Wohnhaus

Waldhausstraße 35 · Dellbrück

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7552
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Waldhausstraße 35, 51069 Köln
Baujahr1930 bis 1931
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.08.1995
Stadtteil Dellbrück

1930/31 erbaut; Architekt: Ludwig Albert; 2 Geschosse; Flachdach; Backsteinfassade; äußere Gestalt wird durch den straßenseitigen Rundbau und den seitlich weit ausladenden, ebenfalls rund abschließenden Balkon geprägt; der Rundbau wird in beiden Geschossen durch sechsteilige Fensterreihen zum Garten hin geöffnet; weiß gefaßte Betonstützen gliedern den Fensterbereich; der zurückliegende Querriegel öffnet sich zur Gartenseite im EG mittels eines kleinen vierteiligen Fensters im Terrassenbereich (Zugang vom Rundbau aus) und im OG über eine Balkontür; der seitliche Eingang liegt unterhalb des rund abschließenden Balkons und wird von zwei Rundfenstern mit diagonalen Gitterstäben flankiert; Balkon wird zur Terrasse durch eine sich nach unten verjüngende Mauerzunge abgestützt; rückwärtig drei durch die innere Funktion bestimmte Achsen; Kellerabgang mit originalem Geländer; originale Haustür; sämtliche Fenster mit Ausnahme des Terrassenfensters erneuert; Balkongeländer getreu der Originalform erneuert; Innen original erhalten: Flurtür, WCTür, alle Türen im OG incl. Beschläge, Schiebetür zwischen Ess- und Wohnraum, Fußböden (Parkett bzw. Fliesen); Bad mit Ausstattung; hölzerne Treppenanlage; Radiatoren; Grundriß; zum Denkmal gehört die das Haus umgebende Gartenanlage; nicht zum Denkmal gehörig: rückwärtiger Anbau und daran anschließende Garage.

Der heutige Ortsbereich Dellbrück entstand erst 1905 durch Zusammenlegung der Dörfer Thurn, Strunden, Hagedorn und Alt Dellbrück und wurde 1914 nach Köln eingemeindet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchsen die einzelnen Ortschaften mehr und mehr zusammen und der Ort begann sich unter dem Einfluß der verkehrsmäßigen Anbindung an Köln durch Eisen- und Straßenbahnlinien zu entwickeln. Der Bergisch Gladbacher Straße als Ost-West-Verbindung kam dabei besondere Bedeutung zu. Die ehemalige Land- und Heerstraße war 1842 durch den Freiherrn von Fürstenberg ausgebaut worden. Am östlichen Ende dieser Straße entstand im Bereich von Thielenbruch, einem ursprünglich sumpfig-moorigen Waldgebiet, seit der Jahrhundertwende ein Wohnviertel für die gehobenen Ansprüche wohlhabender Bürger, das sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu einem rechtsrheinischen Villenvorort Kölns entwickelte, der dem linksrheinischen Marienburg vergleichbar ist. Gefördert durch die Eingemeindung Dellbrücks nach Köln im Jahre 1914 entwickelte sich das weiträumig angelegte und durchgrünte Villenviertel Thielenbruch zu einem heute noch weitestgehend geschlossen erhaltenen Viertel besonderer Wohnqualität, das die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Entstehungszeit spiegelt und das Bedürfnis der damaligen Stadtbevölkerung nach zurückgezogenem Wohnen im Grünen in städtischer Randlage veranschaulicht.

Das 1930/31 von dem bekannten Architekten BDA Ludwig Albert (1895 - 1966) für J. Höntgesberg erbaute Haus in der Waldhausstr. 35 stellt sowohl im Schaffen des Architekten als auch in der Bebauungsgeschichte Thielenbruchs einen wichtigen Entwicklungsschritt dar. Hatte der seit 1925 selbständige Architekt sich in seinen früheren Bauten (z. B. Waldhausstr. 9/11) ganz deutlich an einer expressionistischen Architektursprache orientiert, so zeigt sich bei dem o. g. Objekt eine unmittelbare Auseinandersetzung mit der Formensprache des "Neuen Bauens". Der Rundbau des Wohnraumes, der rund ausschwingende, weit ausladende Balkon und dazu als Pendant im EG die Terrasse belegen diese Rezeption ebenso wie das flache Dach und der Kontrast zwischen dynamisch gerundeter Ecke und dem statisch wirkenden Kubus des Quertraktes. Als Mitglied des Deutschen Werkbundes verzichtete Albert auf ein Verputzen des Baukörpers, wie es die Anhänger des "Internationalen Stils" taten, da der Backstein die Vorstellungen des Deutschen Werkbundes von der "Ehrlichkeit" des Materials und der Rückkehr zum handwerklichen Schaffen erfüllte. Außer der progressiven Formensprache, die allein den Bau schon zu einem Blickfang macht, rückte Albert den Bau relativ weit in die Tiefe des Grundstückes. Durch diese Öffnung des Straßenraumes wird das Blickfeld erweitert und der Bau gewissermaßen präsentiert. Diese räumlichen Bezüge weisen auf die Bedeutung der Gartenanlage hin, die das Gebäude einrahmt und sowohl dessen Wirkung mitbestimmt als auch charakteristisch für das gesamte Viertel ist und somit zum integralen Bestandteil des Denkmals wird.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0