Wohnhaus
Nordstraße 12 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4688 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Nordstraße 12, 50733 Köln |
| Baujahr | 1880 bis 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 20.07.1988 |
| Stadtteil | Nippes |
Das Wohnhaus wurde um 1880/90 erstellt. Baukünstlerisch bewahrt das niedrige, 2-geschossige und langgestreckte (5 Achsen) Bauobjekt, in seiner äußeren Erscheinung wie im Inneren, die deutlich ablesbaren Spuren des Kölner Spätklassizismus. Auf einem relativ hohen Sockel, der jetzt mit einer Klinkerschicht belegt ist, entfaltet sich die im Erdgeschoß mit Fugenschnitten rustizierte und im 1. Stockwerk mit Ziegeln verkleidete zweiteilige Fassade. Die mit Muschelfüllung geschmückten Archivolten auf Konsolen, die Fensterrahmung und die geometrischen Verzierungen der Brüstungsfelder sowie die markante Zahnschnittleiste als Andeutung des fehlenden Kranzgesimses sind klar stilistisch zu deuten und verleihen der Fassade einen glücklichen harmonischen Klang. Die zweiteiligen hohen Schnitztüren, die an die Ornamentik der Stuckgliederungen der Fassade anschließen, dienen sowohl als Eingang wie zur Einfahrt zum Garten und Hof und wiederholen sich in etwas vereinfachter Form an der Rückfront. Sieben Stufen mit Marmorplattenauflage und originale Eingangstüre mit Messinghandläufen führen in den Hausflur mit gemusterten Fliesen.
Die Hinterfassade aus Backstein besitzt einen einstöckigen Erkeraufbau mit Balonaufsatz. Die Holztreppe im Innern ist durch ein Geländer mit gedrechselten Stäben begleitet. In den Wohnungen ist der Holzlattenboden erhalten geblieben. Die Wände und Decken sind sparsam mit Stuckeinschnitten aus der Erstbebauungszeit dekoriert. Auch die profilierten Zimmertüren deuten auf dieselbe stilistische Situation hin.
Ortsgeschichtlich ist das o. g. Gebäude wichtig, weil es die Erstbebauung des nördlichen Vororts von Köln belegt und die Entstehungsgeschichte einer der schönsten Anlagen von Nippes anschaulich macht. Das ehemalige Bauerndorf vor den Toren Kölns, berühmt durch sein Korn, seinen Kappes und sein Bier, erlebte in der Mitte der 70er Jahre des 19. Jarhhunderts den großen Durchbruch als günstiger Industriestandort, verkehrstechnisch erschlossen, mit billigem Bauland, ohne Beeinträchtgigung durch vorhandene Bebauungspläne. Während die allgemeine Bevölkerungszahl in der Zeit von 1817 bis 1855 um 120% zugenommen hatte, wuchs die von Nippes lediglich um 33%. Nach der Eingemeindung 1888 zog der Bau von neuen Straßen, Schulen, Abwasserkanälen und Wasserleitungen auch neue Investoren an. Die Bevölkerungsentwicklung hat sich im Laufe von zwanzig Jahren mehr als verdoppelt (1890: 16.210, 1900: 27.054, 1910: 41.162). Die Nordstraße, die Verbindungsachse zwischen zwei wichtigen Ausfahrtswegen aus dem Zentrum, der Neusser und der Niehler Straße, ist systematisch bebaut, besonders an der Südseite, mit Belegen der gutbürgerlichen Architektur aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und der Jahrhundertwende.
Städtebaulich kontrastiert das niedrige und im Grunde bescheidene Wohnhaus mit den voll ausgebauten 3-geschossigen Fassaden mit Giebeln, die die unmittelbare Umgebung des bescheidenen Hauses kennzeichnen (neben Nordstr. 14 z. B. die Hausnummern 18, 20 - 22, 24, usw.). Die additiv aneinandergereihte Einzelbauweise bildet ein zusammenhängendes Straßenbild, das durch erlebnisreiche Vielfalt das Wohnen begünstigt und die Integration der historischen Überlieferungen von Nippes ermöglicht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0