Wohn- u. Geschäftshaus

Mainzer Straße 37 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7631
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Mainzer Straße 37, 50678 Köln
Baujahr1903 bis 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 30.08.1995
Stadtteil Neustadt/Süd

Erbaut 1903 - 06; 5 Geschosse, ausgebautes Satteldach (2 in der Substanz originale Gauben); 3 Achsen (Eingang links; Zugang Ladenlokal mittig); EG verändert (Wandfliesenverkleidung); Putzfassade mit reicher Stuckgliederung in Verbindung von Neo-Barock und Jugendstil; asymmetrische Fassadenkomposition durch fünfgeschossigen Erker mit Ziergiebel; 1./2. OG: Wandfläche mit horizontalem Fugenschnitt; Fenster der Seitenachsen in gemeinsamer Rahmung zusammengefaßt (Schweifgiebel, ornamentierte Brüstungsfelder, Konsolen, profilierte Fensterrahmung); 3./4. OG: durch Kolossalpilaster als Einheit aufgefaßt (Seitenachsen mit reich ornamentierten Giebelfeldern; Drempelzone der rechten Achse mit monumentalen, ornamentgefaßten Masken); Ziergiebel (Erker) mit profilierter Rahmung (monumentale Voluten) und reich ornamentierten Wandfeldern (Fensterbrüstung mit Maske); Fenster/Türen erneuert; Rückfront: verputzt; 4 Achsen; Fenster (außer EG) erneuert. Innen original: seitlicher Bodenbelag (weißer Mamor) brüstungshohe Natursteinverkleidung, flach gewölbte Decke (floral ornamentiert) mit Gurtbögen (florales Ornament) im Vorflur; bogenförmiger Unterzug auf ornamentierten Konsolen; Terrazzotreppe mit Metallgeländer und Holzhandlauf; Podeste mit Terrazzobelag; ornamentierte Bodenfliesen/Marmorstufen am Hofzugang; Wohnungstür EG; Zimmertüren u. a. im 1. (mit Beschlägen) und 2. OG; Fußleisten (u. a. 1. OG); Wandfliesen mit Abschlußleiste im 1./4. OG; Stuckleisten und Mittelrosetten (u. a.: 1. OG: Flur, Hinterzimmer, Unterzug Erkerzimmer profiliert; 2. OG: Stuckleiste in Flur, Hinterzimmer, Vorderzimmer rechts; 4. OG: Hinterzimmer); Dielenböden; Keller (zum Teil mit preußischen Kappen) und Kellertür. Bestandteil des Denkmals ist auch die rückwärtige (verputzte) Hofmauer. Nicht Bestandteil des Denkmals ist der eingeschossige Anbau im Hof (zum Ladenlokal gehörend).

Die Kölner Neustadt wurde als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts seit 1880 von Joseph Stübben geplant und seit 1881 von ihm ausgeführt. Diese sich halbkreisförmig um die Altstadt legende Bebauungszone wird wesentlich durch die sogenannten "Ringe" geprägt. Auf diesen Prachtboulevard wurden alle städtebaulichen Planungen der Neustadt mit ihren Straßen, Plätzen, Grünanlagen und öffentlichen Bauten ausgerichtet.

In diesem städtebaulichen Zusammenhang kommt der Mainzer Straße eine hervorragende Bedeutung zu, da sie die Verbindung zwischen dem Ubierring und dem Sternplatz am Römerpark herstellt. Dieser Platz, in dessen unmittelbarer Nähe sich das o. g. Ojbekt befindet, ist prägend für die stübbensche Planung, die immer wieder mit platzbildenden Konzentrationen von Straßenzügen arbeitet, um so ein spannungsreiches Straßenbild zu schaffen. Ein weiteres Anliegen der neustädtischen Planung ist die Durchgrünung der neuen Stadtquartiere, wofür die Mainzer Straße, als zweireihige Allee angelegt, ein typisches Beispiel ist. Die südliche Neustadt gehört zu den "herrschaftlichen bis gutbürgerlichen" Wohngegenden (wie u. a. auch das "Gerichtsviertel" und das "Belgische Viertel"), die durch ausgesprochen repräsentative Bauten geprägt sind, wie es sich auch am o. g. Objekt zeigt. Der hoch aufragende Bau wird durch einen kräftig vortretenden Erker mit hohem Ziergiebel akzentuiert. Diese risalitartige Fassadengestaltung verweist ebenso wie der stark plastische Bauschmuck (Giebelaufsätze, Konsolen, Fugenschnitt) auf Vorbilder barocker Schloßbauarchitektur, wodurch sich der repräsentative Anspruch der Architektur ausdrückt. Die Ornamentik hingegen ist eindutig dem damals "modernen" Jugendstil entnommen, so daß sich eine für die Kölner Neustadtarchitektur nach der Jahrhundertwende typische Kombination von Historismus und Jugendstil ergibt. Als straßenbildprägendes Beispiel der Erstbebauung ist das o. g. Objekt als integraler Bestandteil des weitgehend erhaltenen "Ensemble Mainzer Straße" unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0