Wohnhaus
Nordstraße 20 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7463 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Nordstraße 20, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.04.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1900, Vorderhaus mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 2 Dachgaupen in den Achsen, Stuckfassade in Formen des Klassizismus, 3 Achsen, Erker auf polygonalem Grundriß und Dachaufbau in der linken Achse. Eingang rechte Achse, Fenster mit geradem oberen Abschluß, originale Haustür in Holz mit schmiedeeisernem Gitter , alle straßenseitigen Fenster erneuert.
Rückseite: Backstein, segmentbogig abschließende Fenster, alle Fenster erneuert. Im Innern original erhalten: Vestibul: mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordüre, fünfstufige Treppe aus Naturstein, Stuckdecke, Durchgang zum Treppenhaus mit reich stuckierten Konsolen, Holztreppe, Antrittspfosten, Podeste mit Holzdielenboden, die Decken über den Podesten reich stuckiert, originale Keller- und Hoftür. In den Wohnungen: Holzdielenböden, z. T. originale Gewände und Türen, in den Wohnungen reiche Stuckdecken in den meisten Räumen einschließlich der Flure und der Räume des Seitenflügels.
Keller mit Kappendecke. Der rückwärtige Garten mit originaler Mauer in Backstein zum Nachbargrundstück ist Bestandteil des Denkmals.
Das Gebäude Nordstr. 20 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlilchen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße gelegen. In der Zeit um die Jahrhundertwende und bis 1910 wurde die Nordstraße, wie auch benachbart gelegene Straßen (Blücher-, Waterloo- und Scharnhorststraße) systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. Diese gruppieren sich um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechteckige Grünanlage Leipziger Platz. Anlage und Erstbebauung der Nordstraße als auch des Platzes sind in einem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Er entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit einer relativen Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industriestandortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes. Die Nordstraße schuf neben der Blücherstraße eine Verbindung der Neusser- mit der Niehler Straße. Trotz zahlreicher Verluste an historischer Substanz und späterer Neubauten zeigt die Straße erhaltene Zeilen von dreigeschossigen und drei bis vier Achsen breiten Miethäusern mit dem für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristischen Erscheinungsbild historistisch-variantenreich dekorierter Fassaden. Das Haus Nr. 20 zeigt - wie die benachbart gelegenen Gebäude Nr. 18 und 22 - hochgelegene Kellergeschosse und in den gesamten Erdgeschoßbereichen ungewöhnlich hohe Räume in Treppenhaus und Wohnungen. Eine Treppe erschließt von der Straße das Haus, eine weitere mehrstufige Treppe führt vom Vestibül zum Treppenhaus. Die Senke in diesem Bereich der Nippeser Nordstraße und benachbarter Straßen ist hier Ursache für die städtebaulich-gestaltbildene Erscheinung der großzügig dimensionierten Entrées und Wohnungen.
In der Proportionierung, Axialität und Fassadengestaltung schließt das Gebäude an die in der benachbart gelegenen Yorckstraße bis hin zum Leipziger Platz anstehende gehobene Mietwohnarchitektur an und ist Teil des Ensembles vorwiegend historistischer Architektur in diesem Wohnbereich (Schmuckformen: bossierter Sockelbereich, Fugenschnitt im Erdgeschoß, im 2. Obergeschoß profilierte und konsolgetragene waagrechte Fensterverdachungen mit Girlandenschmuck, im 2. Obergeschoß Fensterbekrönungen mit gerahmten Rocailleformen, profiliertes Dachgesims, Zwerchgiebel mit reich profiliertem Bogen, Dachgaupen unter profilierten Halbrundverdachungen mit Keilstein. Das Haus Nordstraße 20 ist mit weiteren Gebäuden der Straße (Nrn. 14 - 24) Teil der Ensemblebebauung im nördlichen Nippes. Aufgrund der weitgehend erhaltenen Originalsubstanz, insbesondere der im Stadtteil Nippes seltenen, aufwendigen Interieurs und der reich gestalteten Fassade, ist Gebäude ein unverzichtbares Dokument und als Baudenkmal erhaltenswert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0