Wohn- u. Geschäftshaus

Kuenstraße 7 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7564
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Kuenstraße 7, 50733 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.08.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1905, Eckhaus zur Eichstraße, auf winkelförmiger Grundfläche, 4 Geschosse, Satteldach, bzw. dreigeschossiger einachsiger Annexbau zur Eichstraße, der als selbständiges Gebäude erscheint und ein eigenes Mansardgiebeldach und ausgebautes Dachgeschoß aufweist, 4:1:3+1 Achsen, Ziergiebel an der einachsigen abgeschrägten Ecke, Stuckfassade mit Gliederungen in Formen des Jugendstils, linke Achse Eichstraße Blendfenster in den Obergeschossen, die stuckiert geschlossene Jalousien vorgeben. Eingang zur Kuenstraße (rechte mittlere Achse). Eingang zum Ladenlokal an der abgeschrägten Ecke (historische, verglaste Doppelflügeltür mit Oberlicht stammt laut Auskunft das Eigentümers von Moltkestraße 31, Hinterhaus), alle straßenseitigen Öffnungen mit geradem oberen Abschluß, Haustür und alle Fenster (Kunststoff) erneuert, gußeiserne Sohlbankbrüstungen original. Rückseite: Backstein, dreiachsig, Rückseite des Flügels zur Eichstraße Backstein, verputzt und vollkommen geschlossen, rückwärtig gelegene Fenster des Gebäudes zur Kuenstraße segmentbogig schließend (kleine Toilettenfenster z. T. geschlossen), alle Fenster exklusive der z. T. erhaltenen Treppenhausfenster erneuert. Im Innern original erhalten: Vestibül: Terrazzobodenbelag mit Bordüre, Treppenhaus: Terrazzotreppe, gußeisernes , an den Podesten geschwungenes Geländer, Handlauf in Holz, Podeste in Terrazzo mit Bordüre. In den Wohnungen: Holzdielenböden.

Rückwärtiger Hofbereich mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und der Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler- und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895 - 1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Vor allem aus städtebaulichen Gründen ist das o. g. Objekt schützenswert, da es sowohl als markante Eckgestaltung als auch als Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Gebäuden Nrn. 9 - 29 und 20 - 40 eine fast ununterbrochene Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus bildet und innerhalb des Ensembles unverzichtbar ist. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Kuenstraße eine Abfolge verschiedener Stilrichtungen mit Mittelbetonung durch Ziergiebel oder Erker. Das Gebäude Kuenstr. 7 veranschaulicht mit dem gegenüberliegenden Eckhaus (Nr. 9) und weiteren Eckbebauungen im Kreuzungsbereich Kuen-/Eichstraße das ursprüngliche Erscheinungsbild, wobei hier - wie so oft bei der Eckbereichsbebauung - besonders ausgeprägte Lösungen hervorgebracht werden. Zur Straßenecke erscheint das Haus als symmetrisch gestaltete Anlage mit einem anschließenden, deutlich abgesetzten, dennoch eine gleichförmige Gestaltung zeigenden einachsigen Annexbau zur Eichstraße. Dieser Bauteil, der die Fassadendekoration des Eckgebäudes fortführt, leitet über zur anschließend anstehenden Zeilenbebauung (Schmuckformen: Erdgeschoß Fugenschnitt, Stockwerkgesims, Fensterverdachungen in Karniesbogenform bzw. Variation des Segmentbogens, die abgeschrägte Ecke sowie die Gebäudekanten von Bossenquaderimitation eingefaßt, Bogenfelder mit Keilstein und Muschelmotiv, hoher, das Traufgesims brechender Ziergiebel an der abgeschrägten Ecke, konsolgetragene fialartige Aufsätze an der Ziergiebelfassade, phantastische Jugendstildetailformen). Der Bautyp wiederholt sich in den umstehenden Eckhäusern in geringen Variationen, wodurch die städtebauliche Bedeutung des Einzelbaus innerhalb des Ensembles besonders deutlich hervortritt. Das Gebäude Kuenstr. 7 ist bedeutendes Dokument der Stadtarchitektur in Nippes und als Baudenkmal unbedingt erhaltenswert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0