Wohn- u. Geschäftshaus
Schillstraße 11 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7551 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Schillstraße 11, 50733 Köln |
| Baujahr | 1905 bis 1906 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.08.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut 1905/06, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach (in Teilen neue Schieferdeckung), 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, hoher Ziergiebel in der rechten Achse, Erdgeschoß verändert, Eingang rechts, Ladenlokal, Fenster der rechten Achse in den Obergeschossen paarweise zusammengefaßt, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster sowie die Haustür erneuert.
Rückseite: Backstein, Vorderhaus einachsig, Seitenflügel vierachsig, risalitartiger Vorbau, ausgeprägtes gestaffeltes Dachgesims, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert.
Im Innern original erhalten: Terrazzotreppe, Geländer in Gußeisen, Handlauf Holz (z. T. ausgebessert in Metall), Reste von Bodenfliesen vor dem Eingang zum Keller). In den Wohnungen Holzdielenboden.
Originale Einfriedungsmauer um den rückwärtigen Hof in Backstein. Die ebenerdige Hoffläche unterkellert.
Eingeschossiger Anbau im Hof ist nicht Teil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene, drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße, gelegene Schillstraße wurde n der Zeit von 1900 bis 1907, wie auch benachbart gelegene Straßen (Blücher-, Waterloostraße) systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Mietwohnhäuser erschlossen. Der Straßenzug bildet die südliche Begrenzung des langgestreckten, in Nord-Süd-Richtung gelegenen Erzberger Platzes. Anlage und Erstbebauung der Schillstraße als auch des Erzberger Platzes sind in einem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Er entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit einer relativen Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industriestandortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabender Schichten des Mittelstandes. Die Schillstraße, angelegt als Verlängerung der Achse Blücherstraße westlich der Neusser Straße, schuf die Anbindung des neuen Viertels um den Leipziger Platz an die Mauenheimer Straße. Bereits Ende 1907 war die linke Seite der Schillstraße - im Gegensatz zur unmittelbaren Platzbebauung mit flächig gehaltenen platzseitigen Häuserfronten ohne Vorbauten komplett bebaut, während die Häuserzeile, die auf der rechten Straßenseite die südliche Schmalseite der Grünanlage Erzberger Platz flankieren, erst um 1914 vollendet wurde. Die Platzfront, die die Schillstraße mit insgesamt zurückhaltend gestalteten Fassaden bildet, korrespondiert mit der vis-à-vis gelegenen nördlichen Platzseite mit einfach gestalteter Wohnblockbebauung und bildet so ein Pendant zu den aufwendig dekorierten Längsseiten des Platzes. Paarweise gruppierte zweiachsige Wohnhäuser mit rhythmisch aufeinander abgestimmten hohen Ziergiebeln schließen den Platz nach Süden hin ab. Die Häuser Nrn. 3 - 13 dokumentieren eine geschlossene Zeile der erhalten gebliebenen Erstbebauung. Trotz mancher Verluste historischer Substanz zeigt die Straße ein für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende charakteristisches - vom Jugendstil beeinflußtes historistisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden drei- bis viergeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Das Haus Nr. 11 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs: dezente Stuckierung in Ornamenten eines barockisierenden Jugendstils, Fugenschnitt, hoher Ziergiebel mit mehrteiliger Bogenverdachung und paarweise zusammengefaßten Fenstern, Rahmung der Brüstungen, Fenster und Verdachungen durch aufgelegte flache Stucklagen mit Jugendstildekor, Traufgesims setzen Akzente. Eine Aufwertung erfuhr das Platzensemble in jüngster Zeit durch das wiederhergestellte zentrale Rosenbeet innerhalb der auf eine Mittelbetonung bezogenen geometrisch gestalteten Grünanlage.
Das Gebäude Schillstr. 11 ist als Zeugnis für die reiche Nippeser Stadtarchitektur im frühen 20. Jahrhundert ein wichtiges und unverzichtbares Beispiel.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0