Wohnhaus
Gneisenaustraße 23 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7348 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Gneisenaustraße 23, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 24.01.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1905, Vorderhaus mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, hohes Kellergeschoß, ausgebautes Dachgeschoß (Mansarddach), 2 Achsen, Erker auf rechteckigem Grundriß mit abschließendem Balkon, Ziergiebel, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, Eingang rechts, nachträglich eingebaute tiefgelegene Garage im hohen Kellergeschoß links, individuell gestaltete Fensteröffnungen mit geraden und bogenförmigen oberen Abschlüssen, Haustür mit hohem sprossengeteiltem Oberlicht sowie alle straßenseitigen Fenster original. Rückseite: roter Backstein mit horizontalen Gliederungen in gelb, segmentbogige Fensteröffnungen, Hoftür original, alle Fenster (eine Ausnahme) erneuert. Im Inneren original erhalten: Vestibul: reiche Wand- und Deckenstuckgliederungen (nachträgliche Ausstattung mit Marmortreppe und Wandverkleidung in zweifarbigem Marmor bis zu halber Höhe), korbbogiger Durchgang zum Treppenhaus, Terrazzotreppe, Podeste mit Antrittspfosten und Handlauf in Holz, Wohnungseingangstüren mit sprossengeteilten Oberlichtern z. T. erhalten, zwei original erhaltene mehrfarbige Buntglasfenster im Treppenhaus, davon eines mit aufwendiger bleigefaßter Figürlicher- bzw. Landschaftsdarstellung. In den Wohnungen: Holzdielenböden, reiche Jugendstilstuckdecken in den straßenseitigen Räumen, Türen und Gewände in zwei Wohnungen original erhalten, in der Wohnung im 2. Obergeschoß originale Küchenfliesen in Anlehnung an Delfter Fliesen blau/weiß. Der rückwärtige Garten-/Hofbereich mit originaler Einfriedungsmauer: verputzte, durch gemauerte Pfeiler gegliederte Backsteinmauer.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine urspr. römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstandenen nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Gneisenaustraße gehört mit der Flora-, Kuen- und Eichstraße zu den frühen Straßenerschließungen der für den Stadtteil entscheidenden Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs (1880/90 - 1915). Sie wurde im Bereich zwischen Neusser- und Niehler Straße mit anspruchsvollen, städtisch geprägten Wohnhäusern für Eigentümer und mit Mietwohnhäusern bebaut. In rascher Folge entstanden hier dreigeschossige Wohnhäuser mit schmalen straßenseitigen Ziergärten (bei der Nr. 23 wurde der Vorgarten zugunsten von Parkplatzfläche entfernt), deren reich dekorierte Fassaden mit Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in Formen des Jugendstils der Straße ihr charakteristisches Erscheinungsbild geben. In unmittelbarer Umgebund an der Gneisenaustraße entstand 1913 die Bonifatiuskirche in späthistoristischer Formensprache mit reicher Bauskulputur und unter Jugendstileinfluß. Das Haus Gneisenaustraße 23 ist zusammen mit seinem in Proportion, Geschoßzahl und Fassadendekoration gleichgestalteten Nachbarhaus Nr. 25 und weiteren in der Nachbarschaft gelegenen, annähernd im Originalzustand erhaltenen Gebäuden (Nrn. 10 - 16) ein wichtiges Zeugnis der Erstbebauung in einem der neueren Straßenzüge des bürgerlichen Nippes nach der Jahrhundertwende (Schmuckformen: Fugenschnitt im Erdgeschoß, in der rechten Achse paarweise zusammengefaßte hochrechteckige Fenster in den Obergeschossen, im Erker dreigeteilte Fenster mit leicht geschwungenen Bögen, deren Form sich jeweils in den Oberlichtern wiederholt, im Zwerchgiebel dreigeteiltes Halbrundfenster, Brüstungsfelder mit eingestellten Pilastern, Abschluß des Erkers und des Giebels in barockisierenden verkröpften Giebelformen, am Zwerchgiebel gebrochener Abschluß mit Aufsatz). Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Gneisenaustraße eine Abfolge nachempfundener Epochenstile und moderner, die Materie organisch belebende Jugendstilformen, deren aufwendige Dekorationen sich im Inneren, besonders in den Entrées und Treppenhäusern fortsetzen. Die sich noch heute darstellenden hohen Ansprüche an repräsentative Wohnformen lassen erkennen, daß sich in der Gneisenaustraße eine etablierte Bauherrenschaft Wohnhäusern zur eigenen Nutzung errichtete. Dieser Aspekt des Bauens in Nippes ist am Gebäude Nr. 23 und seinen Nachbarn nachvollziehbar. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, insbesondere der im Stadtteil Nippes seltenen, aufwendigen Interieurs und der reich gestalteten Fassade, ist das Gebäude für das Ensemble der Stadtarchitektur in Nippes von hoher Bedeutung und um verzichtbarer Bestandteil der Wohnbebauung.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0