Wohn- u. Geschäftshaus

Heumarkt 73 · Altstadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7626
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Heumarkt 73, 50667 Köln
Baujahr1957, 1971
Architekt / PlanungP. Prevoo
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 30.08.1995
Stadtteil Altstadt/Nord

Erbaut 1957, Architekt: P. Prevoo, (Erdgeschoß, 1. + 2. Obergeschoß); Aufstockung: 1971 (3. + 4. Obergeschoß). Auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtig gelegenem Anbau, 5 Geschosse, ausgebautes zurückversetztes Dachgeschoß, Walmdach, schiefergedeckt, Putzfassade in Formen der zeitgenössischen Moderne, 3 Achsen, Eingang links, im Erdgeschoß Ladenlokal (verändert) mit separatem Eingang, Haustür verändert (mit Oberlicht in Metall), annähernd quadratische (rechteckige) Einscheibenfenster, verändert (Metall). Rückseite: verputzt, rechteckige Treppenhausfenster mit geradem oberen Abschluß, zum Teil zweiflüglige Holzfenster, zum Teil Einscheibenfenster in Metall. Im Innern original: Treppenhaus: Terrazzobodenplatten, Terrazzotreppe, Geländer in Metall mit Handlauf in Mipolam.

Das Martinsviertel, ehemals als "Rheinviertel" bezeichnet, entwickelte sich seit dem 11./12. Jahrhundert zu einem bedeutenden mittelalterlichen Handelsviertel im Bereich um die romanische Kirche Groß St. Martin. Die unmittelbare Nähe der hier errichteten Gebäude zum ehemaligen Hafengelände prägte das Erscheinungsbild der hohen Kaufmanns- und Stapelhäuser auf schmalen Parzellen an engen Gassen und Marktflächen. Bis zu seiner Verlegung auf die Rheinauhalbinsel im Jahre 1898 wurde der gesamte Hafenbetrieb hier vor dem zentralen Altstadtbereich abgewickelt. Das altstädtische Gebiet mit den Bereichen um den Alter Markt und Heumarkt mit dem anliegenden Martinsviertel und dortigen Überresten des mittelalterlichen Handelsviertels wurde nach dem Krieg überwiegend nach einheitlichen Gesichtspunkten und unter Wahrung der wenigen erhaltenen Bausubstanz als historischer Altstadtbereich wiederaufgebaut bzw. neu erbaut. Während der Aufbauphase seit den 50er Jahren stellte sich im Martinsviertel die Aufgabe, die Stadtsilhouette durch Maßstäblichkeit, Anlehnung an überlieferte Baugruppen, Baumassen und Rhythmus zu bewahren. Die Parzellenstruktur wurde übernommen, ebenso konnten die Spitzdächer mit gleicher Traufhöhe (Kölner Dach), die 1965 von der Städtebaukonferenz für Neubauten gefordert wurden, realisiert werden. Bestimmend für die Gebäudeansichten sind spitze schiefergedeckte Sattel- oder Walmdächer im Gegensatz zur Betonung der Horizontalen durch gleichförmige Reihung der Fenster (fünfgeschossig bei zum Teil unterschiedlicher Geschoßanordnung, drei bis vier Achsen) die durch mehrteilige Zusammenfassung als Bänder in den Obergeschossen die Putzfassaden auflockern. Die Dachsilhouette und die Fassadengestaltung sind prägend für die Gesamtansicht am Heumarkt, sie tragen zur Vereinheitlichung des historischen Platzes bei. Der Heumarkt erscheint nach der Wiederaufbauphase als einheitlich gestalteter, nach Süden hin offener Platz. Das im Kreuzungsbereich zum Seidmacherinnengäßchen und Unter Käster gelegene Gebäude Heumarkt 73 zeigt eine zurückhaltend gestaltete, das Erscheinungsbild des historischen Platzes wahrende Schauseite (dreiteiliger Gliederungsrhythmus, schmucklose Putzfassade, leicht hervortretende Natursteinrahmung aller Fenster bzw. vierteiliges Fensterband im 1. Obergeschoß und ein hinter die flächige Fassadenwand mit horizontalem Abschluß zurückgesetztes spitzes Walmdach mit Gaupe in der Mittelachse). Die Platzbebauung weist in der Mehrzahl Gebäude mit gewerblicher Nutzung in den - dementsprechend weitgehend verglasten und bisweilen durch aggressive Werbeanlagen gestörten - Erdgeschossen auf. Der den Gebäuden vorgelagerte Bereich zeigt sich als Fußgängerpromenade an baumbestandenen Grünflächen.

Das Gebäude Heumarkt 73, das sich bewußt an der Maßstäblichkeit und dem Erscheinungsbild der Vorkriegsbebauung orientiert, ist aufgrund der Wahrung der historischen Maßstäblichkeit des Kölner Altstadtcharakters mit Verwendung von Versatzstücken der für die Kölner Baugeschichte charakteristischen Fassadendetails und trotz der äußerst konservativen architektonischen Gestaltung, als Zeugnis für den Wiederaufbau des historischen Stadtbereichs erhaltenswert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0