Wohn- u. Geschäftshaus

Ehrenstraße 51 · Altstadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7624
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Ehrenstraße 51, 50672 Köln
Baujahrum 1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 30.08.1995
Stadtteil Altstadt/Nord

Erbaut um 1895, auf unregelmäßiger Grundfläche mit rückwärtigem Anbau, 4 Geschosse, Dachgeschoß verändert: nachträglicher Aufbau eines niedrigen Staffelgeschosses mit straßenseitigem Balkon, Flachdach, 3 Achsen, Backsteinfassade mit Gliederungen in Formen des Jugendstils, barockisierende Fassadendetails, Erdgeschoß Ladenlokal, verändert (Verkleidung mit Kunststeinplatten), Eingangsbereich mit Zugang zum Ladenlokal und zum Treppenhaus erneuert, Haustür (im Eingangsbereich des Ladenlokals) erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff ohne Teilung, Oberlichte). Rückseite: einachsig, verputzt, Hofbereich eingeschossig überbaut, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff). Im Inneren keine Originalsubstanz.

Keller mit Kappendecke, Tiefkeller.

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die in der Kölner Altstadt verheerende Verluste der historischen Baukultur zur Folge hatten, wurden weite Teile der gebauten Umwelt, insbesondere die die Altstadt prägende Architektur des späten 19. Jahrhunderts aufgegeben. Den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Nachkriegszeit entsprechend schuf man durch eine großzügige Planung ausgedehnte Freiflächen, die eine großräumige Gestaltung zur Folge hatte. Der Straßendurchbruch Nord-Süd-Fahrt mitten durch die Altstadt und seine architektonische Fassung führten weitgehend zu seiner Entwertung des historisch gewachsenen Stadtgrundrisses und zu großmaßstäblich geplanter Bebauung. Im Bereich zwischen den Verkehrsachsen Friesenwall und Apostelnstraße und im Winkel zum Hohenzollern-/Habsburgerring liegt die Ehrenstraße mit Wohn- und Mietwohnbebauung sowie gewerblicher Gebäudenutzung auf gewachsenen überkommenen kleinteiligen Parzellen mit relativ alter Bausubstanz sowie einer Vielzahl drei- bis viergeschossiger Nachkriegsneu- und Wiederaufbauten. Die Ehrenstraße im Kreuzungsbereich zwischen Ketten- und Alte Wallgasse, Pfeil- und Benesisstraße gelegen, weist im Gegensatz zu dem stark kriegszerstörten Straßenabschnitt im Bereich um den Friesenwall/Ring mit zahlreichen Gebäudeverlusten eine noch weitgehend intakte Zeilenbebauung des späten 19. Jahrhunderts auf. In diesem Ensemblebereich des 19. Jahrhunderts kommt dem Gebäude Ehrenstr. 51 mit einigen weiteren Gebäuden der Entstehungszeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besondere Bedeutung zu. Das für die Kölner Stadtarchitektur typische, rheinischer Bautradition verpflichtete dreiachsige schmale und hohe Gebäude mit rückwärtigem Grundstück und seitlichem Anbau weist aufwendig gestaltete, städtische Baukultur repräsentierende Schmuckformen in Stuck an der Schaufassade auf. Sowohl die zu Dreiergruppen zusammengefaßten Öffnungen als auch die geschoßweise variierten, plastisch vortretenden Stuckdekorationen in den Obergeschossen sind bei der Nr. 51, wie auch bei weiteren Nachbargebäuden in unverändertem Zustand überliefert (Nrn. 51-55). Die Mittelbetonung (sehr reiche, konsolgetragene Fensterverdachung im 2. Obergeschoß), die bei der Massenbauweise des Historismus nur an herausragenden Gebäuden Anwendung fand, ist Indiz für die gehobenen Wohnansprüche der Bauherren und Mieter (Schmuckformen: Fassung der Fassade durch geschoßweise Pilasterstellungen an den Gebäudekanten, profilierte Stockwerkgesimse, durchlaufende, gekröpfte Sohlbank, im 1. Obergeschoß gekehlte Fensterlaibungen, Volutenschußsteine, im 2. Obergeschoß korbbogige Blendnische mit eingestellter dreiteiliger Öffnung, reiche Dreieckgiebelverdachung in der Mittelachse, von Volutenkonsolen getragen, Zahnschnitt, Wappenschilde von Löwenhäuptern bekrönt, 3. Obergeschoß mit konsolgetragenem Traufgesims, Zahnschnitt, Schlußsteine mit Löwenhäuptern). Das Gebäude Ehrenstr. 51 auf schmaler Parzelle ist ein Zeugnis für die ursprüngliche Maßstäblichkeit der Altstadtbebauung und dokumentiert trotz weitgehender Verluste der Innengestaltung, überkommene Lebens- und Wohnformen in der historischen Altstadt Kölns. Für das Erscheinungsbild der traditionsreichen Geschäftsstraße und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft ist das Gebäude von hoher Bedeutung. Das Wohn- und Geschäftshaus ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der wertvollen Kölner Baukultur im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0