Wohnhaus

Blumenthalstraße 15 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7623
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Blumenthalstraße 15, 50670 Köln
Baujahrum 1908
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 30.08.1995
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1908, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Mittelrisalit auf rechteckiger Grundfläche mit abschließendem Balkon (ursprünglich Ziergiebel in Fortführung der Risalitachse), Stuckfassade in Formen des Neuklassizismus, Jugendstilformen, straßenseitig Kellergarage links, Eingang rechts mit geradem oberen Abschluß, Haustür mit Oberlicht erneuert (1953), Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster (Holz) erneuert. Rückseite: Backstein, verputzt, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel fünfachsig, alle rückwärtigen Fenster 1952 und später erneuert (Kunststoff, zum Teil Einscheibenfenster), Oberlichter zugemauert, zu Vollgeschoß ausgebautes Dach rückwärtig. Das Dach/Dachgeschoß des Seitenflügels wurde nach Kriegszerstörung nicht wieder aufgebaut (die tragenden Wände des ehemaligen Dachgeschosses wurden belassen). Im Innern original erhalten: Vestibül: Terrazzobodenbelag mit Bordure und Mittelbetonung, Reste von Deckenstuck, Treppenhaus: im Erdgeschoß Terrazzoboden mit Bordüre, Terrazzotreppe (zum Teil neuer Terrazzobelag), Geländer und Handlauf erneuert, Podeste mit Terrazzo belegt, Wohnungseingangstüren erneuert. In den Wohnungen: Grundrisse in Teilen verändert, alle Böden erneuert (PVC, Kunststein, Parkett, Solnhofer Platten), im 1. Obergeschoß Deckenstuck in den Wohnräumen.

Rückwärtiger Ziergarten mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.

Der straßenseitige Ziergarten mit erneuerter Einfriedung (niedrige verputzte Mauer, gemauerte und verputzte Pfeiler mit Deckplatte, Hecke) ist Bestandteil des Denkmals.

Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler- und Neusser Straße das sogenannte "Gerichtsviertel" um den Palast des Oberlandesgerichts, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nordöstlich des Ebertplatzes das ehemalige Villenviertel am nördlichen Rheinufer. Der sich nach Süden anschließende, an der markanten Grenze zwischen nördlicher Alt- und Neustadt in Richtung zur Kölner Altstadt verlaufende Abschnitt weist die Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die Blumenthalstraße in Ost-West-Erstreckung vom Neusser Platz mit der Agneskirche bis zu Riehler Platz und -Straße und südlich der Grünanlagen um das Fort X gelegen, wurde im wesentlichen in den Jahren 1900 - 1912 mit Großmiethäusern von repräsentativem Gepräge bebaut. Das Haus Nr. 15 ist integraler Bestandteil der in Teil geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung auf breiten Parzellen, die das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße mit rhythmisch angeordneten Fassaden, die Mittelrisalite und -erker mit Dachaufbauten einschließen, und zu denen straßenseitig und im rückwärtigen Bereich Ziergärten gehören, bewahrt. Das Gebäude stellt eine großstädtische Variante des Kölner Mietwohnhauses mit rückwärtigem Seitenflügel dar. Es dokumentiert die in den Jahren um die Jahrhundertwende vollzogene planmäßige Bebauung der Blumenthalstraße und des angrenzenden Wohnquartiers der Weißenburg-/Hülchrather Straße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893. Mit weiteren Gebäuden der Blumenthalstraße bildet das Haus ein städtebauliches Ensemble von hauptsächlich breitgelagerten Gebäuden in Formen des Neuklassizismus des Jugendstils und der historistischen Fassadendekoration verhafteten Bauten aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Dem vornehmen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit seiner repräsentativen und gestalterisch sehr aufwendigen Schaufassade (Schmuckformen: symmetrische Fassadengestaltung mit breitem Mittelrisalit, horizontaler Fugenschnitt, Stockwerkgesims, reiche Dekoration der Belétage mit Balustrade und ionischer Pilasterstellung, Fensterverdachungen im Risalit mit gebrochenem Dreieckgiebel, in den Seitenachsen Segmentbogenverdachung, in den Bogenfeldern volutenartige bzw. Muschelmotivdekoration). Aufgrund der weitgehenden Erhaltung der Schauseite mit ihren an bürgerliche Architekturformen anknüpfende Dekoration ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die Häuserzeile der Blumenthalstraße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden des Gerichtsviertels ein Ensemble zeitgenössischer Architektur (z. B. die Nrn. 5 - 31). Das Gebäude Blumenthalstr. 15 ist für das Erscheinungsbild der weitgehend geschlossen erhaltenen Bebauung im westlichen Teil des Straßenzuges und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur des frühen 20. Jahrhunderts ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0