Wohnhaus

Mainzer Straße 35 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7751
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Mainzer Straße 35, 50678 Köln
Baujahrum 1903
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.01.1996
Stadtteil Neustadt/Süd

Erbaut um 1903; Fassade: 5 Geschosse, ausgebautes Mansarddach mit Zwerchhaus und seitlichen Gauben (Verkleidung erneuert); 5 Achsen (Eingang links); Putzfassade mit sparsamer Stuckgliederung des Jugendstil (flächige Oberflächenstruktur, überformte klassizistische Elemente: horizontale Lagerfugen, kannelierte Rahmung/Gliederung der Fensterbrüstungen, stilisierte Keilsteine); Mittenbetonung durch leicht konvex vorgewölbten Erker; Horizontalgliederung durch Lagerfugen (EG/1. OG), Stockwerk-(1./2. OG), Sohlbank-(1./2. OG) und Traufgesims; Fenster, Eingangstür und Dachdeckung erneuert.

Rückfront: 4:1 Achsen (kurzer Seitenflügel); backsteinsichtig; profiliertes Traufgesims; stichbogenförmige Fensteröffnungen; Fenster original; Hoftür erneuert.

Innen original: Vorflur: horizontale brüstungshohe Wandgliederung; vertikale Gliederung durch Kanneluren mit stilisiertem Blumenornament; Decke mit kannelierten Gurtbögen; Unterzug mit ornamentierter Rahmung; Terrazzo mit Bordüre im Vorflur/EG-Treppenhaus, Podeste; Terrazzotreppe, schmiedeeisernes Geländer und Holzhandlauf; profilierte Wandleisten; Wohnungseingangstür EG; Zimmertüren mit Beschlägen, profilierte Fußleisten und Stuckkehlen u.a. im 1. OG.

Bestandteil des Denkmals ist auch die zweischenklige rückwärtige Hofmauer (backsteinsichtig, gestrichen).

Die Kölner Neustadt wurde als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts seit 1880 von Josef Stübben geplant und seit 1881 von ihm ausgeführt. Diese sich halbkreisförmig um die Altstadt legende Bebauungszone wird wesentlich durch die sogenannten "Ringe" geprägt. Auf diesen Prachtboulevard wurden alle städtebaulichen Planungen der Neustadt mit ihren Straßen, öffentlichen Plätzen und Grünanlagen ausgerichtet.

In diesem städtebaulichen Zusammenhang kommt der Mainzer Straße eine besondere Bedeutung zu, da sie die Verbindung zwischen dem Ubierring und dem Sternplatz am Römerpark herstellt. Dieser Platz, in dessen unmittelbarer Nähe sich das o.g. Objekt befindet, ist prägend für die stübbensche Planung, die immer wieder mit platzbildenden Konzentrationen von Straßenzügen arbeitet, um so ein spannungsreiches Straßenbild zu schaffen.

Ein weiteres Anliegen der neustädtischen Planung ist die Durchgrünung der neuen Stadtquartiere, wofür die Mainzer Straße, als Allee angelegt, ein typisches Beispiel ist. Die südliche Neustadt gehört zu den "herrschaftlichen bis gutbürgerlichen" Wohngegenden (wie u.a. auch das "Gerichtsviertel" und das "Belgische Viertel"), die durch ausgesprochen repräsentative Bauten geprägt sind. Die Mainzer Straße ist im Bereich zwischen der Maternusstraße und dem Sternplatz am Römerpark durch eine vier- bis fünfgeschossige Bebauung geprägt, deren Hauptmerkmale unterschiedlich gestaltete Erker, hochaufragende, z.T. breit gelagerte Dachaufbauten und aufwendige Dekorationen unterschiedlichster Provenienz sind. So wird auch das o.g., fünfgeschossige Objekt durch einen Mittelerker mit Zwerchhaus und eine starke Betonung der Horizontale akzentuiert. Die relativ zurückhaltenden Schmuckformen verweisen auf ihre Provenienz aus dem Klassizismus, die, charakteristisch für den Jugendstil, überformt (z.T. aus ursprünglichem Funktionszusammenhang gelöst und zu Dekorationselementen umgewertet) und flächig angelegt werden.

Als straßenbildprägendes Beispiel der variabel gestalteten Erstbebauung ist das o.g. Objekt als integraler Bestandteil des weitgehend erhaltenen "Ensemble Mainzer Straße" unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0