Wohnhaus

Gellertstraße 34 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7561
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gellertstraße 34, 50733 Köln
Baujahr1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.08.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut 1900 (inschr. dat.), rechteckiger Grundriß, 3 Geschosse (Satteldach), Dach und Dachansatzzone verändert, Stuckfassade in Formen des Barock, 3 Achsen, Risalit auf rechteckigem Grundriß in der Mittelachse, Hauseingang links, Fenster mit segmentbogigen und geraden Abschlüssen, breites Erdgeschoßfenster mit korbbogigem Abschluß, Erkerfenster paarweise zusammengefaßt, Haustür und alle straßenseitigen Fenster erneuert (aufgeklebte Sprossenteilung).

Straßenseitig: kleiner Ziergarten mit originaler Einfriedung, gemauerte und verputzte Pfeiler, Hecke.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließt den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen.

Die Neusser Straße - eine urspr. römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und der Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Gellertstraße (ehemals Neue Schulstraße und Mühlenstraße), verbindet die Niehler- mit der Neusser Straße. 1877 angelegt führte sie zunächst von der Niehler Straße nur bis zur Eichstraße; erst 1896 erfolgte die Verlängerung zur Neusser Straße hin. Die Gellertstraße gehört mit der Flora-, Kuen- und Eichstraße zu den frühen Straßenerschließungen in der für diesen Stadtteil entscheidenden Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs (1880/90 bis 1910). Sie verbindet den südlichen, älteren Stadtteil mit jüngeren Ansiedlungsflächen. In den letzten Jahren des Jahrhunderts wurden die Gellert-, Kuen- und Schenkendorfstraße systematisch erschlossen und um die Jahrhundertwende bis ca. 1905 in relativ kurzer Zeit mit anspruchsvollen, städtisch geprägten Wohn- und Mietwohnhäusern bebaut. In rascher Folge entstanden hier in diesen Jahren dreigeschossige Wohnhäuser, deren reich dekorierte Fassaden mit Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in Formen der Gotik, Renaissance und des Barock und verschiedener Varianten des Jugendstils diesem neuen Abschnitt der Straße sein charakteristisches, historistisches Erscheinungsbild geben.

Das Haus Gellertstraße Nr. 34 ist zusammen mit seinen in Proportion, Geschoßzahl und Fassadendekoration gleich gestalteten Nachbarhäusern 36 - 42 und den gegenüberliegenden Nrn. 25 - 29 und 39 - 41 sowie einigen weiteren annähernd im Originalzustand erhaltenen Gebäuden ein wichtiges Zeugnis der Erstbebauung in einem der neuen Straßenzüge des bürgerlichen Nippes der Jahrhundertwende (Schhmuckformen: Mittelbetonung der Fassade durch Risalit, Fugenschnitt im Erdgeschoß, Stockwerkgesimse, durchlaufende und verkröpfte Sohlbänke, sehr aufwendige, plastisch durchbildete Fensterverdachungen im 1. Obergeschoß: barockisierende, geschwungene und reich profilierte und am Risalit verkröpfte Bogenformen, in den Bogenfeldern Einschluß von Kartuschen mit Wappenschilden, im 2. Obergeschoß Bekrönung der profilierten Fensterrahmung durch volutenförmige Keilsteine). Aus städtebaulichen Gründen ist das o. g. Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit weiteren erhaltenen Gebäuden der Entstehungsjahre 1898 bis 1905 eine Fassadenreihe von Häusern des Historismus bildet. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Gellertstraße eine Abfolge nachempfundener Epochenstile, deren aufwendige Dekorationen sich im Inneren, besonders in den Entrées und Treppenhäusern zahlreicher Häuser fortsetzt. Die sich noch heute darstellenden hohen Ansprüche an repräsentative Wohnformen lassen erkennen, daß sich in der Gellertstraße eine etablierte Bauherrenschaft Wohnhäuser zur eigenen Nutzung errichtete.

Dieser Aspekt des Bauens im Stadtteil Nippes ist am Gebäude Gellertstr. 34 und seinen Nachbarn nachvollziehbar. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, insbesondere der für den Stadtteil Nippes selten aufwendigen straßenseitigen Fassade, die, an architektonische Hoheitsformen anknüpfende, antikisch gefärbte und, der restaurativen Gestaltungssprache des Neobarock sich bedienende Dekoration zeigt, ist das Gebäude für das Ensemble der Stadtarchitektur in Nippes von hoher Bedeutung und unverzichtbarer Bestandteil der Wohnbebauung.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0