Wohn-, Büro- u. Geschäftshaus

Buchheimer Straße 64 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7354
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn-, Büro- u. Geschäftshaus
Adresse Buchheimer Straße 64, 51063 Köln
Baujahr1950 bis 1956
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 31.01.1995
Stadtteil Mülheim

1950 - 56 erbaut, Architekt: Ernst Gondrom, Köln; freistehender Stahlbetonskelettbau auf trapezförmigem Grundriß; 7 Geschosse, Flachdach; 6. OG als Staffelgeschoß und überdachter Sitzplatz auf Pfeilern zurückgesetzt unter bis zu den Außenfluchten vorkragendem Flugdach, originale Brüstungen (Glasplatten im Metallrahmen), originale schräg stehende Rundstützen aus Metall; 4 Fassaden mit Natursteinverkleidung (ursprünglich Travertin, erneuert in hellem Sandstein, Sockel aus Basalt) und Rasterflächen aus getrichenem Beton mit bänderartiger Anordnung der Fensteröffnungen, Brüstungsfelder mit Belag aus roten Keramikfliesen, Fenster erneuert; Schaufenster im EG erneuert (teilweise in ursprünglichen Stahlrahmen); 3 Eingänge (Haupteingang an der Buchheimer Straße schräg zurückgesetzt, Eingang zum EG am Wiener Platz und Nebeneingang auf der gegenüberliegenden Seite), Türen erneuert.

Lichthof im 1. - 6. OG, Putzfassaden, EG-Dach verändert, in nordwestlicher Ecke vortretender Aufzugsschacht, hochrechteckige Fensteröffnungen mit erneuerten Fenstern im 1. - 3. OG, auf der zum Wiener Platz hin gelegenen Seite im 1. - 6. OG, im 4. und 5. OG dreiseitig Laubengänge auf Rundpfeilern mit originalen Brüstungsgeländern (Metallplatten in Metallrahmen), Wohnungstüren und Fenster erneuert. Im Inneren: Grundriß- und Raumstrukturen im EG weitgehend verändert, in OG's weitgehend erhalten; original erhaltenes Treppenhaus mit Bodenbelag aus Kunststein (im EG einheitlich schwarz, in OG's mit inkrustierten hellen Streifen), Treppe mit schwarzem Kunststeinbelag und Geländer aus schwarzen und weißen Rund- und Vierkantstäben mit schwarzem Mipolamhandlauf, dunkel gestrichenen Aufzugstüren, verglasten Etagentüren aus Stahl und Wohnungstüren.

Die im Mittelalter entstandene Ortschaft Mülheim, die 1914 nach Köln eingemeindet wurde, hatte sich bis in 18. Jahrhundert auf das Gebiet zwischen Rhein und Wallstraße beschränkt. Östlich an diesen ältesten Ortskern angrenzend wurde infolge des gewerblichen und später industriellen Wachstums die Neustadt mit regelmäßigem Straßenraster angelegt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erhielt die Buchheimer Straße, die ursprüngliche Verbindungsstraße zwischen Mülheim und Buchheim, zunehmend Bedeutung als vornehme Wohn- und Geschäftsstraße mit gutbürgerlicher gründerzeitlicher Bebauung. Die stadträumliche Ausdehnung Mülheims auf des Bereich östlich des Clevischen- und Bergischen Ringes seit Beginn des 20. Jahrhunderts und der Bau der Mülheimer Brücke 1927 - 29 hatte zur Verlagerung des Geschäftszentrums an den Wiener Platz und die Frankfurter Straße als Fortsetzung der Buchheimer Straße geführt, die im Schatten der Brückenrampe und infolge der erheblichen Zerstörungen im 2. Weltkrieg ihren einst repräsentativen Charakter verlor. Das o. g. Objekt Buchheimer Str. 62 entstand als Nachkriegsneubau für die Mülheimer Zweigstelle der Kölner Stadtsparkasse auf dem Grundstück des zerstörten Vorgängerbaus, das durch seine städtebaulich markante Lage zwischen der Brückenrampe und der Einmündung der Buchheimer Straße auf den Wiener Platz gekennzeichnet ist. In Fortsetzung der repräsentativen Tradition an gleicher Stelle wurde in den Jahren 1950 - 52 und 1955 - 56 in zwei Bauabschnitten ein mächtiger Baukörper nach den Plänen des Kölner Architekten Ernst Gondrom (1903 - 1975) errichtet. Die Vorgabe durch die neuen Baufluchtlinien bedingte bei Ausnutzung der gesamten möglichen Bebauungsfläche den trapezförmigen Grundriß des Gebäudes. Entsprechend der allseitigen Freistellung entwarf Gondrom einen geschlossenen Baukörper mit vier Schaufassaden. Diese werden durch die asymmetrische Kombination von glatten Natursteinflächen und gerasterten Fensterflächen charakterisiert. Die Abstufungen der vor- und zurückspringenden Betonstreben des leicht vor die Fassadenflucht tretenden Rasters bewirken eine abwechslungsreiche Belebung der Fassadenerscheinung, die durch den farblichen Kontrast der hellen Steinmaterialien und roten Brüstungsfelder bereichert wird. Die Auflösung des gesamten Erdgeschosses in großflächige Schaufensterverglasungen zwischen Pfeilern unterstützt insgesamt den Eindruck der Leichtigkeit des Gebäudes, der ebenfalls durch das wie schwebend wirkende flache Flugdach hervorgerufen wird, unter dem das Staffelgeschoß als Schattenzone optisch zurücktritt. Alle diese beschriebenen Gestaltungsmittel sind bezeichnend für die Architektur der 50er Jahre. Auch im Inneren dokumentiert das Gebäude mit dem Treppenhaus, das in seiner ursprünglichen Erscheinung in dezenter schwarz-weißer Farbgebung erhalten ist, die gestalterische Auffassung seiner Entstehungszeit. Der Architekt Ernst Gondrom löste die Anforderung, Geschäfts-, Büro- und Wohnfunktionen innerhalb des Hauses zu verbinden, durch die Konzeption des mittleren Lichthofes, zu dem sich das Treppenhaus öffnet und um den herum sich die einzelnen Etagen mit Büroräumen im ersten bis dritten und Wohnungen in den weiteren Obergeschossen gliedern.

Mit dem o. g. Gebäude Buchheimer Str. 62 ist eines der späten Werke Gondroms erhalten, der besonders in den 30er Jahren größere Bauprojekte, darunter zahlreiche Schulgebäude, in Köln und Umgebung entwarf. Das Haus, das sein ursprüngliches Erscheinungsbild und wesentliche Teile der originalen Substanz bewahrt hat, ist als qualitätvolles Beispiel der Nachkriegsbebauung sowohl städtebaulich als auch orts- und architekturhistorisch unverzichtbar.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0