Kreuz

Niehler Damm 181 · Niehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7361
Typ Kleindenkmal
BezeichnungKreuz
Adresse Niehler Damm 181, 50735 Köln
Baujahr1745
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 31.01.1995
Stadtteil Niehl

Kreuz, ehemaliges Grabkreuz, 1745 (laut mündlicher Überlieferung), Höhe: 0.85 m, Breite: ca. 0.30 m, Drachenfelstrachyt. Eingemauert im unteren Bereich der straßenseitigen Einfriedungsmauer des Grundstücks Niehler Damm 181. Die verputzte Mauer mit eingelassenem Kreuz, die in ca. 1.50 m Abstand zum Straßenraum steht, schließt das auf 0.80 m niedrigerem Niveau liegende Grundstück zur Straße hin ab.

Das aus einem Stein gehauene Denkmal hat einen dreiteiligen Aufbau: als Fundament dient das untere Viertel unbehauenen Steins, das wohl ursprünglich in die Erde eingelassen die Standfestigkeit garantierte, als ehedem sichtbarer Sockel des Kreuzes erscheint ein gleichhohes, querrechteckiges und horizontal schariertes Steinsegment mit waagrechter oberer Profilierung. Darüber erhebt sich ein die Figur hinterfangendes sowie deren Konturen ungefähr nachzeichnendes Steinsegment, vor dem die aus dem Stein gehauene Christusfigur als plastisches 2/3-Relief erscheint. Über der dornengekrönten Christusfigur befindet sich die ebenfalls aus dem Stein gehauene, flach hervortretende Inschrifttafel mit den Buchstaben INRI.

Das ehemalige Bauern- und Fischerdorf Niehl ist urkundlich erstmals 927 im Zusammenhang mit einer erzbischöflichen Schenkung an das Ursulastift und 1080 mit einer solchen an das Kunibertstift erwähnt. Das Kunibertstift besaß spätestens seit jenem Zeitpunkt die Pfarrhoheit über Niehl. Politisch gehörte Niehl zur Grafschaft Hülchrath, 1314 zum Erzstift Köln und seit der französischen Besetzung des Rheinlands zu der 1798 neugeschaffenen Bürgermeisterei Longerich, mit der es 1888 nach Köln eingemeindet wurde.

An der Sebastianstraße (heute Hermesgasse), einer alten Römerstraße, liegt am Rheinufer bis heute das älteste Niehler Baudenkmal, die Landkirche Alt-St. Katharina. Der beherrschende Standort dieser alten Pfarrkirche an der höchsten Stelle der Ortschaft auf dem Steilufer des Rheins sowie die benachbarten Hofbauten bilden den erhaltenen alten Dorfkern zwischen Merkenicher Straße und Rheinufer. Zahlreiche Kapellen und Wegekreuze des 18. und 19. Jahrhunderts haben sich im alten Dorfbereich erhalten. Von den einstigen umfangreichen Hofanlagen sind noch einige Wohnbauten erhalten. Niedrige giebel- und traufständige Hausbauten des 19. Jahrhunderts zeugen von ländlich-dörflicher Struktur. Bis ins 20. Jahrhundert bewahrte Niehl seinen dörflichen Charakter, erfuhr in den 20er Jahren mit der Ausweitung des stadtkölnischen Gebiets und in den 30er Jahren durch die Ansiedlung der Fordwerke im Norden eine allmähliche städtische Prägung. Siedlungsbau und weitgehende Veränderung der ländlich geprägten Wohnbebauung zu Mietwohnobjekten veränderten den dörflichen Charakter Niehls hin zum Arbeiterwohnort im Einzugsbereich von Industrieanlagen. Die ehemals ländlich-dörfliche Bebauungsstruktur ist heute dennoch im näheren Bereich zur alten Pfarrkirche, unweit des Rheinufers erlebbar. Teile ehemaliger Hofanlagen, die den überkommenen alten Dorfkern zwischen Merkenicher Straße, Hermesgasse und dem Niehler Damm markieren, haben sich dort erhalten. Die typische Landkirche Alt-St. Katharina, deren Baugestalt nur unwesentliche Veränderungen erfahren hat, erhielt ihr Aussehen im 12.-15. Jahrhundert. Das hier erhaltene, 0.85 m hohe Kreuz aus Drachenfelstrachyt stammt aus dem Friedhofsbereich der Pfarrkirche und ist vermutlich 1745 als Grabkreuz entstanden. Die heute allein noch sichtbare Bildseite zeigt den Gekreuzigten, die andere durch das Einlassen in eine Mauer dem Betrachter entzogene Seite trägt nach mündlicher Überlieferung die Inschrift.

MARGARETHA MERKENICH

GEB: PULLEM GEST: 1745

PETER MERKENICH

Das Steinkreuz am Niehler Damm 181 ist als ein volkskundliches Denkmal einzuordnen, dem sowohl für die Geschichte des Ortes Niehl als auch für die kirchlich-religiöse Geschichte der Katharinenkirche und des sie umgebenden ehemaligen Kirchhofs Bedeutung zukommt. Auch wenn das Grabkreuz aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts seinen ursprünglichen Aufstellungsort verlassen hat und heute in anderem und verfremdeten Zusammenhang erscheint, ist es ein bedeutendes Dokument für den in die allgemeine Religion eingefügten Toten kult des 18. Jahrhunderts. Das Kreuz ist als unverzichtbares historisches Dokument zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0