Wohnhaus
Gellertstraße 27 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7560 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Gellertstraße 27, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.08.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1905, auf annähernd quadratischer Grundfläche mit rückwärtigem Anbau auf winkelförmigem Grundriß, dreiseitig umbauter Gartenbereich (nach Süden), 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, 3 Achsen, Erker auf trapezförmigem Grundriß rechts, Hauseingang links, Haustür mit Oberlicht erneuert, Erdgeschoßfenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Obergeschoßfenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, ohne Teilung), im Erdgeschoß Oberlichte z. T. geschlossen. Hoffronten: Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel zweiachsig, gelber Backstein, segmentbogige Fensteröffnungen, in der rechten Achse des Seitenflügels Fensteröffnungen verändert (teilweise zugemauert), alle rückwärtigen Fenster (eine Ausnahme Erdgeschoß Seitenflügel) einschließlich Treppenhausfenster erneuert (Kunststoff, ohne Teilung), Hoftür erneuert, überbauter Durchgang (segmentbogige Öffnung) vom Innenhof zum südlich gelegenen Gartenbereich. Südliche Rückfront: zweiachsig, Backstein verputzt, Fenster (nach Süden) mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle Fenster erneuert (Kunststoff, ohne Teilung ). Im Innern original erhalten: reiche Dekoration im Vestibül: mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordüre, reich gestaltete Stuckdecke, vom Vestibül zum Treppenhaus konsolgetragener Durchgang in Stuck. Treppenhaus: im Erdgeschoß mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordüre, Stuckdecke, konsolgetragener gerader Durchgang zur Treppe. Terrazzotreppe, gußeisernes Geländer mit Handlauf in Holz, Podeste mit mehrfarbigen Bodenfliesen. Wohnungseingangstüren mit segmentbogig schließenden sprossengeteilten Oberlichten zum großen Teil original erhalten. In den Wohnungen original erhalten: z. T. Holzdielenboden, z. T. Türen und Gewände.
Straßenseitiger Ziergarten mit originaler Einfriedung, niedrige gemauerte und verputzte Mauer, schmiedeeiserne Vergitterung.
Im Innenhof zum Nachbargrundstück originale Einfriedungsmauer in Backstein erhalten.
Südlich anschließender Garten mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein, verputzt.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar, diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und der Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen, das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Gellertstraße (ehemals Neue Schulstraße und Mühlenstraße), verbindet die Niehler- mit der Neusser Straße. 1877 angelegt führte sie zunächst von der Niehler Straße nur bis zur Eichstraße; erst 1896 erfolgte die Verlängerung zur Neusser Straße hin. Die Gellertstraße gehört mit der Flora-, Kuen- und Eichstraße zu den frühen Straßenerschließungen in der für diesen Stadtteil entscheidenden Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs (1880/90 bis 1910). Sie verbindet den südlichen, älteren Stadtteil mit jüngeren Ansiedlungsflächen. In den letzten Jahren des Jahrhunderts wurden die Gellert-, Kuen- und Schenkendorfstraße systematisch erschlossen und um die Jahrhundertwende bis ca. 1905 in relativ kurzer Zeit mit anspruchsvollen, städtisch geprägten Wohn- und Mietwohnhäusern bebaut. In rascher Folge entstanden hier in diesen Jahren drei- bis viergeschossige Wohnhäuser, deren reich dekorierte Fassaden mit Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in Formen der Gotik, Renaissance und des Barock und verschiedener Varianten des Jugendstils diesem neuen Abschnitt der Straße sein charakteristisches, historistisches Erscheinungsbild geben.
Das Haus Gellertstr. 27 im Kreuzungsbereich zur Eichstraße gelegen, ist zusammen mit seinem in Proportion, Geschoßzahl und Fassadendekoration gleich gestalteten Nachbarhaus Nr. 29 und den gegenüberliegenden Nrn. 34 - 42 sowie einigen weiteren annähernd im Originalzustand erhaltenen Gebäuden ein wichtiges Zeugnis der Erstbebauung in einem der neuen Straßenzüge des bürgerlichen Nippes der Jahrhundertwende. Aus städtebaulichen Gründen ist das Gebäude Gellertstr. 27 schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit weiteren erhaltenen Gebäuden eine Fassadenreihe von Häusern des Historismus bildet. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Gellertstraße eine Abfolge nachempfundener Epochenstile. Die Anwendung auch zeitgemäß moderner Formen zeigt sich an den Schaufassaden der annähernd identisch gestalteten Gebäude 27/29 (Schmuckformen: Fugenschnitt, im Erdgeschoß Imitation rustizierten, schwer lastenden Bossenquadermauerwerks in Stuck, Fenster mit segmentbogigem Zierfries, Stockwerkgesimse. In den Obergeschossen Fugenschnitt, gekehlte Laibungen der Fenster, Brüstungsbereiche mit eingestellten flächigen Wandfeldern, gekröpftes Traufgesims), deren aufwendige Dekorationen sich im Inneren, besonders in den Entrées und Treppenhäusern zahlreicher Häuser fortsetzt. Die sich noch heute darstellenden hohen Ansprüche an repräsentative Wohnformen lassen erkennen, daß sich in der Gellertstraße eine etablierte Bauherrenschaft Wohnhäuser zur eigenen Nutzung errichtete. Dieser Aspekt des Bauens im Stadtteil Nippes ist am Gebäude Gellertstr. 27 und seinen Nachbarhäusern nachvollziehbar. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, insbesondere der aufwendigen Interieurs und der straßenseitigen Fassade, die, an architektonische Hoheitsformen anknüpfende, historistische und zeitgemäß moderne Dekorationen zeigt, ist das Gebäude für das Ensemble der Stadtarchitektur in Nippes von hoher Bedeutung und unverzichtbarer Bestandteil der Wohnbebauung in der Gellertstraße.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0