalkone auf. Die übereinanderliegenden Fenster dieser Elemente werden jeweils von Kolossalpilastern mit monumentalem Charakter flankiert. Als Gegengewicht zu der vertikalen Betonung der Gebäudeansichten dienen die breiten Stockwerkgesimse und das ehemalige Kranzgesims mit besonders plastischem Jugendstildekor.
Das o. g. Objekt, das den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überdauert hat, bewahrt trotz Veränderungen das ursprüngliche Erscheinungsbild des Straßenzuges, dessen Bebauung im westlichen Teil stärker kriegszerstört war als im östlichen. Das Mietstockwohnhaus ist ein wesentlicher Bestandteil der überregional bedeutenden Stübbenschen Stadterweiterung. Es dokumentiert sein Planungskonzept, das Plätze (Neusser Platz) und sternförmig auf sie zulaufende Straßen (Weißenburg- und Ewaldistraße z. B.) vorsieht. Das Wohn- und Geschäftshaus Weißenburgstr. 30 setzt aufgrund seiner Lage an der östlichen Spitze des dreieckförmigen Blocks (Weißenburg-, Ewaldi- und Melchiorstraße) und seiner Gestalt, die auf die Lage mit der abgeschrägten Ecke Bezug nimmt, einen markanten städtebaulichen Eckakzent. Das o. g. Objekt ist somit insbesondere ein bauhistorisches und städtebauliches Dokument und als Teil des Gründerzeit-Ensembles NeustadtNord unbedingt erhaltenswert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0