Wohn- u. Geschäftshaus

Kuenstraße 9 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7613
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Kuenstraße 9, 50733 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 21.08.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1905, Eckhaus zur Eichstraße, auf winkelförmiger Grundfläche, 4 Geschosse bzw. dreigeschossiger zweiachsiger Bauteil zur Eichstraße, Satteldach, 4:1:6 Achsen, Ziergiebel an der abgeschrägten einachsigen Ecke, Stuckfassade mit Gliederungen in Formen der Neugotik, rechte Achse zur Eichstraße Blendfenster in den Obergeschossen. Eingang zur Kuenstraße (linke mittlere Achse). Eingang zum Ladenlokal an der abgeschrägten Ecke, verglaste Doppelflügeltür mit Oberlicht und rundbogigem oberen Abschluß (Eingang erneuert), straßenseitige Öffnungen im Erdgeschoß mit geraden, im 1. und 2. Obergeschoß flach segmentbogigen und im 3. Obergeschoß mit rundbogigem oberen Abschluß. Haustür sowie alle straßenseitigen Fenster erneuert. (Kunststoff). Rückseite: Backstein, zur Kuenstraße dreiachsig, Rückseite des Flügels zur Eichstraße vollkommen geschlossen bzw. zwei Fenster im Dachgeschoß, alle rückwärtig gelegenen Fenster segmentbogig abschließend, alle Fenster ausgenommen der originalen Treppenhausfenster sowie der Hoftür erneuert. Im Innern original erhalten: Vestibül: mehrfarbige Bodenfliesen, reicher Wand- und Deckenstuck, kassetierte Wandfelder, Durchgang zum Treppenhaus mit Stuckkonsolen, Terrazzotreppe gußeisernes, an den Podesten geschwungenes Geländer, Handlauf in Holz, Podeste belegt mit zweifarbigen Bodenfliesen mit Bordure. Originale Wohnungseingangstüren in Holz mit Oberlicht. In den Wohnungen: Holzdielenböden, originale Gewände und Türen (im Dachgeschoß erneuert), in den straßenseitigen Räumen der Obergeschosse reiche, individuell gestaltete Stuckdecken.

Keller mit Kappenwölbung.

Rückwärtiger Hofbereich mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein.

Ein eingeschossiger Anbau im Hof (Toilettengebäude der Gaststätte) ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler- und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895 - 1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Vor allem aus städtebaulichen Gründen ist das genannte Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Gebäuden Nrn. 7 - 29 und 20 - 40 eine fast ununterbrochene Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus bildet und innerhalb des Ensembles unverzichtbar ist. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Kuenstraße eine Abfolge verschiedener Stilrichtungen mit Mittelbetonung durch Ziergiebel oder Erker. Das Gebäude Kuenstr. 9 veranschaulicht mit dem gegenüberliegenden Eckhaus (Nr. 7) und weiteren Eckbebauungen im Kreuzungsbereich Kuen-/Eichstraße das ursprüngliche Erscheinungsbild, wobei hier - wie so oft bei der Eckbereichsbebauung - besonders ausgeprägte Lösungen hervorgebracht werden. Zur Straßenecke erscheint das Haus als gleichförmig gestaltete Anlage mit einem anschließenden, deutlich abgesetzten, dennoch eine gleichförmige Gestaltung zeigenden zweiachsigen Bauabschnitt zur Eichstraße. Dieser Bauteil, der die Fassadendekoration des Eckgebäudes fortführt, leitet über zur anschließend anstehenden, überwiegend dreigeschossigen Zeilenbebauung. Der untiefe und rückwärtig weitgehend geschlossene Annexbau ist charakteristisch für die Eckbereichsbebauung, da durch diese Lösung eine zu enge und licht- und luftarme Hinterhofsituation durch in unmittelbarer Nähe anstehende rückwärtige Seitenflügel der Nachbarbebauung vermieden wird. Das Gebäude Kuenstr. 9 zeigt eine sehr aufwendige Dekoration der Fassaden (Schmuckformen: Fugenschnitt, Stockwerkgesimse, Belétage: individuell gestaltete Fensterverdachungen. Rechter Gebäudeabschluß als Wandvorlage in den Obergeschossen, Dreieckgiebelbekrönung, im Bogenfeld Muschelmotiv. Verdachungen in Formen des Dreipaß, in den Bogenfeldern Blattwerkschmuck. Im 3. Obergeschoß Maßwerk als Blendarkadenstellung von Konsolen getragen, leitet über zum Traufgesims, in den Zwickeln floral-ornamentaler Schmuck. Fensterverdachung an abgeschrägter Ecke (3. Obergeschoß) mit aufwendiger Maßwerkgestaltung in Form eines fialbekrönten Kleeblattbogens. Fenster im 2. Obergeschoß mit flacher Verdachung in Form des Eselsrückens. Innere Achse (zur Eichstraße hin) mit Blendfenstern in den Obergeschossen. An der abgeschrägten Ecke ein, das Traufgesims brechender Ziergiebel mit Variation des Kleeblattbogens. Äußere Achse zur Eichstraße: im abschließenden Geschoß uneinheitliche geschoßweise Gliederung der Fassade). Der Bautyp wiederholt sich in den umstehenden Eckhäusern (Nrn. 7, 18, 20) in geringen Variationen, wodurch die städtebauliche Bedeutung des Einzelbaus innerhalb des Ensembles besonders deutlich hervortritt. Die weitgehende Erhaltung großer Teile des Originalzustands und die sehr aufwendige Gestaltung der Interieurs, der Entrée mit verschiedenartigen Materialien und aufeinander abgestimmter Farbenwirkung, des Treppenhauses und der Wohnbereiche mit kostbaren Stuckdecken deutet auf eine repräsentationsbewußte Bauherren- und Bewohnershaft. Die an architektonische Hoheitsformen anknüpfenden, der restaurativen Gestaltungssprache der Neogotik sich bedienende Dekorationen unterstreichen die Bedeutung des Gebäudes für den Ensembelbereich in Nippes. Das Gebäude Kuenstr. 9 ist ein bedeutendes Dokument der Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt erhaltenswert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0