Wohnhaus

Florastraße 88 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7402
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Florastraße 88, 50733 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.02.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1900, L-förmiger Grundriß, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, schiefergedecktes Mansarddach, 3 Achsen, Backsteinfassade mit Stuck- und Fliesengliederungen in Formen des Jugendstils und der Backsteingotik, in der Mittelachse, erkerartige konsolgetragene Mauerverstärkung in den Obergeschossen mit trapezförmig abschließendem Dachaufbau, Erdgeschoß links verändert (nachträgerlicher Einbau der Fenster anstelle des Ladenlokals). Hauseingang in der Mittelachse rechts, individuell gestaltete Fensterformen, originale Haustür mit hohem sprossengeteilten Oberlicht, die straßenseitigen Fenster der Obergeschosse z. T. original. Rückseite: Backstein mit gelben Horizontalgliederungen, segmentbogige Fensteröffnungen, z. T. in den Oberlichtbereichen geschlossen, alle Fenster erneuert, Treppenhausfenster mit Baskulverschluß original. Einfriedungsmauer des rückwärtigen Hof-/Gartenbereichs original erhalten. Im Innern original erhalten: Vestibul: im unteren Bereich lackierte Wandtapete mit floralen Motiven, Deckenstuck, Treppenhaus: Terrazzo und farbige Bodenfliesen des Erdgeschosses und der Treppenpodeste, Terrazzotreppe, gußeisernes Treppengeländer, Handlauf in Holz, Wohnungseingangstüren, in den Wohnungen z. T. Reste von Deckenstuck, z. T. originale Türen und Gewände.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde aus dem 1888 nach Köln eingemeindeten ehemaligen Bauerndorf Nippes ein bedeutender Industriestandort mit rasch anwachsender Arbeiterbevölkerung. Im Gebiet nordöstlich der Kempener Str. und bis zum Inneren Grüngürtel entstanden rund um die Mauenheimer- und Florastr. neue Wohngebiete, deren Bauten aufgrund des gestiegenen Bedarfs an Wohnraum fast gänzlich als Miethäuser erscheinen. Im wesentlichen prägen um die Jahrhundertwende errichtete zwei bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein und mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffenen drei bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Florastr. - wie ihre westliche Verlängerung, die Mauenheimer Str. - aus einem alten Flurweg hervorgegangen, ist noch weitgehend geprägt durch Gebäude dieses Zeitraums und durch die genannten Architekturformen.

Das Haus Florastraße 88 ist ein Beispiel für die gehobene Mietwohnarchitektur zu Anfang unseres Jahrhunderts in Nippes. Sowohl die - im Gegensatz zur Wohnbebauung der Florastraße im Bereich der Neusser Straße - Breitenausstreckung der unmittelbar an der Straße gelegenen Parzelle, als auch damit einhergehend die variantenreich-ausgewogene Gliederung der großflächigen Schauseite weisen auf den bürgerlichen Sozialstatus der Bewohner hin. Aufgrund des weitgehend erhaltenen Originalzustands, insbesondere des reichen Fassadendekorationssystems in Anlehnung an Formen der Backsteingotik und vereinzelt plazierter moderner Schmuckformen, der z. T. originalen Fenster und großer Teile der Interieurs ist das Gebäude für das Gesamterscheinungsbild der Florastraße und des Stadtteils ein wertvolles Zeugnis der bürgerlichen Architektur (Dekorationsformen: Betonung der Mittelachse durch erkerartige Wandvorlage, getragen von Konsolen aus gestuften Backsteinlagen, Abschluß durch schulterbogigen Ziergiebel, Rhythmisierung der Fassade durch unterschiedlich gestaltete Formate der Fensteröffnungen: breite Rundbogenfenster, paarweise zusammengefaßte rechteckige Rundbogenfenster, zu Dreiergruppen zusammengefaßte Fenster mit trapezförmigem Abschluß, profilierte Rundstabziegel, Sohlbänke mit Mäandermotiv, im 2. Obergeschoß eingestellte Säulen aus Sandstein in den Fensterzwischenräumen (Basis, Säule mit Entasis, Kapitell), Fassadenfliesen in Schachbrettmuster blau/weiß in den Fensterbrüstungen des 3. Obergeschosses, reiche plastische Ausbildung des Dachgesimses, diagonal gestellte Wappenschilde im Ziergiebel). Es bildet neben anderen auf vergleichbar breiten Parzellen stehenden Gebäuden der Zeile ein Ensemble gründerzeitlicher Architektur von gestalterisch aufeinander bezogenen Einheiten. Die Dekoration in Anlehnung an Formen der Gotik in Backstein ist innerhalb des Spektrums der historistischen Architektursprache eine nicht häufig anzutreffende Variante, die im Falle des Objektes Florastraße 88 in auffallend wenig veränderter Form erhalten ist.

Das Gebäude an der Florastraße dokumentiert einen für die Geschichte des Stadtteils Nippes zu Beginn des 20. Jahrhunderts interessanten Aspekt der städtebaulichen Planung am einzelnen Objekt: Das Haus zeigt im gesamten Erdgeschoß eine ungewöhnliche Raumhöhe in Treppenhaus, Wohnung und Ladenlokal von 5,50 Meter (in Wohnung und Ladenlokal nachträglich abgehängte Decken). Auch beim Nachbarhaus Nr. 86 fällt dieses Raummaß, das an den straßenseitigen Fassaden beider Häuser durch besonders hohe Oberlichter der Eingänge und hoch gelegene Erdgeschoßfenster ablesbar ist, auf. An der rückwärtigen Fassade des Hauses Nr. 88 erscheinen über den segmentbogig gemauerten Fensterbögen weitere, gleichgestaltete Blendbögen in den Fensterachsen, die 6-8 Ziegellagen über den Erdgeschoßfensteröffnungen angebracht wurden. Diese dem Erdgeschoß eigentümliche Gestaltung ist im Zusammenhang mit, und als direkte Konsequenz der um die Jahrhundertwende erwogenen späteren Aufschüttung der Senke in diesem Bereich der Nippeser Florastraße zu sehen. Für eine eventuelle Anhebung des Straßenniveaus um ca. einen Meter wurde bereits beim Bau des Hauses Variabilität hinsichtlich dieser Veränderung eingeplant. Die Planung hätte ermöglicht, die rückseitigen Fenster in der Höhe anpassen zu können, bzw. um die einheitliche Gestaltung der straßenseitigen Schaufassade nicht zu stören, dort, bei einer Aufschüttung lediglich mit der Änderung im Oberlichtbereich eine Straßeniveauanpassung des Hauseingangs einzurichten. Dieser, auf topographische Gegebenheiten im Stadtteil Nippes wie auch auf eine Variante städtebaulicher Planung zu Beginn des Jahrhunderts verweisende ehemalige Planungsprozeß, den das Haus Nr. 88 dokumentiert, ist von hoher stadtgeschichtlicher Bedeutung. Der stadtbaugeschichtliche Aspekt sowohl, wie die ausgewogen in der Breite gestaltete Backsteinfassade und die weitgehende Erhaltung der Interieurs begründen die Schutzwürdigkeit der Architektur. Das Gebäude Florastraße 88 ist ein wertvolles und unverzichtbares Denkmal des städtischen Bauens in Köln.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0