Wohnhaus
Gellertstraße 39 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7396 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Gellertstraße 39, 50733 Köln |
| Baujahr | 1902 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 15.02.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut 1902, L-förmiger Grundriß, Souterrain, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (Mansarddach), Stuckfassade in Formen der Neogotik, 3 Achsen, Erker auf trapezförmigem Grundriß, Hauseingang links mit hohem Oberlicht in gelbgetöntem Glas, originale Haustür, rechts Durchfahrt zum rückwärtigen Hof, Fenster mit segmentbogigen und geraden Abschlüssen, Erkerfenster paarweise zusammengefaßt, alle straßenseitigen Fenster erneuert. Rückseite: Backstein, segmentbogige Fensteröffnungen, an der Rückfront sowie am Treppenhaus originale Fenster, Hoftür original, im Anbau Fenster erneuert. Im Innern original erhalten: reiche Dekoration im Vestibul: Marmorboden und Treppe, Gliederung der Wände in Stuck, Wandflächen lackiert mit Einschluß von vier rechteckigen Feldern, die farbige Wandmalerei al secco in Tradition der romantischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts zeigen, dargestellt sind verschiedene Rheinansichten und Landschaftspanoramen. Überleitung zur Decke bildet ein Stuckfries mit Blumenmotiv, reich gestaltete Stuckdecke, vom Vestibul zum Treppenhaus konsolgetragener bogenförmiger Durchgang in Stuck.
Treppenhaus: Bodenbelag im Erdgeschoß und Podeste aus farbig eingefaßtem Terrazzo, Terrazzotreppe, gußeisernes Geländer mit Handlauf in Holz, im Erdgeschoß Stuckdecke, alle Wohnungseingangstüren mit halbrundschließenden Oberlichten original erhalten. In den Wohnungen original erhalten: Holzdielenböden, in den straßenseitigen Räumen aller Wohnungen reiche Stuckdecken, Türen und Gewände. Straßenseitig kleiner Ziergarten mit originaler Einfriedung, gemauerte und verputzte Pfeiler, schmiedeeiserne Vergitterung. Im Hof befinden sich eine Garage und ein eingeschossiger späterer Anbau, Teile der originalen Einfriedungsmauer in Backstein erhalten.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde aus dem 1888 nach Köln eingemeindeten ehemaligen Bauerndorf Nippes ein bedeutender Industriestandort mit rasch anwachsender Arbeiterbevölkerung. Im Gebiet nordöstlich der Kempener Straße und bis zum Inneren Grüngürtel entstanden rund um die Mauenheimer- und Florastraße neue Wohngebiete, deren Bauten aufgrund des gestiegenen Bedarfs an Wohnraum fast gänzlich als Miethäuser erscheinen. Im wesentlichen prägen um die Jahrhundertwende errichtete zwei bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein und mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Gellertstraße (ehemals Neue Schulstraße und Mühlenstraße), verbindet die Niehler- mit der Neusser Straße. 1877 angelegt führte sie zunächst von der Niehler Straße nur bis zur Eichstraße; erst 1896 erfolgte die Verlängerung zur Neußer Straße hin.
Die Gellertstraße gehört mit der Flora-, Kuen- und Eichstraße zu den frühen Straßenerschließungen in der für diesen Stadtteil entscheidenden Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs (1880/90 bis 1910). Sie verbindet den südlichen, älteren Stadtteil mit jüngeren Ansiedlungsflächen. In den letzten Jahren des Jahrhunderts wurden die Gellert-, Kuen- und Schenkendorfstraße systematisch erschlossen und um die Jahrhundertwende bis ca. 1905 in relativ kurzer Zeit mit anspruchsvollen, städtisch geprägten Wohn- und Mietwohnhäusern bebaut. In rascher Folge entstanden hier in diesen Jahren dreigeschossige Wohnhäuser, deren reich dekorierte Fassaden mit Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in Formen der Gotik, Renaissance und des Barock und verschiedener Varianten des Jugendstils diesem neuen Abschnitt der Straße sein charakteristisches, historistisches Erscheinungsbild geben.
Das Haus Gellertstraße Nr. 39 ist zusammen mit seinem in Proportion, Geschoßzahl und Fassadendekoration gleich gestalteten Nachbarhaus Nr. 41 und den gegenüberliegenden Nrn. 40 und 42 sowie einigen weiteren annähernd im Originalzustand erhaltenen Gebäuden ein wichtiges Zeugnis der Erstbebauung in einem der neuen Straßenzüge des bürgerlichen Nippes der Jahrhundertwende. Das ursprünglich wahrscheinlich gewerblicher Nutzung dienende Souterrain läßt die Geschoßanordnung des Gebäudes (Souterrain, Hochparterre, Belétage etc.) gegenüber seinen dreigeschossigen Nachbarbauten differieren. Die uneinheitliche Geschoßzahl - deutlich ablesbar an den Stockwerkgesimsen - rhythmisiert die Fassaden der in der Zeile stehenden Gebäude (Schmuckformen: Fugenschnitt in Souterrain und Hochparterre, profilierte Rahmung des Eingangs mit abschließendem Gebälk, sehr hohes rundbogiges Oberlicht, in der Mittelachse von konsolartigem Rippengewölbe getragener Erker, vertikal zusammenfassende Gliederung der Fenster in den äußeren Achsen, einheitliche Gestaltung von Fensterverdachungen und Brüstungsfeldern, ornamentaler Schmuck und Wappenschilde, Bekrönung des Erkers durch kleeblattartigen Abschluß, im Bogenfeld ornamentaler Schmuck mit Einschluß eines Löwenhauptes). Von besonderen Bedeutung sind die erwähnten romantischen Landschaftsgemälde im Vestibul, deren illusionistische Wirkung sich mittels Tönung des Oberlichtglases, durch das diffus gemildertes Tageslicht einfällt, verstärkt.
Die aufwendige Ausgestaltung des Eingangsbereichs mit Wandmalerei ist innerhalb der Kölner Stadtarchitektur eine äußerst seltene Erscheinung. In der Nippeser Gelbertstraße zeigen weitere Wohngebäude noch erhaltene Wanddekorationen durch Malerei. Aus städtebaulichen Gründen ist das o. g. Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit weiteren erhaltenen Gebäuden eine Fassadenreihe von Häusern des Historismus bildet.
Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Gellertstraße eine Abfolge nachempfundener Epochenstile, deren aufwendige Dekorationen sich im Inneren, besonders in den Entrées und Treppenhäusern zahlreicher Häuser fortsetzt. Die sich noch heute darstellenden hohen Ansprüche an repräsentative Wohnformen lassen erkennen, daß sich in der Gellertstraße eine etablierte Bauherrenschaft Wohnhäuser zur eigenen Nutzung errichtete. Dieser Aspekt des Bauens im Stadtteil Nippes ist am Gebäude Gellertstraße 39 und seinen Nachbarn nachvollziehbar. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, insbesondere der im Stadtteil Nippes selten aufwendigen Interieurs und der straßenseitigen Fassade, die, an architektonische Hoheitsformen anknüpfende, antikisch gefärbte und, der restaurativen Gestaltungssprache der Neogotik sich bedienende Dekorationen zeigen, ist das Gebäude für das Ensemble der Stadtarchitektur in Nippes von hoher Bedeutung und unverzichtbarer Bestandteil der Wohnbebauung.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0